Nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel benötigte Sturm einen außergewöhnlichen Europacupabend, um das Duell mit Fenerbahçe noch zu drehen. Vor 15.599 Zuschauern in Graz-Liebenau hielten die Steirer die Begegnung lange offen, letztendlich entschied aber Anderson Talisca die Partie in der 66. Minute vom Elfmeterpunkt. Fenerbahçe setzte sich damit mit einem Gesamtscore von 3:0 durch und zog ins Champions-League-Playoff ein. Sturm spielt hingegen fix in der Ligaphase der Europa League weiter.
Khudyakov hält Sturm im Spiel
Anders als beim Hinspiel in Istanbul trat Sturm wesentlich mutiger auf und versuchte früher Druck auf die türkische Defensive auszuüben. Die ersten richtig großen Chancen hatte dennoch Fenerbahçe. Talisca zwang Daniil Khudyakov bereits nach elf Minuten zu einer starken Parade, in der 24. Minute verhinderte der Sturm-Keeper auch gegen den alleine vor ihm auftauchenden Kerem Aktürkoğlu das 0:1.
Die Grazer kamen anschließend besser ins Spiel. Seedy Jatta setzte einen Kopfball knapp neben das Tor, Axel Kayombo versuchte es aus der Distanz und Kapitän Jon Gorenc Stankovic prüfte Mert Günok ebenfalls per Kopf. Zwingend genug waren diese Möglichkeiten allerdings nicht. Nach der Pause wurde Sturm noch einmal gefährlicher: Zunächst klärte Archie Brown einen scharfen Ball von Jacob Hödl in höchster Not, kurz darauf verfehlte Arjan Malic das lange Eck knapp.
Talisca entscheidet die Partie vom Punkt
Fabio Ingolitsch reagierte nach einer Stunde mit einem Dreifachwechsel und brachte Jürgen Heil, Nelson Weiper und Belmin Beganovic. Nur wenige Minuten später war die Hoffnung auf eine Aufholjagd praktisch beendet. Petar Petrovic kam nach einer Hereingabe von Brown gegen Talisca zu spät, der Brasilianer ging zu Boden und Schiedsrichter Alejandro Hernández entschied auf Elfmeter. Talisca trat selbst an und verwandelte in der 66. Minute zum 0:1. Es war bereits sein vierter Treffer im vierten Champions-League-Qualifikationsspiel in der laufenden Saison.
Die beste Sturm-Chance auf den Ausgleich hatte Beganovic in der 76. Minute, Günok parierte jedoch. Auf der Gegenseite verhinderte Khudyakov kurz vor Schluss gegen Aktürkoğlu einen zweiten Gegentreffer. Der russische Keeper war der mit Abstand auffälligste und solideste Sturm-Akteur.
Viele Sturm-Abschlüsse, aber Fener mit höherem xG
Die Statistiken zeigen, dass das Rückspiel deutlich ausgeglichener verlief als die Partie in Istanbul. Der Ballbesitz war mit jeweils 50 Prozent ausgeglichen, Sturm gab 19 Schüsse ab, Fenerbahçe lediglich elf. Auch bei den Ballkontakten im gegnerischen Strafraum lagen die Grazer mit 37:17 klar vorne.
Die Qualität der Möglichkeiten erzählt allerdings eine andere Geschichte. Der Expected-Goals-Wert lag bei 1,35 für Sturm und 2,17 für Fenerbahçe. Der Elfmeter schlägt in diesem Wert naturgemäß stark zu Buche, dennoch verdeutlichen die Zahlen das zentrale Problem der Grazer: Sturm kam häufig in interessante Räume und zu Abschlüssen, erspielte sich daraus aber zu wenige wirklich hochkarätige Chancen. Fenerbahçe benötigte deutlich weniger Aktionen im Strafraum, um gefährlich zu werden.
Ingolitsch: Niederlage „nicht notwendig“
Entsprechend enttäuscht zeigte sich Fabio Ingolitsch nach dem Schlusspfiff. „Es tut gerade richtig weh, weil ich nicht denke, dass es notwendig war, dieses Spiel zu verlieren“, sagte der Sturm-Trainer. Der 34-Jährige sah seine Mannschaft vor allem nach der Pause am Drücker, ehe der Elfmeter den Grazern endgültig den Wind aus den Segeln nahm.
Sturm-Kapitän Gorenc Stankovic hob ebenfalls die Leistung seiner Mannschaft hervor. Die Grazer hätten gegen einen individuell außergewöhnlich stark besetzten Gegner alles gegeben und könnten trotz des Ausscheidens stolz auf ihren Auftritt sein. Dennoch: Am Ende war auch sichtbar, dass die auf diesem Level nötige Effizienz Sturm noch fehlt.
Sturm fix in der Europa League – Fener trifft auf Lyon
Für Sturm ist die Champions-League-Qualifikation damit beendet, die Europacupsaison geht aber ohne weitere Qualifikationsspiele weiter. Die Grazer stehen fix in der Ligaphase der Europa League. Fenerbahçe kämpft hingegen gegen Olympique Lyon um einen Platz in der Champions League. Die Franzosen drehten ihre 1:2-Hinspielniederlage gegen Sparta Prag mit einem 3:0-Heimsieg und treffen nun im Playoff auf die Türken.
Zunächst wartet auf beide Teams wieder die Meisterschaft. Sturm empfängt am Samstag, dem 15. August, um 19:30 Uhr den SCR Altach. Fenerbahçe startet am selben Tag mit einem Auswärtsspiel bei Gençlerbirliği in die neue Süper-Lig-Saison. Bereits am 18. August folgt für die Türken das erste Playoff-Duell mit Lyon.