Weniger erfreulich verlief der Sonntag für die Wiener Austria: Die „Veilchen“ verloren zu Hause gegen Meister LASK mit 0:2 und stehen nach zwei Runden weiterhin ohne Punkt und sogar ohne erzieltes Tor da.
Horn sorgt für Rapids perfekten Start
Rapid begann in Ried mit deutlich mehr Schwung als noch wenige Tage zuvor beim 4:1-Erfolg gegen Paide. Bereits in der achten Minute führte der erste sauber ausgespielte Angriff zum 1:0. Über Yusuf Demir und Matthias Seidl kam der Ball zu Bendegúz Bolla, dessen Hereingabe leicht abgefälscht bei Jannes Horn landete. Der Linksverteidiger nahm den Ball direkt und traf flach ins lange Eck. Es war Horns erstes Tor in der Bundesliga und erst das zweite seiner gesamten Profikarriere.
Die Führung verlieh Rapid zunächst Sicherheit, wirklich dominant waren die Wiener allerdings nicht. Ried hielt körperlich gut dagegen und kam mit zunehmender Spieldauer besser in die Partie. Rapid kontrollierte zwar viele Phasen mit dem Ball, produzierte aber auch einige unnötige Fehler und schaffte es nicht, frühzeitig auf 2:0 zu stellen.
Kurz vor der Pause hätte sich das beinahe gerächt. Stefan Schwab, von 2017 bis 2020 Kapitän in Hütteldorf und seit diesem Sommer in Ried, wurde vor dem Strafraum nicht konsequent attackiert und zog mit links ab. Der Ball krachte an die Unterkante der Latte und zurück ins Feld. Wenige Augenblicke später musste Niklas Hedl erneut eingreifen. Rapid rettete die knappe Führung in die Pause.
Kara vergibt, Schwab trifft
Unmittelbar nach Wiederbeginn hatte Rapid gleich zweimal die große Gelegenheit auf eine frühe Vorentscheidung. Ercan Kara verfehlte zunächst nach einem Stanglpass von Tonni Adamsen aus aussichtsreicher Position das Tor und scheiterte wenige Minuten später an Andreas Leitner. Diese vergebenen Möglichkeiten sollten die Partie noch einmal unnötig spannend machen.
Ried wurde mutiger, während Rapid offensiv zunehmend an Klarheit verlor. In der 74. Minute fiel schließlich ausgerechnet durch Ex-Rapidler Schwab der Ausgleich. Ante Bajic flankte auf die zweite Stange, wo der ehemalige Rapid-Kapitän viel zu frei zum Kopfball kam und wuchtig zum 1:1 traf.
Schwab verzichtete dabei nicht auf den Jubel. „Ich habe natürlich immer Respekt vor Rapid, aber Freude und Emotionen gehören dazu“, erklärte der 35-Jährige nach der Partie.
Die Freude der Rieder hielt allerdings nur drei Minuten. Hedl schlug den Ball weit nach vorne, Oliver Steurer übersah den hinter ihm lauernden Moulaye Haidara und der Rapid-Joker nutzte die Situation eiskalt. Haidara nahm den Ball mit, setzte seinen Abschluss an die Innenstange und traf zum 2:1. Nach seinem Doppelpack gegen Paide wurde der 20-Jährige damit erneut zum Matchwinner. In sieben Pflichtspielen für Rapid hält er bereits bei fünf Treffern.
Zahlen zeigen ein enges Spiel in Ried
Die Statistik bestätigt, dass der Erfolg alles andere als selbstverständlich war. Rapid hatte 54 Prozent Ballbesitz und kam auf zwölf Abschlüsse. Ried schoss sogar 18-mal auf das Tor beziehungsweise in dessen Richtung und hatte mit 29:20 auch mehr Ballkontakte im gegnerischen Strafraum.
Beim Expected-Goals-Wert lag Rapid mit 1,63 : 1,30 nur knapp vorne. Die Wiener hatten die qualitativ besseren Gelegenheiten, Ried produzierte dafür mehr Abschlüsse und zwang Hedl mehrfach zu wichtigen Paraden. Der 2:1-Sieg war damit keineswegs eine Machtdemonstration, sondern vor allem das Resultat höherer Effizienz in den entscheidenden Situationen.
Trainer Johannes Hoff Thorup verwies nach dem Spiel auch auf das intensive Reiseprogramm seiner Mannschaft. „Das ist eine mentale und charakterliche Herausforderung, die wir überwinden müssen“, sagte der Däne über die Belastung durch die Europacup-Reisen. Mit dem Ergebnis konnte er zufrieden sein, auch wenn Rapid erneut Möglichkeiten liegen ließ, eine Partie früher zu entscheiden.
Austria jubelt zweimal vergeblich
Während Rapid weiterhin makellos unterwegs ist, läuft es für die Austria in der Bundesliga noch nicht nach Plan. Nach dem 0:3 beim Wolfsberger AC verloren die „Veilchen“ auch ihr erstes Liga-Heimspiel der Saison. Gegen den LASK setzte es eine 0:2-Niederlage, obwohl die Austria zwischenzeitlich gleich zweimal über einen vermeintlichen Treffer jubelte.
Trainer Stephan Helm brachte nach dem 2:1-Europacup-Erfolg gegen Beitar Jerusalem eine stark veränderte Mannschaft. Aleksandar Dragovic kehrte nach seiner Gehirnerschütterung in die Startelf zurück, auch Johannes Eggestein konnte nach Verletzungspause wieder beginnen. Der LASK setzte hingegen auf exakt jene Startformation, die zum Auftakt den GAK mit 3:0 besiegt hatte.
Der Meister begann besser und hatte mehr vom Ball, ehe die Austria in der zwölften Minute erstmals jubelte. Dragovic verlagerte präzise auf Tae-seok Lee, der zur Mitte flankte. Ibrahim Buhari traf per Kopf zum vermeintlichen 1:0. Nach einem langen VAR-Check wurde allerdings eine äußerst knappe Abseitsposition Lees erkannt und der Treffer aberkannt.
Danach entwickelte sich eine intensive, aber spielerisch nicht immer hochklassige Partie. Die Austria bekam einige brauchbare Umschaltsituationen, spielte diese jedoch häufig zu langsam oder unpräzise aus. Der LASK kontrollierte größere Teile des Spiels, konnte seine Feldüberlegenheit vor der Pause aber ebenfalls nur selten in klare Möglichkeiten ummünzen.
Andrade bringt den Meister auf Kurs
Kurz nach dem Seitenwechsel hatte die Austria ihre beste reguläre Torchance. Sanel Saljic ließ seinen Gegenspieler stehen und zog aus rund 18 Metern ab, traf allerdings nur die Querlatte.
Wenig später ging der LASK in Führung. Nach einem Eckball von Sascha Horvath verlängerte Samuel Adeniran mit dem Hinterkopf, Andrés Andrade musste aus kurzer Distanz nur noch einköpfen. Das 1:0 in der 54. Minute passte zum Spielverlauf, weil die Linzer insgesamt wesentlich häufiger in gefährliche Räume kamen.
Die Austria gab sich dennoch nicht geschlagen und glaubte in der 75. Minute erneut an den Ausgleich. Nach einem missglückten Klärungsversuch bekam Kelvin Boateng den Ball an den Arm, von dort sprang er über Lukas Jungwirth hinweg ins Tor. Auch dieser Treffer wurde korrekterweise aberkannt.
Die endgültige Entscheidung fiel wenig später. Adeniran kam im Strafraum zum Abschluss, Dragovic verhinderte mit dem Arm ein mögliches Tor und sah wegen Torraubs Rot. Sahin-Radlinger parierte den folgenden Elfmeter von Moses Usor zunächst stark, beim Nachschuss war der eingewechselte LASK-Offensivspieler aber nochmal zur Stelle und erzielte das 2:0.
Statistisch war der LASK klar überlegen
Auch wenn die beiden aberkannten Treffer bei der Austria für Frust sorgten, fiel der Sieg des Meisters nach den Leistungsdaten verdient aus. Der LASK hatte 57 Prozent Ballbesitz, gab 22 Schüsse ab und kam auf 36 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Die Austria brachte es lediglich auf sechs Abschlüsse und acht Strafraumkontakte.
Noch drastischer fällt die Expected-Goals-Bilanz aus: 3,71 : 0,21 für die Linzer. Der Elfmeter inklusive Nachschuss erhöht den LASK-Wert zwar deutlich, dennoch zeigt die Statistik, wie wenig echte Torchancen sich die Austria über 90 Minuten erspielte. Der starke Saljic-Lattenschuss blieb die große Ausnahme. Das Abseitstor fließt natürlich nicht in die Statistik ein.
Austria-Trainer Helm sah dennoch Fortschritte: „Die Leistung über weite Strecken ging in die richtige Richtung.“ Gleichzeitig räumte er ein, dass der LASK phasenweise großen Druck entwickelte. Kühbauer war trotz des Sieges nicht restlos zufrieden und meinte: „Wir können und müssen es besser machen.“
Rapid erster Verfolger des LASK, Austria Schlusslicht
Nach zwei Runden stehen nur der LASK und Rapid beim Punktemaximum. Der Titelverteidiger führt aufgrund der besseren Tordifferenz mit sechs Punkten und 5:0 Toren vor Rapid, das ebenfalls sechs Zähler hält. Dahinter folgen der WAC mit vier Punkten, Salzburg und Sturm. Ried liegt mit einem Punkt auf Rang acht. Für die Austria ist der Fehlstart komplett: Zwei Spiele, null Punkte und 0:5 Tore bedeuten derzeit den letzten Tabellenplatz.
Für die beiden Wiener Klubs geht es nun wieder international weiter. Rapid empfängt am Mittwoch, dem 12. August, um 18:00 Uhr Paide Linnameeskond und geht nach dem 4:1 in Tallinn mit einer komfortablen Ausgangslage in das Rückspiel. Die Austria trifft am Donnerstag, dem 13. August, um 19:30 Uhr zu Hause auf Beitar Jerusalem. Nach dem 2:1-Auswärtssieg in Beitars Ausweichquartier in Rumänien reicht den „Veilchen“ bereits ein Remis für den Einzug ins Conference-League-Playoff.