Das deutliche 5:1 spiegelt dabei nur bedingt wider, wie umkämpft die Partie über weite Strecken verlief. Stuttgart trat in München mutig auf und bereitete dem Favoriten vor allem in der Anfangsphase Probleme. Am Ende fiel der Sieg auch in dieser Höhe nicht unverdient aus. Bayern erspielte sich deutlich mehr Abschlüsse, tauchte wesentlich häufiger im gegnerischen Strafraum auf und lag bei den xG-Werten mit 4,06:0,79 klar vorne.
Stuttgarts Manndeckung fordert die Bayern
Sebastian Hoeneß schickte den VfB in einer 3-4-2-1-Grundordnung auf den Platz und setzte gegen den Ball auf ausgeprägte Mannorientierungen. Besonders deutlich wurde dies bei Harry Kane. Der Bayern-Stürmer ließ sich wiederholt weit ins Mittelfeld und teilweise sogar bis tief in die eigene Hälfte zurückfallen, wurde dabei aber häufig von Jeff Chabot verfolgt.
Für Stuttgart war dieser Ansatz zunächst durchaus erfolgreich. Die Schwaben störten Bayerns Aufbau, zwangen den Gegner zu vielen Positionswechseln und kamen selbst zur ersten großen Möglichkeit. Tiago Tomás traf in der Anfangsphase die Latte, ehe Michael Olise auf der Gegenseite mit einem Freistoß ebenfalls am Aluminium scheiterte.
Mit zunehmender Spieldauer gelang es Bayern jedoch immer besser, die persönlichen Zuordnungen des VfB auszunutzen. Kanes weite Wege lockten Chabot immer wieder aus der letzten Linie und öffneten so Räume, in die Olise und Díaz stoßen konnten. Nathaniel Brown begann auf der Zehnerposition hinter Kane, während Olise und Luis Díaz von den Flügeln ins Zentrum stießen.
Die Führung fiel schließlich nach einem Standard. Joshua Kimmich brachte in der 21. Minute einen Eckball vor das Tor, wo Dayot Upamecano zum 1:0 einköpfte. Danach übernahm Bayern zunehmend die Kontrolle. Stuttgart-Torhüter Fabian Bredlow verhinderte gegen Díaz, Brown, Konrad Laimer und Olise einen höheren Pausenrückstand und kam im Laufe der Partie auf fünf Paraden.
Wenige Minuten entscheiden die Partie
Nach der Pause schlug Stuttgart zunächst zurück. Nach einem Münchner Ballverlust kam Chabot zum Kopfball, Manuel Neuer reagierte stark, gegen den anschließenden Abschluss von Josha Vagnoman war der Bayern-Kapitän in der 52. Minute aber machtlos.
Lange konnte sich der VfB über den Ausgleich nicht freuen. Nur drei Minuten später spielte Kimmich einen präzisen Pass in den Strafraum, Olise löste sich aus der Stuttgarter Defensive und schob überlegt zum 2:1 ein. Kurz darauf folgte der nächste Rückschlag für die Gäste. Alphonso Davies drang auf der linken Seite durch und spielte scharf nach innen. Vagnoman rutschte beim Klärungsversuch weg und lenkte den Ball ins eigene Tor.
Innerhalb weniger Minuten verwandelte Bayern den zwischenzeitlichen Ausgleich in eine komfortable 3:1-Führung. Genau diese Phase entschied die Partie. Stuttgart musste anschließend offensiver werden, während Bayern mehr Räume für sein schnelles Umschaltspiel bekam. Ein weiterer sehenswerter Treffer von Olise wurde aufgrund einer äußerst knappen Abseitsstellung noch aberkannt.
Kimmich und Saibari mit jeweils zwei Assists
Einer der auffälligsten Bayern-Spieler war Kimmich. Der Mittelfeldspieler bereitete sowohl das 1:0 durch Upamecano als auch das 2:1 durch Olise vor. Gerade nachdem sich Bayern an Stuttgarts aggressive Zuordnungen angepasst hatte, bekam Kimmich zunehmend Einfluss auf den Rhythmus der Partie.
Auch Olise sorgte permanent für Gefahr. Der Franzose traf einmal das Aluminium und erzielte das wichtige 2:1 unmittelbar nach dem Stuttgarter Ausgleich.
Ein besonders starkes Bundesliga-Debüt feierte Ismael Saibari. Der Neuzugang ersetzte Brown nach 61 Minuten und bereitete die beiden letzten Treffer vor. In der 82. Minute setzte er sich im Strafraum gegen Finn Jeltsch durch und legte für Aleksandar Pavlović quer, der aus kurzer Distanz das 4:1 erzielte. In der Nachspielzeit schickte Saibari Luis Díaz auf die Reise. Der Kolumbianer blieb im Duell mit Bredlow eiskalt und stellte auf 5:1.
Bemerkenswert war zudem, dass Bayern fünf Treffer erzielte, obwohl Kane weder selbst traf noch einen Assist verbuchte. Der Engländer hatte dennoch einen erheblichen taktischen Anteil am Sieg. Durch sein häufiges Zurückfallen zwang er Chabot immer wieder dazu, die Stuttgarter Abwehrlinie zu verlassen und öffnete dadurch Räume für seine Mitspieler.
Kompany sieht noch keinen Grund für Euphorie
Bayern setzte damit gleich am ersten Spieltag ein deutliches Statement. Schon in der vergangenen Saison erzielte der Rekordmeister 122 Bundesligatore. Nun startete die Mannschaft von Vincent Kompany mit fünf weiteren Treffern in die Titelverteidigung und blieb zum 15. Mal in Folge bei einem Bundesliga-Auftakt ungeschlagen.
Kompany wollte aus dem deutlichen Ergebnis dennoch keine voreiligen Schlüsse ziehen. „Es ist nur ein Spiel, es sind nur drei Punkte“, erklärte der Trainer nach der Partie. Für ihn waren vor allem die Energie, die Laufbereitschaft und die wiederholten Tiefenläufe entscheidend. Stuttgart habe Bayern anfangs große Probleme bereitet, seine Mannschaft sei jedoch ruhig geblieben und habe sich immer bessere Möglichkeiten erarbeitet.
Auch Manuel Neuer sprach von einem gelungenen Auftakt. Für den 40-Jährigen war es ein besonderer Abend: Er bestritt sein 600. Pflichtspiel für den FC Bayern. „Die Saison so zu eröffnen, ist ein Traum“, sagte der Kapitän nach der Partie.
Auf Stuttgarter Seite überwog dagegen die Enttäuschung. Hoeneß sah durchaus gute Phasen seiner Mannschaft, ärgerte sich aber vor allem über die wenigen Minuten nach dem Ausgleich. Beim Stand von 1:1 habe sich die Partie wieder offen angefühlt, kurz darauf sei sie bereits entschieden gewesen. „Das ist hart, das ist schwer“, bilanzierte der VfB-Trainer.
Dortmund und Leverkusen müssen nachziehen
Mit dem deutlichen Auftaktsieg hat Bayern gleich am ersten Spieltag seine Ambitionen unterstrichen. Am Samstagnachmittag startet unter anderem Bayer Leverkusen beim Bundesliga-Neuling SV Elversberg in die Saison. RB Leipzig empfängt Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt tritt bei Union Berlin an. Zudem spielt der 1. FC Köln gegen Hoffenheim und Mainz gegen Aufsteiger Paderborn.
Am Samstagabend ist dann Borussia Dortmund gefordert. Der BVB empfängt den Hamburger SV und will zum Saisonstart ebenfalls ein erstes Ausrufezeichen setzen. Am Sonntag folgen Freiburg gegen Werder Bremen sowie Augsburg gegen den Bundesliga-Rückkehrer Schalke 04.
Für Bayern geht es bereits am Mittwoch weiter. In der ersten Runde des DFB-Pokals gastiert die Kompany-Elf beim VfL Osnabrück. Das nächste Bundesligaspiel wartet am Samstag, wenn der Titelverteidiger zum FC Schalke 04 reist.