Nach dem 4:1 im Hinspiel war der Aufstieg für Rapid praktisch nur noch Formsache. Trainer Johannes Hoff Thorup nutzte die komfortable Ausgangsposition deshalb auch für eine kräftige Rotation und nahm gegenüber dem 2:1-Erfolg bei der SV Ried gleich neun Veränderungen vor. Lediglich Niklas Hedl und Jakob Schöller blieben in der Startelf. Vor 13.705 Zuschauern kontrollierten die Wiener das Geschehen zwar von Beginn an, ließen sich vom klaren Hinspielergebnis aber offensichtlich ein wenig herunterziehen. Das Spiel war über weite Strecken zu langsam, phasenweise sogar pomadig und es fehlte an Nachdruck.
Tilio sorgt vor der Pause für die Führung
Tobias Gulliksen versuchte es nach sieben Minuten mit einem weiten Heber, Marco Tilio prüfte Paide-Torhüter Ebrima Jarju zweimal aus der Distanz. Insgesamt verteidigten die Esten jedoch kompakt und phasenweise mit einer sehr tiefen Sechserkette. Rapid ließ den Ball zwar laufen, schaffte es aber viel zu selten, das Tempo zu erhöhen und die Abwehr des Außenseiters mit schnellen Verlagerungen oder Kombinationen auseinanderzuziehen.
In der 38. Minute fiel dennoch das 1:0. Eaden Roka setzte Nikolaus Wurmbrand in Szene, der mit seinem Tempo auf der linken Seite davonzog und flach zur Mitte spielte. Tilio verwertete den Querpass an der zweiten Stange. Zunächst wurde der Treffer wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung von Wurmbrand aberkannt, nach Überprüfung durch den VAR zählte das Tor schließlich doch.
Nach der Pause änderte sich zunächst wenig. Moulaye Haidara kam in der 55. Minute nach einer guten Kombination zum Abschluss, schoss jedoch zu zentral. Thorup reagierte wenig später und brachte Nicolas Bajlicz, Tonni Adamsen und Petter Nosa Dahl. Kurzzeitig erhöhte Rapid daraufhin die Schlagzahl, Louis Schaub zwang Jarju in der 66. Minute zu einer Parade.
Hedl verhindert Ausgleich
Dass die Partie trotz Rapids Überlegenheit nicht völlig ohne Risiko war, zeigte die 72. Minute. Nach einem Fehler in der Hintermannschaft lief Routinier Henri Anier alleine auf Hedl zu. Rapids Torhüter reagierte stark und wehrte mit dem Fuß ab. Es sollte Paides mit Abstand gefährlichste Aktion des gesamten Spiels bleiben.
Die endgültige Entscheidung fiel zehn Minuten später. Wurmbrand wurde an der Strafraumgrenze von Michael Lilander zu Fall gebracht. Schiedsrichter Denys Shurman entschied zunächst auf Freistoß, der VAR stellte jedoch fest, dass das Vergehen auf der Linie stattgefunden hatte. Schaub übernahm den Elfmeter und traf zum 2:0-Endstand.
Klare Statistiken, aber zu wenig Tempo
Statistisch fiel Rapids Sieg deutlich aus: Die Hütteldorfer hatten 65 Prozent Ballbesitz und gaben 23 Schüsse ab, während Paide lediglich auf zwei Abschlüsse kam. Auch bei den Ballkontakten im gegnerischen Strafraum lag Rapid mit 35:7 weit vorne. Der Expected-Goals-Wert fiel mit 3,06 : 0,13 ebenfalls extrem deutlich aus.
Diese Zahlen dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Auftritt offensiv lange nicht überzeugend war. Der Elfmeter trägt einen erheblichen Teil zum hohen xG-Wert bei, dazu sammelte Rapid zahlreiche Abschlüsse aus weniger gefährlichen Positionen. Gegen einen Gegner, der tief verteidigte und offensiv praktisch nicht stattfand, fehlten über weite Strecken Tempo, Konsequenz und die Bereitschaft, im letzten Drittel zwingend und mit dem nötigen Mut zu agieren.
Thorup sah das ähnlich. „Ich bin zufrieden, dass wir ohne große Probleme weiter sind. Insgesamt war es ein professioneller Job“, sagte der Rapid-Trainer, machte seiner Mannschaft aber gleichzeitig deutlich, dass ihm Tempo und Qualität im letzten Drittel gefehlt hatten.
Noch kritischer fiel das Urteil von Schaub aus: „Wir waren nicht so spritzig. Wenn man nicht bei 100 Prozent ist, reicht das einfach nicht.“ Gerade mit Blick auf die kommenden Aufgaben dürfte diese Selbsteinschätzung treffend sein.
Im Playoff wartet wohl Heart of Midlothian
Rapid hat dennoch alle sieben Pflichtspiele der neuen Saison gewonnen und hält dabei bei einem Torverhältnis von 20:5. Im Conference-League-Playoff wartet der Verlierer des Europa-League-Duells zwischen Benfica und Heart of Midlothian. Da Benfica das Hinspiel bereits mit 6:1 gewann, spricht praktisch alles für ein Duell mit den Schotten. Das Hinspiel steigt am 20. August auswärts, das Rückspiel eine Woche später in Wien.
Zuvor geht es für Rapid in der Bundesliga weiter. Am Sonntag empfangen die Hütteldorfer um 19:00 Uhr den Grazer AK. Gegen die Steirer wird Thorup wieder deutlich näher an seine beste Elf heranrücken – und wohl auch einen Auftritt mit wesentlich mehr Intensität verlangen.