Sechs Tage nach dem 4:2 gegen Manchester City feierte PSG den nächsten prestigeträchtigen Erfolg. Dabei entwickelte sich die Begegnung mit Barcelona völlig anders als jene in England. Auf eine klare Pariser Überlegenheit vor der Pause folgte eine Phase, in der Barcelona das Spiel an sich riss, ehe PSG die wilde Schlussphase für sich entschied. Am verdienten Sieg der Pariser gibt es trotzdem wenig zu rütteln. Barcelona kam zwar ähnlich oft zum Abschluss, brachte aber nur fünf Schüsse aufs Tor. PSG schoss dagegen 15-mal aufs Tor und lag auch bei den Expected Goals mit 3,73 zu 2,19 deutlich vorne.
Doué belohnt PSG für druckvollen Beginn
Die Gastgeber setzten die Katalanen von Beginn an mit aggressivem Pressing unter Druck. Bereits in der Anfangsphase traf Khvicha Kvaratskhelia nach einem Ballgewinn die Stange, und auch danach erspielte sich PSG zahlreiche Chancen. Immer wieder scheiterten die Pariser jedoch an Joan García.
Barcelonas Torhüter zeigte im gesamten Spiel zehn Paraden und hielt seine Mannschaft damit lange im Spiel. Allein in der ersten Halbzeit brachte PSG zehn Abschlüsse aufs Tor, ein Wert, den seit Beginn der Datenerfassung 2003/04 kein Gegner Barcelonas in einer ersten Champions-League-Halbzeit erreicht hatte.
In der 38. Minute wurde der riskante Spielaufbau der Gäste bestraft. Lamine Yamal verlor mit einem missglückten Lupfer den Ball an João Neves. Désiré Doué nutzte die Situation, setzte sich gegen mehrere Gegenspieler durch und traf zur Führung.
Kurz vor der Pause hätte Fermín López ausgleichen können, doch Torhüter Matvey Safonov und Willian Pacho verhinderten den Treffer.
Barcelona kämpft sich zweimal zurück
Nach dem Seitenwechsel wurde Barcelona stärker. In der 55. Minute spielte Fermín López den aufgerückten Xavi Espart frei, der zum 1:1 ins kurze Eck traf. Für den 19-jährigen Rechtsverteidiger war es das erste Champions-League-Tor.
Flick hatte mit Marc Bernal anstelle von Rodri begonnen, auch um Belastungen vor dem Clásico gegen Real Madrid zu steuern. Als Rodri später ins Spiel kam, bekam Barcelona mehr Kontrolle im Mittelfeld.
PSG musste im Laufe der Partie gleich drei Leistungsträger verletzungsbedingt ersetzen. Ousmane Dembélé verließ bereits nach 20 Minuten den Platz, Kvaratskhelia und Kapitän Marquinhos folgten in der 59. Minute. Bei Barcelona musste Dani Olmo früh ausgewechselt werden.
In der 72. Minute brachte Lucas Hernández die Gastgeber nach einer Ecke von Doué per Kopf erneut in Führung. Der Linksverteidiger hatte bis dahin auch defensiv überzeugt und Yamal weitgehend neutralisiert.
Unmittelbar nach Hernández‘ Auswechslung nutzte Yamal jedoch einen Fehler seines Ersatzmannes Warren Zaïre-Emery. Der 19-Jährige ließ seinen Gegenspieler stehen und traf aus schwierigem Winkel zum 2:2 (79.). Für den 19-Jährigen war es bereits das 13. Tor in der Champions League.
Vitinha und Fabián Ruiz entscheiden das Spiel
Barcelona durfte allerdings nur kurz auf einen Punktgewinn hoffen. Bereits zwei Minuten nach Yamals Ausgleich brachte Vitinha PSG wieder in Führung. Nach einer unzureichend geklärten Hereingabe von Achraf Hakimi nahm der Portugiese den Ball an der Strafraumgrenze an und traf mit einem sehenswerten Volleyschuss zum 3:2.
In der 86. Minute sorgte Fabián Ruiz für die Entscheidung. Hakimi setzte sich rechts durch und brachte den Ball zur Mitte, wo der Spanier ungedeckt zum 4:2 einschob. Damit waren innerhalb von nur 14 Minuten vier Treffer gefallen.
Den Unterschied machte die Durchschlagskraft im letzten Drittel. Barcelona hatte mit 53 Prozent etwas mehr Ballbesitz, und beide Mannschaften kamen auf jeweils 32 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Doch während PSG daraus 15 Schüsse aufs Tor produzierte, brachte Barcelona nur fünf Versuche aufs Tor.
Luis Enrique lobt Reaktion, Flick erkennt Probleme
Luis Enrique zeigte sich nach dem Spiel insbesondere mit der ersten Halbzeit zufrieden. Gleichzeitig räumte der ehemalige Barcelona-Trainer ein, dass seine Mannschaft nach der Pause eine schwierige Phase durchstehen musste. Entscheidend sei gewesen, auch unter Druck konzentriert zu verteidigen und anschließend wieder eigene Chancen herauszuspielen. Besonders die eingewechselten Spieler hätten dazu beigetragen.
Désiré Doué hob die Mentalität der Mannschaft hervor. PSG habe gewusst, dass Barcelona jederzeit treffen könne. Deshalb sei es wichtig gewesen, unabhängig vom jeweiligen Spielstand konzentriert zu bleiben.
Hansi Flick erkannte die Überlegenheit des Gegners an und kritisierte vor allem die einfachen Ballverluste seiner Mannschaft. In der Schlussphase habe Barcelona zudem die nötige Frische gefehlt. Gleichzeitig lobte der Deutsche die Entwicklung seiner jungen Spieler, insbesondere Xavi Espart.
Für PSG war es das 13. Champions-League-Spiel in Folge ohne Niederlage. Damit stellte der Titelverteidiger seinen eigenen Vereinsrekord ein. Nach den überzeugenden Erfolgen gegen Manchester City und Barcelona scheint die Mannschaft von Luis Enrique bestens gerüstet, erneut um den Titel mitzuspielen.