Es war ein Match, das den Rasen von Court 12 in eine Arena der Nerven verwandelte. Alexander Bublik, als Nummer zehn gesetzt, musste am Dienstag alles abrufen, was er hat, um Thanasi Kokkinakis nach fast vier Stunden mit 6:4, 3:6, 7:6, 3:6, 4:6 zu bezwingen. Der Australier schied in der ersten Runde aus – lieferte dabei aber einen Auftritt, der weit über ein gewöhnliches Erstrundenaus hinausging.
Kokkinakis legt vor, Bublik dreht auf
Der erste Satz gehörte dem Außenseiter. Kokkinakis agierte befreit, hielt seinen Aufschlag stabil und brach Bublik entscheidend, bevor er den Satz mit 6:4 für sich entschied. Der Kasache fand zunächst keinen Rhythmus gegen den druckvollen Rasentennis des Australiers. Im zweiten Durchgang drehte Bublik jedoch das Bild: Er steigerte seine Erstaufschlag-Effektivität und gewann den Satz klar mit 6:3. Was folgte, war der emotionale Höhepunkt der Partie.
Im dritten Satz lieferten sich beide Spieler einen ausgeglichenen Schlagabtausch, der im Tiebreak seinen Zenit fand. Kokkinakis rettete sich mit 12:10 – ein dramatischer Nervenkampf, der ihm den Satz und scheinbar auch psychologischen Rückenwind bescherte. Bublik, der in Wimbledon 2025 noch in der ersten Runde gegen Jaume Munar gescheitert war, stand erneut unter Druck.
Bublik findet den entscheidenden Break
Doch der Kazache ließ sich nicht beirren. Im vierten Satz dominierte Bublik wieder klar und gewann 6:3, womit er die Satzführung zurückholte. Im fünften und entscheidenden Durchgang war es laut übereinstimmenden Berichten das Break im fünften Spiel, das den Ausschlag gab. Bublik sicherte sich diesen entscheidenden Vorteil und brachte den Satz mit 6:4 nach Hause.
Die Statistiken zeichnen ein klares Bild: Bublik servierte 28 Asse bei einer Erstaufschlag-Quote von 68 Prozent und gewann 84 Prozent seiner Punkte auf den ersten Aufschlag. Seine Return-Spiele liefen mit einer Gewinnquote von lediglich 13 Prozent zwar mäßig, doch im entscheidenden Moment nutzte er seine Chancen – er verwandelte 33 Prozent seiner Breakbälle, während Kokkinakis nur 17 Prozent umwandelte. Kokkinakis selbst schlug 27 Asse und erzielte 59 Winner, leistete sich mit 43 unforcierten Fehlern aber zu viele Aussetzer in kritischen Phasen.
Comeback einer Willensleistung – und der Ausblick
Für Kokkinakis bedeutet die Niederlage zwar das erneute Erstrundenaus bei einem Grand Slam – in sieben Wimbledon-Teilnahmen hat er die zweite Runde nie erreicht –, doch der Kontext verleiht diesem Auftritt eine besondere Dimension. Der Australier hatte Wimbledon 2025 komplett verpasst und sich im Februar desselben Jahres einer außergewöhnlichen Operation unterzogen: Eine Achillessehne eines Spenders wurde an seinen seit 2019 lädierten Brustmuskel genäht. Dass er wenige Monate später auf dem Rasen von SW19 einen gesetzten Top-Ten-Spieler über fünf Sätze forderte, ist für sich genommen eine bemerkenswerte Geschichte.
Alexander Bublik trifft in der zweiten Runde auf den Franzosen Kyrian Jacquet. Nach dem frühen Aus in Halle als Titelverteidiger und dem Halbfinaleinzug in Stuttgart geht der Kasache mit gewachsenem Selbstvertrauen in die nächste Aufgabe – auch wenn dieser Sieg auf Court 12 alles andere als ein müheloser Spaziergang war.