Über die gesamten 90 Minuten war der Sieg hochverdient. Österreich kam auf 19 Abschlüsse und einen xG-Wert von 2,51, während Israel mit fünf Versuchen und lediglich 0,21 xG offensiv kaum etwas produzierte. Die Partie zeigte aber auch, dass Rangnicks Mannschaft gegen einen kompakten Gegner noch nicht durchgehend die nötige Geschwindigkeit und Präzision entwickelte.
Rangnick startet mit verändertem Personal
Von Österreichs nominell stärkster Besetzung fehlten einige prominente Namen. Marko Arnautović hat seine Nationalteamkarriere beendet, David Alaba und Marcel Sabitzer standen nicht zur Verfügung, Konrad Laimer fiel verletzt aus. Michael Gregoritsch führte die Mannschaft deshalb erstmals als Kapitän aufs Feld.
Rangnick setzte auf ein 4-2-3-1 mit Alexander Schlager im Tor. Vor ihm verteidigten Stefan Posch, Philipp Lienhart, Kevin Danso und Mwene. Xaver Schlager und Nicolas Seiwald bildeten das Zentrum, Patrick Wimmer, Schmid und Marco Grüll spielten hinter Gregoritsch.
Israel setzte offensiv vor allem auf die individuell starken Manor Solomon und Oscar Gloukh sowie Anan Khalaili. Abu Farkhi begann im Sturmzentrum. Die Gäste standen gegen den Ball über weite Strecken kompakt und wollten nach Ballgewinnen schnell umschalten.
Kalajdžić kommt für verletzten Gregoritsch ins Spiel
Österreich kontrollierte die Anfangsphase, tat sich aber schwer, aus dem Ballbesitz klare Möglichkeiten zu entwickeln. Lienhart und Gregoritsch verfehlten mit ersten Versuchen das Tor, Wimmer prüfte Daniel Peretz nach 24 Minuten erstmals. Wenig später köpfte Posch aus aussichtsreicher Position vorbei.
Israel machte die Räume im Zentrum eng und zwang Österreich häufig nach außen. Die Gastgeber gewannen zwar viele zweite Bälle, das Tempo in den Kombinationen war aber noch zu niedrig, um die israelische Defensive konstant auseinanderzuziehen.
In der 37. Minute folgte zudem ein Rückschlag: Gregoritsch musste verletzt vom Feld, Kalajdžić kam ins Spiel. Der Wechsel sollte sich beinahe unmittelbar auszahlen. Nach einem Zuspiel in den Strafraum war der eingewechselte Angreifer gerade dabei, zum Abschluss anzusetzen, als Idan Nachmias zu spät kam und ihn zu Fall brachte.
Schmid übernahm den Elfmeter und schickte Peretz mit seinem flachen Abschluss in die falsche Ecke – 1:0 in der 43. Minute. Noch vor der Pause hätte Posch erhöhen können, scheiterte diesmal aber am israelischen Torhüter.
Israels kurze Hoffnung endet in Unterzahl
Zur Pause brachte Rangnick Paul Wanner für Grüll und versuchte damit, zusätzliche Kreativität zwischen den Linien zu bekommen. Österreich blieb zunächst gefährlicher, Lienhart setzte einen Kopfball aus kurzer Distanz neben das Tor.
Umso überraschender fiel in der 55. Minute der Ausgleich. Bei einer der wenigen Situationen, in denen Israel den Ball gefährlich in den österreichischen Strafraum brachte, fand Abu Farkhi im Zentrum den nötigen Raum und köpfte zum 1:1 ein. Gerade weil die Gäste bis dahin kaum in gefährliche Abschlusspositionen gekommen waren, war der Treffer aus österreichischer Sicht besonders ärgerlich.
Nur wenige Sekunden später veränderte der Torschütze die Partie allerdings erneut. Abu Farkhi war bereits drei Minuten zuvor nach einem Gerangel bei einem Eckball verwarnt worden. Beim Jubel nahm er die Eckfahne aus ihrer Halterung und sah dafür die zweite Gelbe Karte. Israel musste ab der 56. Minute mit zehn Spielern weitermachen.
Österreich drückt, Peretz hält Israel im Spiel
Die Überzahl veränderte das Spielgeschehen. Israel zog sich deutlich weiter zurück, während Österreich nahezu dauerhaft um den gegnerischen Strafraum spielte. Der sofortige zweite Treffer gelang trotzdem nicht.
Kalajdžić kam mehrfach gefährlich zum Abschluss und zwang Peretz sowohl mit einem flachen Versuch als auch mit einem Kopfball zu Paraden. Auch Wanner scheiterte am israelischen Schlussmann. Der Torhüter war einer der Hauptgründe dafür, dass die Gäste bis tief in die Schlussphase auf einen Punkt hoffen konnten.
Die Gesamtzahlen verdeutlichen die österreichische Dominanz. Neben dem Verhältnis von 19:5 Abschlüssen kam das ÖFB-Team auf 42 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, Israel lediglich auf vier. Die xG-Werte von 2,51 zu 0,21 zeigen ebenfalls, dass das zwischenzeitliche 1:1 den tatsächlichen Kräfteverhältnissen kaum entsprach. Das größte Problem in dieser Phase blieb die Chancenverwertung: Trotz einer halben Stunde in Überzahl dauerte es bis zur Nachspielzeit, ehe die Entscheidung fiel.
Rangnick brachte nach 73 Minuten Christoph Lang und Sascha Horvath. Für den 30-jährigen LASK-Kapitän war es ein besonderer Moment: Nach seiner erstmaligen Einberufung für das A-Nationalteam feierte Horvath ausgerechnet in seinem Linzer Heimstadion sein ÖFB-Debüt.
Mwene erlöst Österreich spät
Als sich bereits ein enttäuschendes Remis abzeichnete, fand Österreich doch noch die entscheidende Lücke. Wanner spielte den Ball in der ersten Minute der Nachspielzeit auf die linke Seite, wo Mwene am zweiten Pfosten auftauchte und zum 2:1 traf. Für den Linksverteidiger war es sein erstes Tor für das Nationalteam.
Israel musste nun trotz Unterzahl wieder weiter nach vorne rücken – und öffnete damit Räume. Nur zwei Minuten später nutzte Österreich einen davon. Der eingewechselte Lang bereitete vor, Kalajdžić vollendete zum 3:1.
Der Stürmer hatte nach Gregoritschs verletzungsbedingtem Aus nicht nur den Elfmeter zum 1:0 herausgeholt, sondern Israel auch danach mit seiner Präsenz im Strafraum beschäftigt und schließlich selbst getroffen. Auch Schmid gehörte mit seinem sicheren Elfmeter und seiner Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff zu den auffälligsten Österreichern.
Österreich belohnt sich für die klare Überlegenheit
Positiv war vor allem, dass Österreich Israel über weite Strecken kaum offensive Möglichkeiten gestattete und auch nach dem überraschenden Ausgleich geduldig blieb. Die Wechsel funktionierten ebenfalls: Kalajdžić erzielte ein Tor und holte einen Elfmeter heraus, Wanner bereitete den Siegtreffer vor und Lang lieferte den Assist zum 3:1.
Verbesserungspotenzial gab es dennoch. Vor der Pause fehlte gegen Israels kompakten Block häufig Tempo, und auch in Überzahl dauerte es zu lange, bis aus der klaren territorialen Dominanz Tore entstanden. Dass Israel aus gerade einmal vier Strafraumkontakten einen Treffer machte, war zwar äußerst effizient, zeigte aber auch, dass Österreich in den wenigen kritischen Situationen konsequenter verteidigen muss.
Für den Start in die Nations League stehen dennoch drei wichtige Punkte. Bereits am Sonntag geht es weiter: Österreich empfängt um 18 Uhr den Kosovo in Wien und kann mit einem weiteren Sieg den gelungenen Auftakt in Gruppe B3 bestätigen.