Der Sieg war insgesamt verdient, obwohl der Kosovo unmittelbar nach der Pause seine beste Phase hatte. Österreich erzeugte über weite Strecken mehr Druck im letzten Drittel und kam auf 1,83 xG gegenüber 1,36 des Gegners. Der kosovarische Wert wurde dabei durch den späten Elfmeter erheblich angehoben.
Rangnick rotiert und bringt Zawieschitzky im Tor
Rangnick veränderte seine Startelf gegenüber dem 3:1 gegen Israel deutlich. Sechs Positionen wurden neu besetzt. Unter anderem begannen David Affengruber, Nikolas Veratschnig, Maximilian Wöber, Paul Wanner und Junior Adamu. Besonders im Mittelpunkt stand aber Christian Zawieschitzky, der anstelle von Alexander Schlager sein Debüt im österreichischen A-Team feierte.
Der erst 19-Jährige zählt zu den größten heimischen Torwarttalenten und ist seit diesem Sommer die Nummer eins bei Red Bull Salzburg. Rangnick hatte bereits vor der Partie betont, die jungen Torhüter mit Blick auf die weitere Entwicklung und die kommende Europameisterschaft auf A-Team-Niveau sehen zu wollen. Zawieschitzky dürfte nach dieser Premiere daher auch künftig regelmäßig zum erweiterten Kreis des Nationalteams gehören.
Österreich formierte sich im gewohnten 4-2-3-1 mit Xaver Schlager und Nicolas Seiwald vor der Abwehr. Der Kosovo begann unter Ex-ÖFB-Teamchef Franco Foda in einem 3-4-3. Auffällig war, dass Edon Zhegrova zunächst nur auf der Bank saß. Vedat Muriqi bildete die zentrale Spitze und sollte vor allem bei direkten Zuspielen als Zielspieler dienen.
Österreich findet nach frühem Warnschuss die Kontrolle
Der Kosovo zeigte bereits nach sechs Minuten, dass dieses Konzept gefährlich werden konnte. Muriqi bekam im österreichischen Strafraum die erste gute Möglichkeit, setzte seinen Abschluss aber über das Tor.
Danach übernahm Österreich zunehmend das Kommando. Rangnicks Mannschaft versuchte, den gegnerischen Aufbau früh zu stören und nach Ballgewinnen möglichst schnell vertikal zu werden. Schlager und Seiwald sicherten das Zentrum, während Wimmer und Schmid von den Seiten häufig nach innen rückten. Der Kosovo wurde dadurch phasenweise tief in die eigene Hälfte gedrückt und suchte nach Ballgewinnen meist rasch Muriqi oder die aufrückenden Flügelspieler.
Die Führung fiel allerdings nach einer Standardsituation. Romano Schmid brachte in der 23. Minute einen Freistoß aus rund 30 Metern gefühlvoll in den Strafraum. Affengruber löste sich von seinem Gegenspieler und köpfte zum 1:0 ein. Für den Innenverteidiger war es im zweiten Länderspiel sein erstes Tor für Österreich.
Wimmer treibt das ÖFB-Team zum zweiten Treffer
Österreich blieb danach die aktivere Mannschaft, ohne dauerhaft ein hohes Tempo gehen zu müssen. Besonders Patrick Wimmer bereitete dem Kosovo Probleme. Der Flügelspieler verband aggressives Gegenpressing mit direkten Läufen in die Tiefe und war an mehreren gefährlichen Angriffen beteiligt.
Kurz vor der Pause wurde das belohnt. Wimmer brach in der Nachspielzeit hinter die kosovarische Abwehr durch und hätte selbst abschließen können. Stattdessen legte er quer auf Adamu, der nur noch ins leere Tor einschieben musste. Das 2:0 war zugleich Adamus erster Treffer im österreichischen Nationalteam.
Wimmers starke erste Hälfte war kein Zufallsprodukt. Er bereitete insgesamt drei Abschlüsse vor, gewann alle vier seiner Tacklings und kam auf zehn Balleroberungen – mehr als jeder andere ÖFB-Spieler. Gleichzeitig brachte er 32 seiner 36 Pässe an. Damit war er sowohl im Pressing als auch beim schnellen Übergang in die Offensive einer der wichtigsten Spieler.
Fodas Dreifachwechsel bringt den Kosovo zurück
Mit dem 0:2 reagierte Foda zur Pause deutlich. Gleich drei Spieler kamen neu ins Spiel, darunter Zhegrova. Der Kosovo agierte nun mutiger, rückte mit den Außenspielern höher auf und brachte Muriqi schneller in Abschlusspositionen.
Das machte sich sofort bemerkbar. Der Stürmer kam kurz nach Wiederbeginn zweimal gefährlich zum Abschluss. Zunächst verhinderte Zawieschitzky mit einer starken Parade seinen ersten Gegentreffer im Nationalteam, beim anschließenden Versuch wurde der Ball noch vor der Linie geklärt.
Österreich musste in dieser Phase häufiger tiefer verteidigen als noch vor der Pause. Das lag auch am Spielstand: Der Kosovo ging nun mehr Risiko ein, während Rangnicks Mannschaft nicht mehr jeden Angriff mit derselben Konsequenz hoch anlaufen musste. Bei hohen und direkten Bällen blieb Österreich dennoch stabil und gewann einen klaren Großteil der Luftduelle.
Chukwuemeka nutzt Murićs Fehler
Mitten in Kosovos stärkster Phase fiel das 3:0. Paul Wanner spielte den Ball in der 61. Minute flach in den Fünfmeterraum. Torhüter Arijanet Murić bekam die Hereingabe nicht unter Kontrolle und legte sie unfreiwillig vor die Füße des kurz zuvor eingewechselten Chukwuemeka. Der Mittelfeldspieler reagierte am schnellsten trifft zum 3:0.
Für Murić war es der Tiefpunkt eines schwierigen Abends. Wenige Minuten später musste er nach einer Verletzung, die er sich im Getümmel rund um den Treffer zugezogen hatte, ausgewechselt werden.
Kosovo gab sich dennoch nicht vollständig geschlagen. Affengruber kam in der Schlussphase im eigenen Strafraum zu spät und verursachte einen Elfmeter. Zhegrova übernahm in der 83. Minute die Verantwortung und verwandelte sicher zum 3:1. Mehr ließ Österreich anschließend nicht mehr zu.
Österreich bestätigt den gelungenen Start
Die Gesamtzahlen spiegeln die Kräfteverhältnisse gut wider. Österreich führte bei den Abschlüssen mit 11:6 und hatte mit 28:13 mehr als doppelt so viele Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Der Ballbesitz war mit 52:48 Prozent dagegen nahezu ausgeglichen. Das zeigt, dass Rangnicks Mannschaft nicht über lange Ballbesitzphasen dominierte, sondern vor allem durch frühe Balleroberungen, Standards und schnelle Angriffe gefährlich wurde.
Mit sechs Punkten aus zwei Spielen ist der Start in die Nations League gelungen. Gleichzeitig lieferte die Partie mit Zawieschitzky, Affengruber und Adamu weitere positive Erkenntnisse aus der veränderten Mannschaft. Bereits am Donnerstag wartet die nächste Aufgabe: Österreich gastiert in Dublin bei der Republik Irland, ehe drei Tage später das Rückspiel gegen den Kosovo folgt.