Mit David Alaba, Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer fehlen gleich drei langjährige Führungsspieler. Alaba ist derzeit nicht matchfit, Arnautovic beendete nach der WM seine Nationalteamkarriere und Sabitzer nimmt zumindest bis Jahresende eine ÖFB-Auszeit. Konrad Laimer, der in der neuen Konstellation wohl zu den ersten Anwärtern auf die Kapitänsbinde gehört hätte, fällt zumindest gegen Israel und den Kosovo mit einer Adduktorenverletzung aus.
Gregoritsch wird Kapitän – aber nicht für jedes Spiel
Die Wahl Gregoritschs begründete Rangnick vor allem mit dessen Erfahrung und Persönlichkeit. Mit 78 bisherigen Länderspielen ist der Angreifer im aktuellen Kader der mit Abstand erfahrenste Akteur.
Der Teamchef deutete jedoch bereits an, dass die Binde im Laufe des Lehrgangs wechseln dürfte: „Ich glaube nicht, dass Gregerl jetzt alle vier Spiele durchspielen wird. Das ist unwahrscheinlich. Also wird womöglich in einem der anderen Spiele auch jemand anderes die Binde tragen.“
Damit stellt sich die Frage nach der neuen Führungsstruktur. Einen fixen Stellvertreter nannte Rangnick nicht. Xaver Schlager wäre aufgrund seiner Erfahrung, seiner zentralen Rolle im Spiel und seiner Persönlichkeit ein naheliegender Kandidat. Auch Torhüter Alexander Schlager gehört mittlerweile zu den länger etablierten Spielern des Rangnick-Teams.
In der Defensive kommen zudem Philipp Lienhart und Maximilian Wöber infrage. Beide sind seit Jahren Bestandteil des Nationalteams und verfügen über reichlich internationale Erfahrung. Sollte Laimer im weiteren Verlauf des Lehrgangs wieder fit werden, wäre auch der Bayern-Legionär sofort wieder ein logischer Anwärter.
Rangnick will die Führungsverantwortung ohnehin auf mehrere Schultern verteilen. Für seine Spielweise sei entscheidend, „dass jeder Spieler, der auf dem Platz steht, Verantwortung übernimmt“. Gerade bei der von ihm geforderten „Schwarmintelligenz“ könne es nicht nur ein oder zwei Führungsspieler geben.
Alexander Schlager bleibt vorerst die Nummer eins
Klarer ist die Situation zunächst im Tor. Rangnick bestätigte, dass Alexander Schlager gegen Israel beginnen wird. Das ist durchaus bemerkenswert, denn der 30-Jährige hat nach seinem Sommerwechsel von Salzburg zu Werder Bremen seinen Stammplatz auf Klubebene verloren.
Werder verpflichtete Schlager nach der WM, setzte jedoch weiterhin auf Karl Hein als Nummer eins. Der Este trägt mittlerweile auch offiziell die Rückennummer 1, Schlager die Nummer 30. Der Österreicher kam bislang unter anderem im DFB-Pokal zum Einsatz, sitzt in der Bundesliga aber hinter Hein auf der Bank.
Rangnick sieht darin kurzfristig noch kein Problem: „Er hat trotzdem auch im Pokal schon gespielt für Bremen und davor bei uns eine richtig gute WM gespielt. Deswegen wird er morgen auch von Beginn an spielen.“ Gleichzeitig schob der Teamchef nach: „Als Dauerlösung muss man dann mal schauen, was das bedeutet.“
Genau dieser Zusatz macht die Torhüterfrage für die kommenden Monate interessant.
Wiegele erhöht den Druck
Der ernsthafteste Herausforderer dürfte derzeit Florian Wiegele sein. Der 25-Jährige hat bei Viktoria Pilsen einen völlig anderen Rhythmus als Schlager. In der laufenden Saison stand der 2,05 Meter große Torhüter bereits achtmal in der tschechischen Liga und zweimal im Europacup im Tor. Schon in der vergangenen Spielzeit hatte er sich bei Pilsen immer stärker etabliert.
Wiegele war bereits bei der WM dabei und ist damit längst näher an die Mannschaft herangerückt. Sollte Schlager bei Werder dauerhaft ohne regelmäßige Spielpraxis bleiben, könnte sich die Hierarchie deshalb schnell verschieben. Rangnick betonte ausdrücklich das Leistungsprinzip und lobte auch den Eindruck der anderen Keeper im Training.
Mit Lukas Jungwirth und Christian Zawieschitzky stehen zwei weitere junge Torhüter im aktuellen Kader. Beide spielen auf Klubebene regelmäßig: Jungwirth ist die Nummer eins des LASK, Zawieschitzky hat sich mit erst 19 Jahren bei Salzburg durchgesetzt.
Für die unmittelbare Nummer-Eins-Frage sind beide dennoch eher Außenseiter. Ihre Einberufungen dienen vorerst auch dazu, sie an das Niveau des Nationalteams heranzuführen und den Konkurrenzkampf im Training zu erhöhen. Für Schlager ist die Botschaft dennoch klar: Gegen Israel beginnt er im Tor – einen langfristigen Freibrief gibt es jedoch nicht.