Austria Wien drehte mit einer ausgesprochen jungen Mannschaft die Partie gegen Beitar Jerusalem, Rapid machte in Estland in der Schlussphase alles klar und Salzburg sicherte sich in der Europa League gegen Pafos mit einem späten Treffer eine gute Ausgangslage für das Rückspiel. International sorgten vor allem Benfica, Twente und Tromsø mit deutlichen Ergebnissen für Aufsehen.
Die Hinspiele der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League und Conference League brachten am 6. August bereits einige Vorentscheidungen, ließen in zahlreichen Duellen aber auch noch genügend Spannung für die Rückspiele. Dabei unterscheiden sich die Konsequenzen erheblich: Wer in der Europa-League-Qualifikation scheitert, erhält im Play-off der Conference League eine weitere Chance. In der dritten Conference-League-Qualifikationsrunde bedeutet eine Niederlage nach Hin- und Rückspiel hingegen das endgültige Europacup-Aus.
Österreich: Junge Austria dreht das Spiel
Besonders bemerkenswert war der 2:1-Auswärtssieg der Wiener Austria gegen Beitar Jerusalem. Die Veilchen mussten aufgrund der zahlreichen Ausfälle erneut auf eine sehr junge Mannschaft vertrauen. Die Startelf war im Schnitt nur rund 23,5 Jahre alt, mit Philipp Maybach, Daniel Nnodim, Vasilije Marković und Jannik Feddersen begannen gleich vier Teenager.
Zunächst sah es allerdings nicht nach einem gelungenen Abend aus. Noam Muche brachte Beitar in der 19. Minute in Führung. Die Gastgeber hatten wesentlich mehr Ballbesitz und kontrollierten über längere Phasen das Spielgerät, doch kurz vor der Pause gelang der Austria der wichtige Ausgleich: Der erst 18-jährige Vasilije Marković traf zum 1:1.
Nach einer Stunde brachte die Austria unter anderem Sanel Saljić und Moritz Wels. Die Wechsel zahlten sich schnell aus. Rund 20 Minuten vor Schluss bereitete der ebenfalls erst 18-jährige Daniel Nnodim den Führungstreffer vor, der 20-jährige Saljić vollendete zum 2:1.
Beitar kam auf 69 Prozent Ballbesitz und gab insgesamt 14 Schüsse ab, während die Austria bei neun Abschlüssen hielt. Die junge Wiener Mannschaft musste also längere Phasen ohne Ball überstehen, blieb aber gefährlich und zeigte nach dem frühen Rückstand eine bemerkenswerte Reaktion, die auch Trainer Stephan Helm gefiel.
Damit besitzt die Austria vor dem Rückspiel in Wien eine ausgezeichnete Ausgangslage. Der mögliche Gegner im Play-off steht ebenfalls bereits fest: Der Aufsteiger aus dem Austria-Beitar-Duell trifft auf den Sieger zwischen Braga und Dinamo Minsk. Die Portugiesen gewannen das Hinspiel mit 1:0.
Rapid entscheidet zähe Partie ganz spät
Auch der SK Rapid kehrte mit einem komfortablen Vorsprung nach Wien zurück. Das 4:1 bei Paide Linnameeskond täuscht allerdings ein wenig darüber hinweg, wie lange sich die Hütteldorfer in Estland schwertaten.
Bendegúz Bolla brachte Rapid bereits nach fünf Minuten per Elfmeter in Führung, Daniel Luts glich noch vor der Pause aus. Bis tief in die Schlussphase blieb es beim 1:1. Erst in der Rapid-Viertelstunde brachen die Wiener den Widerstand des Außenseiters: Moulaye Haïdara traf in der 83. Minute, Petter Nosa Dahl legte zwei Minuten später das 3:1 nach und Haïdara sorgte in der Nachspielzeit mit seinem zweiten Treffer für den Endstand. Die Wechselspieler brachten in der Schlussphase den entscheidenden Schwung und sorgten letztlich für einen klaren Sieg. Trainer Johannes Hoff Thorup verwies nach der Partie darauf, dass Rapids Spielweise den Gegner zu viel Laufarbeit zwingt und dadurch mit zunehmender Spieldauer Kräfte kostet.
Damit steht Rapid bereits mit mehr als einem Bein im Play-off. Dort würde der Verlierer des Europa-League-Duells zwischen Benfica und Hearts warten. Nach dem 6:1-Sieg von Benfica gegen die Hearts spricht alles dafür, dass die Schotten auf die Hütteldorfer treffen werden.
Salzburg musste in der Europa-League-Qualifikation wesentlich härter arbeiten. Gegen Pafos reichte es zu einem knappen 1:0-Erfolg, wobei Haris Tabaković in der Schlussphase den einzigen Treffer des Spiels beisteuerte. Der österreichische Tabellendritte nimmt damit zwar einen Vorsprung nach Zypern mit, entschieden ist dieses Duell aber noch längst nicht.
Niederlande: Twente mit Kantersieg, Ajax lässt Chancen liegen
Kaum Zweifel am Aufstieg dürfte es hingegen beim FC Twente geben. Die Niederländer zerlegten DAC 1904 mit 6:0 und erzielten damit den höchsten Sieg des Abends in der Conference League. Das Rückspiel in der Slowakei besitzt sportlich nur noch sehr eingeschränkte Spannung.
Auch Ajax erfüllte seine Pflicht, machte aus einer extrem einseitigen Partie gegen Shelbourne aber weniger als möglich gewesen wäre. Am Ende gewann Ajax mit 3:1 und kam auf 32:3 Abschlüsse.
Mika Godts brachte Ajax früh per Elfmeter in Führung, Owen Wijndal und Kasper Dolberg erhöhten auf 3:0. Godts hatte sogar die Möglichkeit zu einem weiteren Treffer vom Punkt, scheiterte diesmal jedoch an Shelbourne-Torhüter Eddie Beach. Daniel Kellys Treffer in der Schlussphase ließ den irischen Außenseiter zumindest mit einem kleinen Hoffnungsschimmer nach Dublin zurückreisen. Ajax bleibt vor dem Rückspiel dennoch der klare Favorit.
Skandinavien: Dänen makellos, Tromsø zerlegt Cluj
Einen bemerkenswert starken Abend erwischten die dänischen Vertreter. Der FC Kopenhagen gewann auswärts bei Debrecen mit 3:0, der FC Midtjylland setzte sich bei den Bohemians mit 2:0 durch und der FC Nordsjælland siegte ebenfalls in der Fremde mit 2:0 gegen Valur. Drei Spiele, drei Auswärtssiege und kein einziges Gegentor – viel besser hätte der Abend aus dänischer Sicht nicht laufen können.
Für das auffälligste Resultat aus Skandinavien sorgte allerdings ein norwegischer Klub. Tromsø gewann beim rumänischen Traditionsklub CFR Cluj sensationell mit 5:0. Schon eine knappe Auswärtsniederlage wäre für Cluj im Rückspiel unangenehm gewesen, nach fünf Gegentreffern ist die Ausgangslage praktisch aussichtslos.
Schotten erleben einen bitteren Abend
Ganz unterschiedlich waren die Voraussetzungen der schottischen Klubs. Einen Sieg konnte am Donnerstag allerdings nur Hibernian feiern, während Motherwell immerhin ein 1:1 aus Helsinki mitnahm.
Die größte Abreibung kassierte der Heart of Midlothian FC bei Benfica. Der portugiesische Favorit gewann in Lissabon mit 6:1 und machte das Rückspiel damit weitgehend zur Formsache.
Benfica führte schon zur Pause mit 3:0 und ließ auch danach nicht locker. Für die Hearts war es ein Abend zum Vergessen – und das Ergebnis ist auch aus österreichischer Sicht interessant. Sollte Benfica den komfortablen Vorsprung nicht mehr aus der Hand geben und Rapid gegen Paide weiterkommen, treffen die Hütteldorfer im Conference-League-Play-off auf Hearts.
Auch die Rangers stehen vor einem schwierigen Rückspiel. Sie gingen bei Jagiellonia Białystok zwar bereits früh in Führung, verloren die Partie aber noch mit 1:2. Der Rückstand ist für die Rangers vor dem Heimspiel natürlich reparabel, der erste Auftritt verlief aber deutlich schlechter als erhofft.
Hibernian rettete die schottische Bilanz mit einem 2:1 gegen den KF Shkëndija zumindest etwas, während Motherwell beim HJK Helsinki ein 1:1-Unentschieden holte.
Belgier effizient, Hajduk mit fünf Auswärtstoren
Belgien benötigte für zwei wertvolle Auswärtssiege gerade einmal zwei Tore. Anderlecht gewann in der Europa-League-Qualifikation mit 1:0 bei PAOK und verschaffte sich damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in Brüssel. In der Conference League setzte sich Gent ebenfalls mit 1:0 beim IFK Göteborg durch.
Auch Beşiktaş nahm aus Tschechien einen knappen Vorsprung mit. Der türkische Klub gewann bei Hradec Králové mit 1:0. Wesentlich deutlicher fiel der Sieg von CSKA Sofia aus: Die Bulgaren bezwangen Maccabi Tel Aviv mit 3:0. Damit steht Maccabi vor dem Rückspiel vor einer enorm schwierigen Aufgabe.
In der Conference League setzte Hajduk Split ein weiteres offensives Ausrufezeichen. Die Kroaten gewannen bei Žalgiris Vilnius mit 5:2 und können das Rückspiel mit einem Drei-Tore-Polster beginnen. Auch Partizan verschaffte sich mit einem 3:0 gegen Tobol eine hervorragende Ausgangslage. Der FC St. Gallen siegte 3:1 bei Sheriff Tiraspol, Drita gewann mit 4:1 bei Tre Fiori.