Die Ausgangslage ist dabei durchaus interessant. Rapid startete mit einem 1:0-Heimsieg gegen den SCR Altach in die neue Bundesligasaison und holte unter der Woche in Estland einen deutlichen Europacup-Erfolg. Ried nahm beim Aufsteiger Austria Lustenau einen Punkt mit. Nach dem frühen Rückstand durch Rapid-Leihspieler Dominik Weixelbraun sorgte Jussef Nasrawe in der 33. Minute für den 1:1-Endstand.
Ried wurde für Rapid zuletzt zum Stolperstein
Auf dem Papier ist Rapid am Sonntag Favorit. Der historische direkte Vergleich fällt mit 51 Siegen der Wiener, 20 Erfolgen der Rieder und 19 Unentschieden ebenfalls klar zugunsten der Hütteldorfer aus. Gerade im Innviertel gestaltet sich diese Begegnung für Rapid allerdings traditionell schwieriger.
Das bekamen die Wiener erst in der vergangenen Saison mehrfach zu spüren. Im Jänner setzte es im ÖFB-Cup-Viertelfinale in Ried eine deutliche 0:3-Niederlage. Ende Mai folgte an gleicher Stelle das Hinspiel des Europacup-Playoffs. Nikki Havenaar brachte die Gastgeber damals per Kopf in Führung, Romeo Amane gelang in der 75. Minute der Ausgleich. Nur zwei Minuten später ging Ried erneut mit 2:1 in Führung und brachte diesen Vorsprung über die Zeit.
Damit hatte Rapid drei Pflichtspiele in Folge gegen die Innviertler verloren. Schon im Dezember 2025 hatte Ried mit 2:1 in Hütteldorf – zum allerersten Mal – gewonnen. Der einzige Rapid-Erfolg in Ried in der vergangenen Bundesligasaison war das 2:0 am 26. Oktober 2025 durch Treffer von Nikolaus Wurmbrand und Ercan Kara. Insgesamt gewann Ried drei der letzten vier Pflichtspielduelle vor dem abschließenden Playoff-Rückspiel.
Schöllers Sternstunde brachte Rapid nach Europa
Dieses bislang letzte Aufeinandertreffen dürfte allerdings vor allem Rapid in guter Erinnerung geblieben sein. Nach dem 1:2 im Innviertel standen die Hütteldorfer im Rückspiel unter enormem Druck, lieferten im Allianz Stadion aber eine ihrer besten Leistungen der Schlussphase der vergangenen Saison ab.
Zum Mann des Spiels wurde Jakob Schöller. Der damals als Linksverteidiger eingesetzte ÖFB-U21-Teamspieler traf in der 26. Minute nach einem Eckball von Bendegúz Bolla per Kopf zum 1:0. In der 66. Minute war Schöller erneut mit dem Kopf zur Stelle und stellte nach einer Flanke von Tobias Gulliksen auf 2:0.
Rapid war an diesem Nachmittag klar überlegen. Die Wiener hatten 56 Prozent Ballbesitz und gaben 19 Abschlüsse ab, während Ried nur viermal zum Abschluss kam. Louis Schaub machte in der Nachspielzeit mit dem 3:0 endgültig alles klar. Rapid gewann das Duell insgesamt mit 4:2 und sicherte sich damit jenen Europacup-Startplatz, der den Klub nun bereits erfolgreich nach Andorra und Estland führte.
Neuer Trainer, leicht veränderte Ried-Elf
Im Vergleich zum Frühjahr hat sich bei den Innviertlern allerdings einiges verändert. Maximilian Senft verließ den Klub, mit Mario Despotovic übernahm im Sommer ein neuer Cheftrainer. Der 41-Jährige arbeitete zuvor unter anderem im Nachwuchs und bei der zweiten Mannschaft von Hajduk Split und will Ried spielerisch weiterentwickeln.
Johannes Hoff Thorup erwartet deshalb nicht einfach eine Wiederholung der Partien aus dem Frühjahr:
„Ich erwarte ein anderes Match als zuletzt. Ried hat einen neuen Coach und sie spielen auch etwas anders als in der letzten Saison. Wir haben bereits den Spieltag in Tallinn ausgiebig genützt, um uns im Trainerstab intensiv mit dem Gegner auseinanderzusetzen und ihn zu analysieren. Ich möchte aber auch betonen, dass sich bei uns einiges geändert hat und wir nun besser sind. Daher erwarte ich einen wesentlich besseren Auftritt von uns als zuletzt in Ried. Am Freitag steht Regeneration auf dem Programm, am Samstag bereiten wir uns mit einer guten Trainingseinheit in Wien auf die Partie vor, dann fahren wir nach Oberösterreich und holen tags darauf im besten Fall die nächsten drei Punkte“, zeigt sich der dänische Cheftrainer durchaus zuversichtlich.
Für Rapid wird dabei auch die körperliche Komponente eine Rolle spielen. Nach dem späten Donnerstagsspiel in Tallinn landete die Mannschaft erst kurz vor 1:00 Uhr in Bratislava und kehrte anschließend mit dem Bus nach Wien zurück. Der Freitag wurde deshalb komplett zur Regeneration genutzt.
Die Partie gegen Paide zeigte zudem, dass trotz des 4:1-Erfolgs noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Rapid dominierte zwar den Ball, benötigte aber bis in die Schlussphase, ehe die eingewechselten Spieler die Partie entschieden. Gegen eine physisch präsente Rieder Mannschaft wird ein höheres Tempo im Ballbesitz nötig sein.
Wiedersehen für Bajlicz
Eine besondere Partie wird es für Nicolas Bajlicz. Der 22-Jährige spielte in der vergangenen Saison für Ried, absolvierte 28 Pflichtspiele und entwickelte sich dort zum Stammspieler. Im Sommer kehrte er nach Hütteldorf zurück und kommt mittlerweile regelmäßig zum Einsatz.
Bei den Gastgebern steht wiederum Oliver Steurer vor einem Jubiläum. Der Innenverteidiger könnte sein 100. Pflichtspiel für Ried bestreiten. Der 31-Jährige ist seit 2023 im Innviertel und verpasste in der vergangenen Saison keine einzige Spielminute.
Personell muss Ried auf Philipp Pomer und Dominik Stöger verzichten, beide fallen verletzt aus. Bei Fabian Rossdorfer ist ein Einsatz fraglich. Auf Rapid-Seite wurden vor der Reise ins Innviertel keine neuen Verletzungen vermeldet. Romeo Amane war zuletzt noch nicht wieder Teil des Matchkaders und befand sich auf dem Weg zum Comeback.
Ried will Rapids Europacup-Belastung ausnutzen
Ried-Coach Despotovic erwartet trotz Rapids Reiseprogramm eine schwierige Partie und fordert von seiner Mannschaft vor allem Mut:
„Jetzt freuen wir uns sehr auf das erste Heimspiel vor unseren Fans. Mit Rapid erwartet uns eine Mannschaft mit viel Qualität und hoher Intensität, gegen die wir von der ersten Minute an konzentriert und mutig auftreten müssen. Wir wollen an die positiven Dinge aus Lustenau anknüpfen, uns weiter verbessern und zuhause mit unserer Energie und unserer Spielweise überzeugen.“
Rund 6.000 Zuschauer werden zum ersten Rieder Heimspiel der Saison erwartet. Rapid geht mit der größeren individuellen Qualität und fünf Siegen aus den bisherigen fünf Pflichtspielen der neuen Saison in die Partie. Die jüngsten Erfahrungen im Innviertel sind allerdings Warnung genug: Gerade in Ried war für die Hütteldorfer in den vergangenen Monaten selten etwas einfach.