Nur ein Sieg aus acht Premier-League-Spielen, Tabellenplatz 16 und lediglich ein Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone: Manchester United erlebt einen katastrophalen Saisonstart. Wettbewerbsübergreifend wartet die Mannschaft seit acht Partien auf einen Erfolg. Nach der deutlichen Niederlage bei Como in der Champions League folgte am Sonntag gegen Bournemouth der nächste Rückschlag. Carricks Zukunft ist damit ungewisser denn je.
Bournemouth legt Uniteds Schwächen schonungslos offen
Die Gäste bestimmten im Old Trafford von Beginn an das Geschehen. Mit aggressivem Pressing setzten sie United unter Druck und verhinderten einen geordneten Spielaufbau. Nach mehreren vergebenen Möglichkeiten brachte Rayan die Mannschaft von Marco Rose in der 38. Minute in Führung. Der Brasilianer verwertete einen Freistoß von Justin Kluivert.
Nur fünf Minuten später erhöhte Marcus Tavernier auf 2:0, nachdem Leny Yoro ausgerutscht war und Bournemouth den Ball erobert hatte. Auch nach der Pause fanden die Gastgeber keine Antwort. Evanilson sorgte in der 71. Minute für die Entscheidung, als er einen langen Pass von Lewis Cook aufnahm, Torhüter Senne Lammens umspielte und aus spitzem Winkel traf.
United hatte zwar 63 Prozent Ballbesitz, brachte aber lediglich drei Schüsse aufs Tor. Bournemouth nutzte die defensiven Schwächen konsequent aus und gewann verdient.
Fernandes auf der Bank: Carricks umstrittene Entscheidung
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Carricks Entscheidung, Bruno Fernandes erstmals in dieser Premier-League-Saison nicht aufzustellen. Der Kapitän musste nach seiner öffentlichen Kritik an der taktischen Ausrichtung beim 1:4 gegen Como auf der Bank Platz nehmen und wurde auch gegen Bournemouth nicht eingewechselt.
Fernandes hatte bemängelt, dass United in Como nicht konsequent mannorientiert gepresst und den Gegner dadurch zu selten unter Druck gesetzt habe. Carrick begründete seine Aufstellung gegen Bournemouth ausschließlich mit sportlichen Überlegungen.
Die Probleme blieben allerdings bestehen. Gegen Bournemouth fand United weder defensiv Stabilität noch nach Ballgewinnen den Weg vor das gegnerische Tor. Ohne Fernandes fehlten zudem kreative Lösungen zwischen den Linien.
Acht Spiele ohne Sieg: Die Ursachen der Krise
United gewann in dieser Saison wettbewerbsübergreifend erst zweimal, gegen Ipswich Town und Sabah. Besonders auffällig sind die wiederkehrenden individuellen Fehler und die mangelnde Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen.
Beim Pressing fehlt häufig die gemeinsame Bewegung der Spieler. Rückt die Offensive nach vorne, ohne dass das Mittelfeld entsprechend nachschiebt, entstehen große Räume. Gleichzeitig fehlt im eigenen Ballbesitz das Tempo, um gegnerische Abwehrreihen auseinanderzuziehen.
Verletzungen und ein eingeschränkter finanzieller Spielraum am Transfermarkt erschweren Carricks Arbeit zusätzlich. Allerdings können diese Umstände die schwachen Leistungen nur teilweise erklären. Nach Platz drei in der vergangenen Saison und der Champions-League-Qualifikation ist United innerhalb weniger Monate in den Abstiegskampf abgerutscht.
Howe, Nagelsmann und Conte als mögliche Nachfolger
Die Verantwortlichen beschäftigen sich bereits mit Alternativen. Besonders Eddie Howe gilt als aussichtsreicher Kandidat. Der frühere Newcastle-Trainer führte seinen ehemaligen Klub zweimal in die Champions League und gewann 2025 den englischen Ligapokal. Seit seinem Abschied im Sommer ist er verfügbar.
Auch Julian Nagelsmann wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Der ehemalige deutsche Bundestrainer steht für taktische Flexibilität und ein intensives Pressing. Antonio Conte wäre eine weitere Option. Der Italiener gewann Meisterschaften mit Chelsea, Inter und Napoli, verlangt allerdings traditionell großen Einfluss auf sportliche Entscheidungen.
Unai Emery und Brighton-Trainer Fabian Hürzeler genießen ebenfalls hohes Ansehen, wären aufgrund ihrer bestehenden Verträge aber deutlich schwieriger zu verpflichten.
Die Verantwortung reicht über Carrick hinaus
Die Reaktionen der Fans nach dem Bournemouth-Spiel zeigten, dass die Krise nicht allein dem Trainer angelastet wird. Während Carrick demonstrativen Zuspruch erhielt, richteten sich lautstarke Proteste gegen die Glazer-Familie, Miteigentümer Jim Ratcliffe und Sportdirektor Jason Wilcox.
Seit dem Rücktritt von Sir Alex Ferguson 2013 scheiterten zahlreiche Trainer mit unterschiedlichen Spielphilosophien daran, United dauerhaft an die Spitze zurückzuführen. Fehlende Kontinuität in der sportlichen Planung bleibt ein zentrales Problem.
Am kommenden Samstag wartet auswärts beim Chelsea FC die nächste schwierige Aufgabe. Ob Carrick dann noch auf der Trainerbank sitzt, ist offen. Die Verantwortlichen müssen entscheiden, ob sie dem 45-Jährigen nochmals das Vertrauen schenken oder bereits den nächsten Neuanfang einleiten.