Die Ausgangslage verspricht ein interessantes Duell: Rapid hat offensiv bislang viel Qualität gezeigt, offenbarte beim 1:5 in Salzburg zuletzt aber erhebliche Probleme in der Defensive. Der Wolfsberger AC wiederum muss ausgerechnet vor dem Heimspiel gegen die Hütteldorfer seinen Abwehrchef und seinen treffsichersten Stürmer ersetzen.
Rapid reist als Tabellendritter ins Lavanttal
Rapid startete mit vier Siegen aus den ersten vier Bundesliga-Partien und liegt mit zwölf Punkten auf Rang drei. Erst im Nachtragsspiel bei Red Bull Salzburg riss die Serie und die Grün-Weißen mussten eine klare 1:5-Niederlage hinnehmen.
Im Spiel nach vorne gab es auch in Wals-Siezenheim immer wieder ordentliche Ansätze zu sehen. Der SK Rapid baute über weite Strecken gut auf und fand in den ersten beiden Dritteln des Spielfelds gute Lösungen. Defensiv leistete sich Rapid allerdings haarsträubende Fehler und ließ Salzburg viel zu einfach in gefährliche Räume kommen. Besonders Haris Tabakovic bekam bei seinen beiden Treffern zu viel Zeit und Raum. Vergangenen Samstag stieg die Mannschaft von Johannes Hoff Thorup im Cup nach einem 5:2-Auswärtssieg gegen Austria Klagenfurt auf und auch dort sah man ähnliche Muster. Das Kombinationsspiel in der Offensive weiß zu gefallen, aber die Defensive war selbst gegen einen Regionalligisten anfällig.
Beim WAC fällt die bisherige Bilanz durchwachsener aus. Nach dem 3:0 zum Auftakt gegen Austria Wien folgten nur noch zwei Punkte aus vier Ligaspielen. Beim 0:0 gegen den GAK und beim 1:3 gegen den LASK wurden die Kärntner zudem jeweils früh durch einen Ausschluss geschwächt. Mit einem Sieg, zwei Remis und zwei Niederlagen liegt der WAC aktuell auf Rang acht.
WAC muss auf Wimmer und Vrioni verzichten
Besonders bitter ist die Personalsituation in Wolfsberg. Kapitän und Abwehrchef Nicolas Wimmer zog sich im Cup gegen Parndorf einen Kreuzbandriss zu und wird mehrere Monate fehlen. Der 31-Jährige bringt viel Routine mit und wird nur schwer zu ersetzen sein. Wimmer ist zwar nicht der schnellste Abwehrspieler, verfügt aber über sehr viel Physis und Kampfkraft und ist insbesondere in den Luftduellen eine Klasse für sich.
Auch Mittelstürmer Giacomo Vrioni steht gegen den SK Rapid nicht zur Verfügung. Der Angreifer erlitt einen leichten Muskelfaserriss und soll zwei bis drei Wochen pausieren. Mit vier Treffern in fünf Ligaspielen ist er bislang der erfolgreichste WAC-Torschütze.
Zusätzliche Kreativität bringt dafür Neuzugang Dominik Fitz ins Spiel. Der aus der MLS zurückgekehrte ehemalige Austria-Regisseur kann gerade bei ruhenden Bällen gefährlich werden. Das ist gegen Rapid durchaus ein Faktor, zumal Thorup den WAC als körperlich starke Mannschaft einschätzt und unnötige Standards in Strafraumnähe vermeiden möchte.
WAC-Trainer Thomas Silberberger nimmt die Ausgangslage jedenfalls an: „Nach dem bisherigen Saisonverlauf gehen wir natürlich als Außenseiter in das Spiel. Wir wollen diese Rolle aber annehmen und wieder an die Leistungen zum Start der Saison anknüpfen, dann ist auch gegen den SK Rapid etwas möglich.“
Rapid bekommt mehrere Optionen zurück
Bei Rapid entspannt sich die Personallage zumindest teilweise. Für Jakob Schöller kommt die Partie noch zu früh, eine Rückkehr könnte aber bereits eine Woche später erfolgen. Claudy Mbuyi sammelte zuletzt in Klagenfurt wieder Einsatzminuten, die nach und nach behutsam gesteigert werden sollen.
Jannes Horn steht nach einer weiteren kompletten Trainingswoche wieder regulär zur Verfügung und auch Ange Ahoussou ist grundsätzlich wieder eine Option für den Spieltagskader. Dominic Vincze soll in zwei bis drei Wochen zurückkehren, Daniel Nunoo nach der kommenden Länderspielpause schrittweise herangeführt werden. Bei Jean Harisson Marcelin und Martin Ndzie ist hingegen weiterhin Geduld gefragt.
Rapid arbeitet an der defensiven Balance
Thorup nutzte die erste komplette Trainingswoche seit längerer Zeit, um neben den eigenen Offensivabläufen vor allem an den defensiven Problemen zu arbeiten. Nach dem Salzburg-Spiel standen die Positionierung im Strafraum, das Verteidigen von Bällen hinter die letzte Linie, Spielverlagerungen und die Absicherung aus dem Mittelfeld im Mittelpunkt.
Der Rapid-Coach erwartet einen etwas anderen WAC als in der vergangenen Saison. Die Wolfsberger suchen schneller die letzte Linie, platzieren viele Spieler in Ballnähe und wollen anschließend zweite Bälle attackieren. Für Rapid wird deshalb entscheidend sein, beim hohen Pressing die Abstände kompakt zu halten und vor der Viererkette keine großen Räume zu öffnen.