Erling Haaland traf in der 65. Minute, nur drei Minuten nach dem Ausschluss zum 0:1, Jérémy Doku erhöhte kurz darauf sehenswert. Rayan Cherki setzte mit dem dritten Treffer den Schlusspunkt unter eine zweite Halbzeit, die nach Gravenberchs Platzverweis klar an die Gäste ging.
Aufgeheizte Stimmung nach City-Urteil
Schon vor dem Anpfiff herrschte in Anfield eine aufgeheizte Atmosphäre. Für Manchester City war es das erste Premier-League-Spiel seit dem Urteil einer unabhängigen Kommission zu den jahrelangen Verstößen gegen die Finanzregeln. Der Klub wurde in schweren Anklagepunkten schuldig gesprochen, hat dagegen allerdings Berufung eingelegt.
In Liverpool besitzt das Thema zusätzliche Brisanz, da die Reds unter anderem 2013/14 hinter City Vizemeister wurden und mögliche Titelaberkennungen auch ihre historische Bilanz verändern könnten. Entsprechend feindselig war die Stimmung auf den Rängen, zahlreiche City-Aktionen wurden von lautstarken Pfiffen begleitet.
Sportlich musste Liverpool auf mehrere wichtige Offensivspieler verzichten. Alexander Isak, Cody Gakpo und Dominik Szoboszlai fehlten, wodurch Lewis Koumas bei seinem ersten Premier-League-Start als zentraler Angreifer begann. Florian Wirtz, Bradley Barcola und Daniel Muñoz unterstützten ihn. City trat deutlich näher an seiner Bestbesetzung an. Phil Foden fehlte gesperrt, Doku saß zunächst auf der Bank.
Liverpools Pressing nimmt City lange den Rhythmus
Andoni Iraola setzte trotz der personellen Probleme auf einen mutigen Ansatz. Liverpool attackierte den gegnerischen Aufbau sehr früh, versuchte Citys zentrale Passwege zuzustellen und wollte nach Ballgewinnen sofort vertikal werden. Koumas und die offensive Dreierreihe liefen konsequent an, während Gravenberch und Alexis Mac Allister dahinter aggressiv nachschoben.
Das funktionierte in der ersten Halbzeit erstaunlich gut. City hatte zwar mit 54 Prozent etwas mehr Ballbesitz, fand gegen Liverpools Pressing aber nur selten saubere Wege in gefährliche Räume. Der erste Abschluss der Gäste kam erst nach rund 35 Minuten. Liverpool wiederum erarbeitete sich ein leichtes Chancenplus, ohne selbst wirklich zwingend zu werden.
Die Expected Goals lagen zur Pause bei 0,42:0,07 zugunsten der Gastgeber. Große Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht. Muñoz prüfte Gianluigi Donnarumma, Mac Allister verfehlte das Tor und Liverpool gewann immer wieder Bälle in aussichtsreichen Zonen, doch beim letzten Pass fehlte die Präzision. Citys Ansatz, das Pressing über geduldige Ballzirkulation und die Bewegungen von Elliot Anderson, Enzo Fernández und Cherki aufzulösen, funktionierte nur phasenweise.
Nach der Pause erhöhte Liverpool zunächst sogar das Tempo. Koumas und Gravenberch zwangen Donnarumma zu Paraden, Mac Allister setzte einen Abschluss knapp daneben. Auch Haaland bekam auf der Gegenseite seine erste große Möglichkeit, schob nach einem Pass von Antoine Semenyo aber am Tor vorbei.
Umstrittene Gelb-Rote Karte verändert das Spiel
Gravenberch hatte unmittelbar nach Wiederbeginn für ein Foul seine erste Gelbe Karte gesehen. In der 62. Minute folgte die spielentscheidende Szene. Der Niederländer versuchte nach einer City-Aktion, den gerade erst eingewechselten Doku an einem Gegenstoß zu hindern, kam zu spät und traf den Belgier.
Eine Verwarnung war für diesen taktischen Kontakt durchaus vertretbar. In der Summe fiel der Platzverweis dennoch ausgesprochen hart aus, zumal bereits Gravenberchs erste Gelbe Karte umstritten war.
Liverpool zog sich mit zehn Spielern kompakter zurück, konnte Citys Ballzirkulation nun aber nicht mehr mit derselben Intensität stören. In den folgenden zehn Minuten hatten die Gäste rund 82 Prozent Ballbesitz. City schob seine Außenverteidiger und offensiven Mittelfeldspieler weit nach vorne und drängte die Reds tief an den eigenen Strafraum.
Haaland und Doku entscheiden das Spiel binnen drei Minuten
Nur drei Minuten nach dem Platzverweis fiel das 0:1. Doku dribbelte von links in den Strafraum, seine Aktion wurde zunächst abgeblockt, doch der Ball landete bei Haaland. Der Norweger reagierte sofort und schoss mit links wuchtig an Alisson vorbei.
Weitere drei Minuten später war die Partie praktisch entschieden. Anderson spielte Doku auf der linken Seite frei, der Belgier zog nach innen und zirkelte den Ball sehenswert in die Kreuzecke. Das schnelle 0:2 zeigte, wie grundlegend sich das Kräfteverhältnis verändert hatte: Liverpool kam nach dem ersten Gegentor kaum noch aus der eigenen Hälfte, während City die zusätzlichen Räume mit schnellen Verlagerungen und permanenten Positionswechseln konsequent bespielte.
In der 78. Minute folgte das 0:3. Nach einer längeren Ballbesitzphase ließ Cherki einen Pass zunächst clever durch, bekam den Ball nach dem Zusammenspiel mit Joško Gvardiol wieder und vollendete im Strafraum. Die Entstehung war typisch für Citys Auftritt in dieser Phase: Die Gäste ließen Liverpool laufen, verschoben den Ball geduldig von einer Seite auf die andere und warteten auf die entstehende Lücke.
Citys 3:0 Sieg fällt zu deutlich aus
Nach dem dritten Treffer nahm City Tempo und Risiko heraus, ohne die Kontrolle zu verlieren. Haaland und Fernández wurden geschont, Liverpool kam lediglich noch durch einen Freistoß von Mac Allister zu einem nennenswerten Abschluss. Auf der anderen Seite hätte Cherki das Ergebnis sogar noch erhöhen können.
Citys Erfolg war nach dem Ausschluss verdient und keineswegs das Resultat dreier zufälliger Einzelaktionen. Mit einem Mann mehr konnten die Gäste Liverpool tief einschnüren, Doku und Cherki fanden zunehmend Platz zwischen und neben den Defensivspielern und die Qualität der Torchancen nahm deutlich zu.
Über die gesamten 90 Minuten betrachtet fiel das 0:3 dennoch zu hoch aus. Die Expected Goals fielen mit 1,30 zu 0,86 nur knapp zugunsten von City aus. Liverpool brachte sogar sechs Abschlüsse auf das Tor, City nur vier, doch die Gäste verbuchten die deutlich besseren Möglichkeiten und entschieden das Duell bei den Großchancen mit 3:0 für sich. Vor Gravenberchs Ausschluss war von einem derart klaren Kräfteverhältnis noch nichts zu sehen gewesen.
Cherki gehörte in der Schlussphase zu den prägenden Akteuren. Neben seinem Treffer brachte er 64 seiner 70 Pässe zum Mitspieler, spielte zwei Schlüsselpässe und gewann sieben Zweikämpfe. Anderson überzeugte ebenfalls durch seine Ballsicherheit und bereitete Dokús 0:2 vor. Donnarumma war auf der anderen Seite bei allen sechs Liverpool-Abschlüssen auf sein Tor zur Stelle und bewahrte City auch in der stärkeren Phase der Gastgeber vor einem Rückstand. Bei Liverpool blieben Wirtz und Koumas offensiv dagegen weitgehend ohne entscheidenden Einfluss, wobei die zahlreichen Ausfälle im Angriff die Möglichkeiten Iraolas deutlich einschränkten.
City bleibt makellos – Liverpool kassiert erste Niederlage
Für Liverpool war es die erste Premier-League-Niederlage der Saison. Nach sechs Spielen stehen die Reds bei neun Punkten und verlieren damit vorerst den Anschluss an die Spitze.
Manchester City bleibt dagegen makellos. Sechs Spiele, sechs Siege und 18 Punkte bedeuten weiterhin Platz eins. Arsenal liegt drei Zähler zurück. Der Tabellenführer musste in Anfield lange hart arbeiten, nutze die Überzahl nach dem Platzverweis anschließend aber konsequent aus