Noch bevor am 28. August die Bundesliga startet, rollt in Deutschlands zweithöchster Spielklasse heute Abend wieder der Ball und zum Auftakt freuen sich die Fans auf ein Duell zweier Traditionsvereine: Der VfL Bochum empfängt Hertha BSC. Am Samstag steigt dann eines der interessantesten Spiele der ersten Runde, wenn der VfL Wolfsburg den 1. FC Kaiserslautern empfängt.
Große Namen und volle Stadien
Die Zusammensetzung der Liga verspricht ohnehin einiges. Mit Wolfsburg, Kaiserslautern, Nürnberg und Eintracht Braunschweig sind gleich mehrere ehemalige deutsche Meister vertreten. Dazu kommen Vereine wie Hertha BSC, Hannover 96, der VfL Bochum, Dynamo Dresden oder Arminia Bielefeld, die über große Anhängerschaften und viel Erstliga-Tradition verfügen.
Neu dabei sind neben den drei Bundesliga-Absteigern Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli auch die Drittliga-Aufsteiger VfL Osnabrück und Energie Cottbus. Schalke 04 und die SV Elversberg schafften in der vergangenen Saison den direkten Aufstieg, der SC Paderborn setzte sich in der Relegation ausgerechnet gegen Wolfsburg durch.
Warum Wolfsburg der klare Favorit ist
Dass die Wölfe nun als erster Anwärter auf den Aufstieg gelten, ist wenig überraschend. Wolfsburg spielte 29 Jahre ununterbrochen in der Bundesliga, wurde 2009 deutscher Meister und war bis zum Frühjahr personell auf einen völlig anderen Wettbewerb ausgerichtet. Erst die 1:2-Niederlage nach Verlängerung beim SC Paderborn im Relegations-Rückspiel besiegelte den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte.
Der Klub reagierte mit einem großen Umbau. Dieter Hecking wechselte nach seinem Einsatz als Feuerwehrmann auf der Trainerbank in die Geschäftsführung Sport, neuer Cheftrainer ist der 38-jährige Tobias Strobl, der vom SC Verl kam.
Mit Fabian Reese holte Wolfsburg einen der besten Zweitligaspieler der vergangenen Jahre von Hertha BSC. Der Offensivspieler erzielte in der Vorsaison zehn Treffer und bereitete 13 weitere vor. Robert Glatzel bringt jahrelange Erfahrung als Zweitliga-Torjäger mit, Hauke Wahl soll der Defensive Stabilität und Führungsqualität geben. Dazu wurden unter anderem Fraser Hornby, Elvis Rexhbecaj, Muhammed Damar und Torhüter Timon Wellenreuther verpflichtet.
Gleichzeitig musste der VfL nach dem Abstieg zahlreiche Spieler abgeben oder Leihspieler zurückschicken. Der österreichische Nationalspieler Patrick Wimmer wechselte beispielsweise nach Hoffenheim. Trotzdem ist die Kaderbreite für Zweitliga-Verhältnisse außergewöhnlich. Wolfsburg hat deshalb nicht nur die individuelle Klasse für den direkten Wiederaufstieg, sondern auch genügend Alternativen, um die lange Saison zu bewältigen. Das offene Transferfenster sorgt allerdings dafür, dass sich der Kader bis Anfang September noch verändern kann.
Hannover will den nächsten Schritt machen
Als einer der gefährlichsten Verfolger gilt Hannover 96. Die Niedersachsen waren in der vergangenen Saison bis zum letzten Spieltag mitten im Aufstiegsrennen. Vor der letzten Runde lagen Elversberg, Hannover und Paderborn sogar punktegleich bei 59 Zählern. Das 3:3 gegen Nürnberg kostete 96 schließlich die Chance auf die Bundesliga, Hannover beendete die Saison auf dem vierten Platz.
Trainer Christian Titz darf seinen Weg fortsetzen, dazu übernahm der ehemalige HSV-Geschäftsführer Jonas Boldt die sportliche Verantwortung. Auch der Kader wurde gezielt verstärkt. Lars Gindorf kehrte nach einer starken Drittliga-Saison bei Alemannia Aachen zurück, außerdem kamen unter anderem Torhüter Pascal Loretz und Innenverteidiger Jean Hugonet. Nach sieben Jahren in der zweiten Liga ist die Erwartungshaltung in Hannover entsprechend hoch.
Heidenheim setzt auf Kontinuität, St. Pauli auf einen Neustart
Auch die beiden direkten Bundesliga-Absteiger müssen im Aufstiegsrennen berücksichtigt werden. Beim 1. FC Heidenheim bleibt die wichtigste Konstante dieselbe: Frank Schmidt geht in seine 19. Saison als Cheftrainer. Nach drei Jahren in der Bundesliga setzt der FCH erneut stark auf Entwicklungsspieler. Marcel Costly kam nach einer herausragenden Saison beim FC Ingolstadt, dazu wurden Oualid Mhamdi und Paul Hennrich verpflichtet.
Beim FC St. Pauli fällt der Umbruch größer aus. Nach dem Abstieg übernahm Marcel Rapp das Traineramt. Mit Hauke Wahl, Jackson Irvine und Nikola Vasilj gingen wichtige Führungsspieler verloren. Dafür kamen mit Branimir Hrgota und Marcus Mathisen zwei erfahrene Akteure. Die Hamburger besitzen weiterhin genügend Qualität für das obere Tabellendrittel, müssen aber zunächst eine neue Hierarchie finden.
Hertha verliert viel Qualität
Bei Hertha BSC ist die Ausgangslage komplizierter. Die Berliner beendeten die vergangene Saison auf Platz sieben und verloren im Sommer gleich mehrere Schlüsselspieler. Kapitän Fabian Reese ging nach Wolfsburg, Michaël Cuisance wechselte zu RC Lens, Stammtorhüter Tjark Ernst zu Feyenoord und Top-Talent Kennet Eichhorn zu Bayer Leverkusen.
Auf der Zugangsseite fällt die Bilanz bislang wesentlich bescheidener aus. Oluwaseun Adewumi kam leihweise vom FC Burnley, ansonsten setzt Hertha stark auf zurückkehrende Leihspieler und den eigenen Nachwuchs. Damit ist die Mannschaft von Stefan Leitl schwerer einzuschätzen als noch vor einem Jahr.
Kaiserslautern, Darmstadt und Nürnberg lauern
Hinter den prominentesten Kandidaten gibt es mehrere Mannschaften, die als spannende Außenseiter überraschen könnten. Kaiserslautern war bereits in der Vorsaison lange in Reichweite der Spitzenplätze und startet ausgerechnet beim großen Favoriten Wolfsburg. Darmstadt 98 gehört unter Florian Kohfeldt ebenfalls zu den Mannschaften, denen ein Platz weit oben zuzutrauen ist.
Spannend bleibt auch der 1. FC Nürnberg. Miroslav Klose geht in seine dritte Saison als Club-Trainer und erhielt bereits im Februar einen neuen Vertrag. Der FCN setzt weiterhin auf einen vergleichsweise jungen Kader und verstärkte sich im Sommer unter anderem mit Rayan Ghrieb, Fynn Otto und mehreren jungen Spielern aus dem In- und Ausland.
Damit geht die 2. Bundesliga mit einem klaren Favoriten, aber ohne garantiertes Drehbuch in die neue Saison. Wolfsburg besitzt die größte individuelle Qualität und hat sich gezielt mit Spielern verstärkt, die den Wettbewerb kennen. Dahinter ist der Abstand deutlich geringer: Hannover, Heidenheim und St. Pauli dürfen sich berechtigte Hoffnungen machen, während Kaiserslautern, Darmstadt, Nürnberg und möglicherweise auch Bochum die etablierten Favoriten unter Druck setzen wollen.