Besonders problematisch ist die Situation für jene Profis, deren Klubs zusätzlich im Europacup vertreten sind. Für sie reiht sich derzeit praktisch eine englische Woche an die nächste – und die Liste der Verletzungen wird immer länger.
Havertz verletzt sich gegen die Niederlande
Kai Havertz erwischte es bereits beim deutschen Nations-League-Auftakt gegen die Niederlande. Der Arsenal-Angreifer musste beim 1:1 in Amsterdam nach einer halben Stunde ausgewechselt werden und konnte den Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft nicht fortsetzen.
Die Untersuchungen ergaben eine Muskelzerrung im linken hinteren Oberschenkel. Havertz kehrte deshalb vorzeitig zu Arsenal zurück. Eine genaue Ausfalldauer wurde zunächst nicht kommuniziert. Für die Gunners ist die Verletzung dennoch besonders unangenehm, da Havertz zu Saisonbeginn im Angriff eine wichtige Rolle einnahm und Arsenal nach der Länderspielpause sofort wieder in einen dichten Spielplan startet.
Schlotterbeck erwischt es erneut am Sprunggelenk
Auch Nico Schlotterbeck musste das deutsche Teamcamp verletzt verlassen. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund knickte beim Aufwärmen ohne Fremdeinwirkung um. Untersuchungen zeigten eine Bandverletzung am rechten Sprunggelenk.
Besonders bitter: Schlotterbeck war erst vor Kurzem von einer Verletzung am linken Sprunggelenk zurückgekehrt, die ihn bereits zum Ende der vergangenen Saison und zu Beginn der neuen Bundesliga-Spielzeit ausgebremst hatte. Wie lange der 26-Jährige diesmal fehlen wird, ist noch offen.
Muskelfaserriss bei Musiala
Noch vor dem Spiel gegen die Niederlande hatte es Jamal Musiala erwischt. Der Bayern-Star war ursprünglich für die Startelf vorgesehen, bekam jedoch beim Aufwärmen Probleme im rechten Oberschenkel und musste kurzfristig passen.
Die anschließende MRT-Untersuchung ergab einen Muskelfaserriss. Musiala reiste ebenfalls vorzeitig aus dem DFB-Quartier ab. Für den FC Bayern ist das ein weiterer Rückschlag bei einem Spieler, der in den vergangenen Monaten ohnehin mehrfach mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte.
Immerhin stellte Bundestrainer Jürgen Klopp unmittelbar nach dem Spiel klar, dass die Beschwerden nichts mit Musialas zuvor bekannt gewordenen gesundheitlichen Problemen zu tun hatten, sondern eine klassische muskuläre Fußballverletzung darstellen.
Gakpo muss mit Knöchelverletzung abreisen
Auch die niederländische Nationalmannschaft wurde während des Lehrgangs schwer getroffen. Cody Gakpo musste beim 2:1 gegen Serbien bereits nach 17 Minuten ausgewechselt werden. Der Liverpool-Offensivspieler griff sich an den Knöchel und konnte nicht weitermachen.
Der niederländische Verband bestätigte anschließend eine Knöchelverletzung und schickte Gakpo zurück nach Liverpool, wo weitere Untersuchungen durchgeführt wurden. Eine offizielle Prognose zur Ausfalldauer steht weiterhin aus. Angesichts des bevorstehenden Spitzenspiels gegen Manchester City wäre ein längerer Ausfall für Liverpool besonders unangenehm.
Brobbey mit schwerer Oberschenkelverletzung
Noch ernster dürfte es Brian Brobbey erwischt haben. Der Sunderland-Stürmer verletzte sich ebenfalls im niederländischen Team und musste gegen Deutschland nach gut einer halben Stunde vom Platz.
Brobbey zog sich offenbar eine schwerere Verletzung an der Oberschenkelrückseite zu. Eine endgültige Diagnose samt konkreter Ausfallzeit wurde von Sunderland bislang nicht veröffentlicht, die ersten Einschätzungen aus den Niederlanden fielen jedoch wenig optimistisch aus und man muss wohl von mehreren Wochen Ausfallzeit ausgehen, was für die „Black Cats“ natürlich ein enorm schwerwiegender Schlag ist.
Brobbey zog sich die Blessur ohne direkten Kontakt bei einer Laufbewegung zu. Genau solche Muskelverletzungen werden in der Debatte über die enorme Belastung der Profis immer wieder als klassisches Warnsignal genannt.
Van Hecke kehrt verletzt zu Tottenham zurück
Jan Paul van Hecke komplettierte die lange niederländische Verletztenliste. Der Innenverteidiger zog sich gegen Serbien eine Fußverletzung zu und versuchte wenige Tage später noch einmal, ins Training einzusteigen.
Nach nur wenigen Minuten musste er die Einheit allerdings abbrechen. Van Hecke reiste daraufhin zurück zu Tottenham. Neuere Berichte deuten zumindest darauf hin, dass die Verletzung nicht langfristiger Natur sein dürfte und eine baldige Rückkehr möglich ist. Das eine oder andere Spiel wird er den weiterhin in einer handfesten Krisen steckenden Spurs aber dennoch fehlen.
Dorgu verletzt sich gegen Wales
Manchester United bekam ebenfalls schlechte Nachrichten vom Nationalteam. Patrick Dorgu musste beim 2:0-Sieg Dänemarks gegen Wales bereits in der ersten Hälfte vom Feld.
Der 21-Jährige hatte sich bei einer Aktion offenbar an der Rückseite des Oberschenkels verletzt. Dänemarks Teamchef Brian Riemer bestätigte anschließend, dass Dorgu den Lehrgang abbrechen und zu Manchester United zurückkehren müsse.
Eine genaue Diagnose steht noch aus. Gerade für Dorgu kommt die Verletzung zu einem ungünstigen Zeitpunkt, nachdem er in allen bisherigen Premier-League-Partien der Saison zum Einsatz gekommen war.
Ödegaard spielt trotz Knöchelproblemen weiter
Bei Martin Ödegaard scheint Arsenal hingegen mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Der Norweger bekam im Nations-League-Spiel gegen Portugal einen harten Tritt auf den linken Knöchel ab und verließ das Stadion anschließend leicht humpelnd.
Ödegaard bezeichnete die Verletzung selbst lediglich als Schlag auf den Knöchel und setzte danach zwar eine Trainingseinheit aus, konnte anschließend aber gegen Wales über die gesamten 90 Minuten spielen und sogar einen Assist liefern.
Ein struktureller Schaden ist bislang nicht bekannt. Dennoch dürfte Arsenal genau beobachten, wie der Kapitän auf die hohe Belastung der vergangenen Wochen reagiert. Schließlich geht es auch für den englischen Meister in den nächsten Wochen mit zahlreichen Spielen weiter und Belastungssteuerung wird das große Zauberwort sein.
Entwarnung bei Raphinha
Auch bei Raphinha war die erste Aufregung größer als die letztliche Diagnose. Der Barcelona-Star wurde beim 4:2 Brasiliens gegen Australien zur Halbzeit ausgewechselt und verließ das Nationalteam anschließend wegen einer Schwellung im rechten Oberschenkel.
Gerade aufgrund seiner Verletzungshistorie in diesem Bereich schrillten in Barcelona zunächst die Alarmglocken. Die nach seiner Rückkehr durchgeführten Untersuchungen brachten allerdings Entwarnung: Eine strukturelle Verletzung wurde auch bei ihm ausgeschlossen.
Raphinha soll Barcelona beim nächsten Ligaspiel gegen Getafe grundsätzlich wieder zur Verfügung stehen. Angesichts des extrem dichten Programms im Oktober dürfte der Brasilianer dennoch vorsichtig belastet werden.
Holm droht monatelanger Ausfall
Den schwersten Rückschlag aus dieser Gruppe erlitt Emil Holm. Der schwedische Rechtsverteidiger von Bologna brach beim Nations-League-Spiel gegen Rumänien in der zweiten Hälfte zusammen, griff sich sofort an die Oberschenkelrückseite und musste auf einer Trage vom Platz gebracht werden.
Die Untersuchungen bestätigten anschließend die Befürchtungen. Holm erlitt eine Verletzung der Sehne im rechten hinteren Oberschenkel und musste operiert werden. Bologna rechnet mit einer Ausfallzeit von vier bis sechs Monaten.
Für den 26-Jährigen ist es ein besonders harter Rückschlag, nachdem er bereits die Weltmeisterschaft im Sommer verletzungsbedingt verpasst hatte.
Zahlreiche weitere Ausfälle und Fragezeichen
Damit ist die Liste allerdings längst nicht vollständig. Liverpool musste auch Alexander Isak vorzeitig von der schwedischen Nationalmannschaft zurückholen, nachdem der Stürmer eine als geringfügig bezeichnete Blessur erlitten hatte. Sunderland verlor neben Brobbey auch Innenverteidiger Dan Ballard mit einer Oberschenkelverletzung.
Bei Aston-Villa-Torhüter Zion Suzuki wurden Rippenprobleme gemeldet, Bruno Fernandes schleppte bereits aus Manchester eine Verletzung mit ins portugiesische Teamcamp. Auch Christos Tzolis, Ezri Konsa, Lutsharel Geertruida und Nico O’Reilly sorgten im Verlauf der langen Länderspielphase für Verletzungssorgen. Bei Micky van de Ven gab es nach einer schmerzhaften Fingerverletzung hingegen rasch Entwarnung.
Nicht jeder dieser Fälle wird zu einem längeren Ausfall führen. Die schiere Anzahl an Blessuren, Belastungsproblemen und vorzeitig abgereisten Spielern fällt dennoch auf.
Schlager kritisiert die enorme Belastung
Dass die Problematik längst auch bei den Spielern selbst angekommen ist, zeigte Österreichs Xaver Schlager nach dem abschließenden Nations-League-Spiel im Kosovo. Der Nottingham-Forest-Legionär hatte alle vier ÖFB-Partien innerhalb der außergewöhnlich langen Länderspielphase durchgespielt und kritisierte anschließend deutlich, dass innerhalb von zwei Wochen vier Länderspiele angesetzt wurden.
„Hauptsache, wir haben Spiele, Spiele, Spiele. Aber wie es uns dabei geht, ist im Endeffekt scheißegal“, sagte Schlager nach dem 1:1 in Prishtina.
Gerade für Spieler von Europacup-Teilnehmern wird die Belastung zum Dauerzustand. Liga, Champions League, Europa League oder Conference League, nationale Cupbewerbe und Länderspiele sorgen dafür, dass für viele Profis praktisch nur noch englische Wochen stattfinden. Nicht jede Verletzung lässt sich direkt auf Überbelastung zurückführen – bei Kontaktverletzungen spielt der Terminplan naturgemäß kaum eine Rolle. Die Häufung muskulärer Probleme und Verletzungen ohne gegnerische Einwirkung macht die Diskussion über Regeneration, Spielanzahl und Belastungssteuerung allerdings aktueller denn je.