Sechs Tage nach ihrem ersten Karriereduell in Washington trafen Rafael Jódar Camacho und Lorenzo Musetti beim ATP Masters 1000 in Montreal erneut aufeinander – diesmal mit dem Einzug ins Achtelfinale auf dem Spiel. Das Ergebnis war dasselbe wie in der Vorwoche: Der 19-jährige Spanier gewann souverän mit 6:4, 6:3 und ließ dem Italiener erneut keine Chance.
Jódars Aufschlag als Fundament
Rafael Jódar Camacho dominierte das Match von der ersten Minute an. Die Statistiken widerspiegeln seine Überlegenheit deutlich: 73 Prozent seiner ersten Aufschläge landeten im Feld, davon gewann er starke 71 Prozent der Punkte. Mit einer Service-Gewinnquote von 67 Prozent in den Aufschlagspielen legte der Spanier ein solides Fundament, auf dem er sein gesamtes Spiel aufbaute. 19 Winner standen lediglich 22 unerzwungene Fehler gegenüber – eine effiziente Bilanz, die seine Überlegenheit in 1 Stunde und 35 Minuten unterstreicht.
Musetti hingegen kämpfte spürbar mit Inkonstanz. Vier Doppelfehler und 34 unerzwungene Fehler verrieten, dass der Italiener nach seiner mehr als zweimonatigen Verletzungspause – in Rom hatte er sich einen Riss des Rectus femoris zugezogen, der ihn zur Aufgabe bei den French Open und zum Verzicht auf Wimbledon gezwungen hatte – noch nicht die Form eines Turnierfavoriten besitzt. Musetti, in Montreal an Position 11 gesetzt, überstand das Turnier auch diesmal nicht über die dritte Runde hinaus – wie bereits 2023 und 2025.
Konstanter Druck im zweiten Satz
Im zweiten Satz zeigte sich, welche Klasse Jódar Camacho aktuell besitzt. Zwar gab er zweimal seinen Aufschlag ab, doch er übte seinerseits konstant Druck auf Musettis Aufschlagspiele aus und verwertete seine Breakchancen mit einer Quote von 55 Prozent. Im Return-Spiel gewann Jódar 56 Prozent der Punkte und sicherte sich 60 Prozent der gegnerischen Aufschlagspiele – eine Machtdemonstration in den entscheidenden Momenten der Partie.
Musetti versuchte, Breaks abzuwehren, doch seine Aufschlagquote von 60 Prozent bei der ersten Aufgabe und lediglich 40 Prozent gewonnene Servicespiele reichten nicht aus, um dem Druck des Spaniers standzuhalten. Die Begegnung war nach 1 Stunde und 35 Minuten beim Stand von 6:4, 6:3 aus Sicht von Jódar Camacho entschieden.
Der Aufstieg eines Ausnahmetalents
Rafael Jódar Camacho begann die Saison 2026 als Nummer 168 der Welt. Seitdem kletterte er rasant durch die Rangliste: Im März überquerte er die Top-100-Marke, im April die Top 50, und durch seinen Finaleinzug in Washington erreichte er als Karrierehoch Rang 15. In Montreal bestritt der Madrider, der beim Grand Prix Hassan II in Marrakesch seinen ersten ATP-Titel auf Sand holte und Viertelfinali in Madrid, Rom sowie bei den French Open erreichte, erstmals überhaupt ein Match auf der Anlage des IGA Stadium – und nutzte gleich sein Debüt für den Einzug in die Runde der letzten 16.
Für Musetti hingegen endet ein Turnier, das er wohl als Test seiner Comeback-Form betrachtete, früh. Der Weg zurück an die Spitze wird für den Italiener mehr Zeit brauchen. Jódar Camacho dagegen marschiert weiter – und tut dies mit bemerkenswerter Konsequenz.