Der LASK ist mit einer knappen Niederlage in seine erste Ligaphase der Champions League gestartet. Die Linzer verloren bei AEK Athen mit 0:1, wobei Razvan Marin mit einem sehenswerten direkten Freistoß in der 21. Minute den einzigen Treffer des Abends erzielte.
Das Ergebnis lässt die Partie enger erscheinen, als sie über weite Strecken wirkte. Der LASK hatte durchaus Möglichkeiten zum Ausgleich und blieb bis zur letzten Aktion im Spiel, doch AEK stellte die Mannschaft von Didi Kühbauer mit Dynamik, Aggressivität und Konsequenz in den Zweikämpfen vor Probleme, die sie in dieser Form in der laufenden Saison noch nicht lösen musste.
AEK setzt von Beginn an den Ton
Kühbauer blieb seinem 3-5-2 beziehungsweise 5-3-2 treu. Im Zentrum sollten Melayro Bogarde, Robert Ljubicic und Sascha Horvath für Zugriff sorgen, während Christoph Lang und Moses Usor die Tiefe attackierten.
Der Matchplan wurde recht schnell offensichtlich: Andrés Andrade suchte mehrfach mit langen, vertikalen Bällen Usor, um die erste Athener Pressinglinie zu überspielen und sofort hinter die Linien zu kommen. Das funktionierte punktuell, insgesamt gelang es dem LASK aber zu selten, aus diesen direkten Angriffen längere Druckphasen zu entwickeln.
AEK war wesentlich präsenter bei den zweiten Bällen. Marin und Milán Vitális arbeiteten mit hoher Intensität im Zentrum, Lovro Majer rückte von rechts immer wieder ein und Aboubakary Koita suchte auf der Gegenseite konsequent das direkte Duell, womit die Linzer durchwegs große Probleme hatten. Dazu beschäftigten die Speerspitzen Luka Jovic und Barnabás Varga die Dreierkette permanent. Schon nach wenigen Minuten führte ein Ballgewinn zu einer Großchance für Jovic, die Lukas Jungwirth stark entschärfte.
Marin bestraft einen kleinen Fehler
Die Führung entstand schließlich aus genau jener Mischung aus Druck und individueller Qualität, die AEK an diesem Abend auszeichnete. Bogarde musste Koita knapp außerhalb des Strafraums stoppen, Marin zirkelte den folgenden Freistoß aus halblinker Position unhaltbar, wenn auch ins Tormanneck, ins Kreuzeck.
Es war eine jener von Kühbauer später angesprochenen Kleinigkeiten: Eine kurze Phase fehlender Kontrolle, ein verlorenes Duell und ein Foul in gefährlicher Position. Auf Champions-League-Niveau genügte das.
Danach musste der LASK aufpassen, nicht noch vor der Pause den zweiten Treffer zu kassieren. Varga profitierte von einem hohen Ballgewinn und lief beinahe alleine auf Jungwirth zu, wurde aber von Bogarde mit einem starken Sprint gestoppt. Kurz darauf besaßen die Linzer ihre beste Chance der ersten Hälfte: Nach einer schnellen Kombination kam Lang frei vor Alberto Brignoli zum Abschluss, doch der AEK-Torhüter blieb Sieger. Varga vergab auf der Gegenseite per Kopf das mögliche 2:0.
Der bislang intensivste Gegner
Bemerkenswert war weniger, dass der LASK in Athen Phasen ohne Ball hatte, sondern wie wenig Zeit ihm AEK nach Ballgewinnen ließ. Im Vergleich zu Celtic im Playoff-Rückspiel und zu den bisherigen Gegnern in der Bundesliga war das ein anderes Maß an Energie. Die Griechen attackierten zweite Bälle aggressiver, schoben nach Ballverlusten sofort nach und hielten das Tempo in den direkten Duellen hoch.
Hinsichtlich Dynamik und permanenter körperlicher wie mentaler Belastung war die Mannschaft von Marko Nikolic der härteste Prüfstein für die Linzer. Gegen Celtic konnte der LASK im Rückspiel nach seiner starken Anfangsphase immer mehr Kontrolle übernehmen. AEK ließ einen solchen Rhythmuswechsel kaum zu.
Besonders wichtig war Vitális, der im Zentrum viele kurze Wege machte und Lücken hinter Marin und Majer schloss. Rechtsverteidiger Lazaros Rota schob zudem sehr aggressiv nach vorne und verhinderte auf seiner Seite mehrfach, dass der LASK über George Bello dauerhaft Höhe gewinnen konnte. So blieb den Linzern oft der direkte Weg auf Usor oder Lang, wodurch AEK viele Angriffe früh lesen konnte. Vitális‘ Laufarbeit und Rotas starke taktische Vorstellung waren klare Schlüssel dafür, dass der LASK gegen clevere Griechen zu wenig Zugriff in zahlreichen Spielphasen bekam.
LASK kommt besser aus der Pause
Nach dem Seitenwechsel zeigte der LASK seine stärkste Phase. Bello und Horvath kombinierten sich auf der linken Seite durch, Horvath tauchte frei vor Brignoli auf, scheiterte aber am Fuß des Torhüters. Die Linzer schoben nun konsequenter nach und spielten mutiger durch das Zentrum.
Die Griechen blieben dennoch im Umschaltspiel gefährlich. Jovic traf nach einer Kombination über Koita und Majer sogar zum vermeintlichen 2:0, der Treffer wurde aber wegen einer Abseitsstellung in der Entstehung aberkannt. Danach brachte Kühbauer mit Florian Flecker und Alessandro Schöpf zwei routinierte Balancespieler, später kam auch noch Sasa Kalajdzic anstelle von Lang zu seinem Comeback.
Die Zahlen spiegeln den Eindruck gut wider. Bei den Abschlüssen lag AEK mit 18:11 vorne, bei den Strafraumkontakten hieß es 25:14 für die Hausherren, beim Expected-Goals-Wert 1,59:0,81. Der LASK hatte zwar seine Chancen, musste für diese aber wesentlich härter arbeiten.
Kalajdzic verpasst spät den Ausgleich
In der Schlussphase zog sich AEK etwas weiter zurück und bot den Linzern mehr Raum. Die große Gelegenheit kam dennoch erst in der Nachspielzeit. Nach einem Eckball landete ein nicht sauber geklärter Ball bei Kalajdzic, der sich in der Luft durchsetzte, seinen Kopfball aber knapp über die Latte setzte. Es war ebenfalls ein Ball, den man auf diesem Level eigentlich verwerten sollte und sinnbildlich für die nicht völlig reife Vorstellung des LASK stand.
Kühbauer fasste die Partie anschließend so zusammen: „Wir haben das Spiel durch Kleinigkeiten verloren. AEK ist eine gute Mannschaft, die viel internationale Erfahrung hat. Sie haben es abgebrüht gemacht. Dass uns die Erfahrung auf diesem Niveau noch fehlt, hat man heute gemerkt, auch wenn die Mannschaft bis zum Schluss alles versucht hat.“
AEK-Trainer Nikolic sprach nach der Partie von einem „sehr harten, sehr schwierigen Spiel gegen einen Gegner mit großer Intensität“. Besonders zufrieden war der Serbe mit der taktischen Leistung seiner Mannschaft und erklärte, AEK hätte die Partie mit einem zweiten Treffer früher entscheiden können. Dass er erst spät wechselte, begründete er damit, dass seine Startelf die Vorgaben so gut umgesetzt habe, dass lange kein Eingriff notwendig gewesen sei.
Real und City starten mit Siegen
Auch in den übrigen Dienstagsspielen begann die neue Champions-League-Saison mit einigen engen Partien. Real Madrid setzte sich im Spitzenspiel mit 2:1 gegen Inter durch, Kylian Mbappé und Federico Valverde trafen für die Spanier. Manchester City gewann beim FC Porto dank zweier Tore von Erling Haaland mit 2:0. Borussia Dortmund bezwang Villarreal mit 3:2, während Betis Sevilla einen zweimaligen Rückstand in Lille noch in einen 3:2-Auswärtssieg verwandelte. Aston Villa gewann beim Club Brügge ebenfalls mit 3:2.