Barcelona steht damit nach neun Ligaspielen weiterhin ohne Punktverlust da und hat alle elf Pflichtspiele dieser Saison gewonnen. Betis ging ebenfalls in starker Form in die Partie und war in dieser LaLiga-Saison zuhause noch ungeschlagen.
Beide Trainer rotieren vor der Champions League
Manuel Pellegrini veränderte seine Startelf gegenüber dem 3:2 gegen Porto auf acht Positionen. Isco, Antony, Marc Bartra und Natan saßen zunächst auf der Bank. Betis begann im 4-2-3-1 mit Cucho Hernández im Sturm sowie Abde Ezzalzouli, Pablo Fornals und Lo Celso dahinter.
Hansi Flick tauschte gegenüber dem 4:1 bei Galatasaray viermal. Jules Koundé, Xavi Espart, Karim Adeyemi und Gabriel Jesus rückten in die Mannschaft. Rodri und Pedri bildeten das Zentrum, Fermín López spielte davor, Lamine Yamal rechts.
Barcelona versuchte, das Spiel über Rodri und Pedri zu kontrollieren und Betis mit langen Ballbesitzphasen auseinanderzuziehen. Fermín bewegte sich häufig zwischen Mittelfeld und Abwehr, während Yamal auf rechts bewusst breit blieb, um möglichst oft ins direkte Duell zu kommen. Betis verteidigte kompakter und wollte nach Ballgewinnen ohne viele Zwischenstationen über Lo Celso, Abde und Cucho in die Tiefe spielen.
Yamal trifft traumhaft – Betis findet ins Spiel
Nach zehn Minuten sorgte Yamal für den ersten Höhepunkt. Der 19-Jährige bekam rechts vor dem Strafraum den Ball, verschaffte sich mit einer kurzen Bewegung Platz und schlenzte ihn mit links aus dem Stand in die lange Kreuzecke.
Barcelona bestimmte zunächst das Geschehen und schob Betis durch seine breite Staffelung tief zurück. Gerade Yamal zwang die Gastgeber auf seiner Seite immer wieder dazu, einen zweiten Verteidiger zur Unterstützung heranzuziehen. Dadurch entstanden zunächst Räume im Zentrum.
Nach dem 0:1 stellte sich Betis jedoch besser auf Barcelonas Aufbau ein. Die Gastgeber attackierten Rodri und Pedri früher und spielten nach Ballgewinnen konsequent hinter Barcelonas hoch stehende Außenverteidiger. Gleichzeitig funktionierte Barças Gegenpressing nicht immer sauber. Dadurch konnte Betis einige Angriffe starten, bevor sich die Gäste wieder formiert hatten.
Der Ausgleich in der 27. Minute war deshalb verdient. Nach einem Eckball blieb Betis in Ballbesitz, Fornals flankte von rechts erneut in den Strafraum und Valentín Gómez kam frei zum Kopfball. Wenig später verhinderte Joan García gegen Héctor Bellerín sogar das 2:1.
Barcelona schlug stattdessen in der 41. Minute zu. Fermín brachte einen Eckball in die Mitte, Rodri löste sich von seinem Gegenspieler und köpfte zum 2:1 ein.
Lo Celsos Traumtor wird zurückgenommen
Kurz vor der Pause schien Betis erneut auszugleichen. Lo Celso nahm den Ball außerhalb des Strafraums aus der Drehung volley und jagte ihn sehenswert ins Tor.
Nach einem VAR-Hinweis überprüfte Schiedsrichter Ricardo de Burgos Bengoetxea die Entstehung am Monitor. Cucho Hernández hatte den Ball in der Entstehung mit der Hand gespielt, allerdings deutlich bevor Lo Celso zum Abschluss kam. Trotzdem wurde die Aktion als Teil derselben Angriffsphase gewertet und der Treffer annulliert. Die Entscheidung sorgte bei Betis und auf den Rängen für große Aufregung, Pellegrini sah wegen seiner Proteste Gelb.
Die Halbzeitstatistik zeigte, wie offen die Partie trotz Barcelonas 73 Prozent Ballbesitz war. Barça führte bei den Abschlüssen mit 5:2, die Expected Goals lagen aber sogar bei 0,52:0,35 für Betis. Barcelona kontrollierte zwar den Ball, Betis kam mit wesentlich weniger Besitz aber wiederholt in gefährliche Räume. Gerade die hohen Positionen der Barça-Außenverteidiger boten den Gastgebern bei schnellen Gegenstößen Angriffsflächen.
Jesus erhöht – danach eskaliert die Partie
Barcelona startete stärker in die zweite Hälfte. Flicks Mannschaft spielte nun schneller über die rechte Seite und suchte Yamal früher, bevor Betis seine defensive Ordnung herstellen konnte.
Nachdem ein erster Treffer von Gabriel Jesus wegen Abseits nicht gezählt hatte, fiel unmittelbar danach das 3:1. Fermín setzte Yamal auf rechts ein, der flach vor das Tor spielte. Jesus musste aus kurzer Distanz nur noch einschieben.
Betis reagierte jedoch sofort und zeigte erneut, wo Barcelona verwundbar war. Lo Celso schickte Abde bei einem schnellen Gegenstoß hinter die hoch stehende Abwehr. Der Marokkaner lief frei auf Joan García zu und verkürzte auf 2:3. Der Treffer war ein Musterbeispiel für Pellegrinis Ansatz: Ballgewinn beziehungsweise schneller erster Pass, anschließend sofort in den Raum hinter Barcelonas letzter Linie.
Danach wurde es hektisch. Fermín war bei der Entstehung des Treffers nach einem Zweikampf liegen geblieben und reklamierte ein Foul. Nach dem Tor versuchte Betis-Torhüter Álvaro Vallés, ihn rasch vom Boden hochzuziehen. Yamal ging dazwischen und schubste Facundo Bernal. Der Betis-Mittelfeldspieler reagierte mit zwei Kopfstößen gegen Yamal, der daraufhin zu Boden ging.
Yamal erhielt für seinen Schubser Gelb, Bernal sah wegen der Tätlichkeit die direkte Rote Karte. Damit kippte die bis dahin offene Begegnung klar zugunsten Barcelonas.
Barcelona nutzt die Überzahl
Mit zehn Spielern konnte Betis seinen bisherigen Ansatz kaum noch aufrechterhalten. Zuvor hatten die Gastgeber immer wieder mutig nach vorne verteidigt und bei Ballgewinnen mehrere Spieler ins Umschalten geschickt. Nun musste Pellegrinis Mannschaft tiefer stehen und vor allem die Räume vor dem eigenen Strafraum schließen.
Barcelona hatte dadurch deutlich mehr Zeit am Ball. Rodri und Pedri konnten das Spiel nun fast ohne Druck von einer Seite auf die andere verlagern, während Yamal und Adeyemi die Breite hielten. Betis kam kaum noch dazu, Barcelonas hohe Abwehr mit direkten Pässen zu attackieren.
In der 62. Minute fiel das 4:2. Yamals Freistoß prallte von der Mauer ab und flog Richtung langer Pfosten. Cubarsí kam vor Vallés per Kopf an den Ball und legte quer, Eric García schob aus kurzer Distanz ein.
Danach wurde die Partie ruhiger. Barcelona musste nicht mehr permanent ins Risiko gehen, ließ Ball und Gegner laufen und wartete auf freie Räume. Betis fehlten in Unterzahl die Möglichkeiten, gleichzeitig kompakt zu verteidigen und genug Spieler für gefährliche Konter nach vorne zu bringen.
In der 70. Minute ersetzte Raphinha Yamal und feierte damit rechtzeitig vor dem Champions-League-Spiel bei Paris Saint-Germain sein Comeback.
Dani Olmo setzte in der 81. Minute den Schlusspunkt. Cubarsí fand den eingewechselten Mittelfeldspieler vor dem Strafraum, Olmo nahm den Ball an und traf mit rechts flach ins untere rechte Eck zum 5:2.
Barcelona bestätigt seine starke Form
Die Schlussstatistik zeigt Barcelonas Überlegenheit nach der Pause: 69 Prozent Ballbesitz, 18:6 Abschlüsse und 31:11 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Die Expected Goals lagen bei 3,04:0,98. Das Ergebnis fiel etwas höher aus, als es die Chancenqualität erwarten ließ, der Sieg war nach Bernals Platzverweis aber klar verdient.
Yamal war mit einem Tor, einer Vorlage, vier Abschlüssen und sechs erfolgreichen Dribblings Barcelonas auffälligster Offensivspieler. Rodri brachte 126 seiner 129 Pässe zum Mitspieler und spielte alle zehn langen Bälle erfolgreich. Diese Zahlen zeigen auch, wie gut Barcelona nach dem Platzverweis die Kontrolle übernahm. Cubarsí komplettierte 105 von 108 Pässen und bereitete zwei Treffer vor.
Betis verteidigte bis zur Roten Karte kompakt und fand immer wieder Lösungen gegen Barcelonas hohe letzte Linie. Besonders Lo Celso und Abde sorgten mit ihrem direkten Spiel dafür, dass der Tabellenführer trotz des großen Ballbesitzvorteils lange nicht vollständig die Kontrolle hatte. In Unterzahl brach dieses Gleichgewicht jedoch weg.
Barcelona reist mit elf Siegen aus elf Pflichtspielen nach Paris. Mit neun Erfolgen zum LaLiga-Start hat Flicks Mannschaft den Rekord von Real Madrid aus der Saison 1968/69 eingestellt. Ausgerechnet im Clásico gegen die Königlichen bietet sich am kommenden Wochenende die Chance, mit dem zehnten Sieg einen neuen alleinigen Bestwert aufzustellen.