Anlass des Medientermins im Münchner Hotel Bayerischer Hof war die Verlängerung der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Interwetten und Lothar Matthäus. Der deutsche Rekordnationalspieler bleibt dem Unternehmen damit weiterhin als Experte und Markenbotschafter erhalten. Bei der Veranstaltung nahm Matthäus ausführlich zu den wichtigsten aktuellen Themen des deutschen und internationalen Fußballs Stellung.
Warum Matthäus Kane und Olise vor Yamal sieht
Wenn es nach Lothar Matthäus geht, sollte der Ballon d’Or 2026 an einen Spieler des FC Bayern München vergeben werden. Für den ehemaligen Weltfußballer, der die prestigeträchtige Auszeichnung 1990 selbst gewann, haben Harry Kane und Michael Olise über die gesamte vergangene Saison die überzeugendsten Leistungen gezeigt.
„Wenn ich die letzte Saison bewerte, dann gibt es nur zwei Spieler, die infrage kommen: nämlich Harry Kane und Michael Olise. Und das sage ich nicht, weil ich mal beim FC Bayern gespielt habe“, stellte Matthäus klar.
Seine Begründung: „Sie haben einfach performt, haben Tore geschossen, Titel gewonnen, sind ins Champions League-Halbfinale gekommen.“
Den anderen Kandidaten spricht Matthäus diese Konstanz ab. Lamine Yamal habe zwar mit Spanien die Weltmeisterschaft gewonnen, beim Turnier selbst aber nicht die Leistungen gezeigt, die man von ihm gewohnt sei. Kylian Mbappé fehle ein Titel, während Rodri vor allem bei der Weltmeisterschaft überzeugt habe, wo er zum besten Spieler gewählt wurde.
Kritik übte Matthäus auch am Bewertungszeitraum. Seiner Meinung nach hätte die Wahl unmittelbar nach dem WM-Finale abgeschlossen werden müssen. Dass die Leistungen der folgenden Wochen noch berücksichtigt werden, hält er für problematisch. Gerade Yamal habe zuletzt zusätzliche Argumente gesammelt, obwohl diese aus Matthäus‘ Sicht nicht mehr in die Bewertung einfließen sollten.
Olise soll mehr verdienen – und langfristig bleiben
Besonders ausführlich sprach der Interwetten-Experte über Michael Olise. Der französische Offensivspieler zählt für Matthäus mittlerweile zu den besten Spielern der Welt, was sich seiner Ansicht nach auch finanziell widerspiegeln sollte.
Matthäus verwies darauf, dass Olises geschätzter Marktwert von 50 auf 180 Millionen Euro gestiegen sei. Daraus leitete er scherzhaft eine mögliche Jahresgage von 45 Millionen Euro ab, stellte allerdings sofort klar, dass die Bayern eine solche Summe keineswegs bezahlen müssten.
Stattdessen würde Matthäus den Vertrag des Franzosen sofort um zwei bis drei Jahre verlängern und ihm ein paar Millionen mehr zahlen. Olise bringe schließlich nicht nur Leistung auf dem Platz, sondern sei auch Werbeträger und wichtig für das Merchandising.
Auch die jüngste Rote Karte gegen Viking Stavanger ändere nichts an seiner Wertschätzung. Matthäus hält Olises Platzverweis zwar für einen Fehler, spricht sich aber gegen eine zusätzliche Geldstrafe aus. Dass der Franzose das wichtige Champions-League-Spiel gegen Arsenal verpassen wird, sei bereits Strafe genug.
Dass Olise nicht gerne Interviews gibt und sich auch abseits des Platzes wenig um Konventionen kümmert, stört Matthäus nicht. Der Bayern-Star solle seine Persönlichkeit behalten und sich weiterhin auf das konzentrieren, was ihn besonders macht: seine Kreativität und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten mit dem Ball.
Wie Matthäus die Titelchancen der Bayern einschätzt
Auch bei den Titelchancen des FC Bayern äußerte sich Matthäus ausgesprochen optimistisch. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren deutschen Meisterschaft bezifferte er auf 99,9 Prozent, jene eines Triumphs im DFB-Pokal auf 80 Prozent.
In der Champions League erwartet der ehemalige Bayern-Profi dagegen einen deutlich engeren Wettbewerb. Sechs oder sieben Mannschaften hätten das Potenzial, den Titel zu gewinnen. Sollten die Münchner so mutig auftreten wie zuletzt gegen RB Leipzig, zählt er sie allerdings zu den großen Favoriten.
Bereits das bevorstehende Duell mit Arsenal wird zum wichtigen Gradmesser. Ohne den gesperrten Olise müssen andere Offensivspieler zusätzliche Verantwortung übernehmen. Matthäus traut insbesondere Serge Gnabry und Lennart Karl zu, diese Aufgabe zu erfüllen, auch wenn beiden noch etwas Spielrhythmus fehlt. Gnabry habe zudem in der Vergangenheit gerne gegen seinen ehemaligen Verein getroffen.Für das Spiel gegen die Londoner rechnet Matthäus mit einem Unentschieden.
In der Bundesliga wünscht sich Matthäus unterdessen, dass die Bayern möglichst lange gefordert werden. Ein Titel mit nur zwei Punkten Vorsprung wäre seiner Ansicht nach nicht nur für die Fans reizvoller, sondern auch für den FC Bayern selbst von Vorteil, weil die Mannschaft dadurch auch für die Champions League länger unter Spannung bliebe. Realistisch erwartet er allerdings einen anderen Verlauf.
Respekt für Dortmund, deutliche Warnung an Gladbach und Leipzig
Borussia Dortmund traut Matthäus durchaus zu, die Bayern in einem direkten Duell zu schlagen. Über eine gesamte Saison sieht er den BVB allerdings im Nachteil.
Trainer Niko Kovač habe in Dortmund hervorragende Arbeit geleistet und die Mannschaft deutlich weiterentwickelt. Der entscheidende Unterschied liege jedoch in der Breite des Kaders. Während die Münchner regelmäßig Nationalspieler von der Bank bringen könnten, verfüge Dortmund nicht über dieselben personellen Möglichkeiten.
Wesentlich kritischer beurteilt Matthäus die Situation bei Borussia Mönchengladbach. Nach sechs Niederlagen in den ersten sechs Spielen sieht er seinen ehemaligen Verein bereits tief im Abstiegskampf. Die Ursachen dafür seien nicht ausschließlich sportlicher Natur, sondern auf Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre und fehlende Führung zurückzuführen.
Auch bei RB Leipzig erkennt der frühere Weltfußballer zunehmende Unruhe. Der von Jürgen Klopp unterstützte Trainer Martín Demichelis stehe unter Druck, obwohl der Kader aus Matthäus‘ Sicht stark genug für einen Champions-League-Platz sei. Dabei verwies Matthäus auch auf die umstrittene Trennung von Ole Werner, der seiner Meinung nach zuvor hervorragende Arbeit geleistet hatte. Während Klopps Unterstützung für Demichelis eindeutig gewesen sei, habe über Werners Abgang keineswegs Einigkeit bestanden. Sollten sich Leistungen und Ergebnisse nicht bald stabilisieren, könnte die Trainerfrage erneut aufkommen.
Positiv äußerte sich Matthäus dagegen über Aufsteiger SV Elversberg. Der Klub habe bereits in der zweiten Liga ausgezeichnet gearbeitet und setze erfolgreich auf junge Spieler, die anderswo nicht den erhofften Durchbruch geschafft hätten. Besonders beeindrucke ihn, dass die Verantwortlichen trotz des gelungenen Saisonstarts realistisch blieben.
Matthäus kritisiert Klopps bisherigen DFB-Start
Auch den bisherigen Start von Jürgen Klopp als deutscher Bundestrainer nahm Matthäus unter die Lupe. Die Ergebnisse seien bislang unbefriedigend gewesen, ohne eigenes Tor gegen Griechenland könne man nicht zufrieden sein. Zugleich räumte er ein, dass Klopp noch kein einziges Spiel mit seiner bestmöglichen Mannschaft bestreiten konnte.
Positiv sieht Matthäus, dass der neue Teamchef zahlreiche Spieler kennenlernen konnte. Dennoch hätte er sich aus den bisherigen Begegnungen mehr Punkte erwartet.
Für die kommenden Aufgaben brachte er auch Niclas Füllkrug ins Gespräch. Der Angreifer habe bei Werder Bremen zuletzt wieder regelmäßig getroffen und könne trotz seines Alters eine wertvolle Ergänzung sein. Kai Havertz bleibe für Matthäus zwar die erste Wahl im Sturmzentrum, doch Füllkrugs Erfahrung und seine aktuelle Form dürften nicht übersehen werden.
Matthäus verlängert erfolgreiche Partnerschaft mit Interwetten
Neben den sportlichen Analysen stand in München auch die Vertragsverlängerung zwischen Lothar Matthäus und Interwetten im Mittelpunkt. Der Weltmeister von 1990 bleibt dem Unternehmen weiterhin als Experte und Markenbotschafter erhalten.
Matthäus betonte, dass er langfristige Partnerschaften besonders schätze. Als Beispiele nannte er seine langjährigen Stationen bei Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Inter Mailand sowie seine mittlerweile 48-jährige Zusammenarbeit mit Puma. Auch mit Interwetten verbinde ihn ein ausgezeichnetes Verhältnis, das er gerne noch viele Jahre fortsetzen möchte.
Eine besondere Verbindung gibt es zudem zwischen seiner Karriere und der Unternehmensgeschichte: Interwetten wurde 1990 gegründet – genau in jenem Jahr, in dem Matthäus mit Deutschland Weltmeister wurde und den Ballon d’Or gewann.