Trainer Adi Hütter sprach nach der Partie ungewöhnlich deutlich über die Defensivprobleme seiner Mannschaft, kritisierte Kapitän Robin Koch öffentlich und nahm gleichzeitig die Verantwortung für den schwachen Saisonstart auf sich.
Hütter über die 0:6-Niederlage
„Natürlich ist das eine deftige Niederlage für uns. Wenn du nach fünf Minuten so in ein Spiel startest, obwohl wir uns in der Woche gut vorbereitet haben, wird natürlich vieles über den Haufen geworfen.“
Hütter sah trotz des deutlichen Resultats auch Phasen, in denen seine Mannschaft ordentlich auftrat.
„Zwischendurch haben wir sogar guten Fußball gespielt. Nach dem 0:2 hätten wir aus meiner Sicht den Anschlusstreffer erzielen können. Aber in Summe gilt: Wenn du so verteidigst und in Leipzig solche Konter zulässt, dann ist das defensiv einfach nicht bundesligatauglich genug.“
Hütter über Frankfurts große Defensivprobleme
Mit mittlerweile 16 Gegentoren ist die Abwehr zum größten Problem der Eintracht geworden. Für Hütter liegt die Ursache dabei nicht in der gewählten Grundordnung.
„Die Kritik ist absolut berechtigt, da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden. Es ist völlig egal, ob wir mit Dreier- oder Viererkette spielen. Wir müssen als Mannschaft viel besser verteidigen.“
Vor allem das Verhalten in den Umschaltmomenten ärgerte den Trainer.
„Nach vorne hat es phasenweise ganz ordentlich ausgesehen, aber jeder Konter von Leipzig war brandgefährlich. Unsere Rückwärtsbewegung war nicht gut genug. Und wie wir teilweise im eigenen Strafraum verteidigt haben, da müssen wir ganz klar den Hebel ansetzen.“
Hütter vermisste vor allem jene Mentalität, mit der seine Mannschaft zuvor in anderen Spielen verteidigt hatte.
„Was mir gefehlt hat, war die Leidenschaft und die Mentalität, sich auch einmal in einen Schuss zu werfen und das Tor mit allem zu verteidigen.“
Hütter über die Auswechslung von Robin Koch
Besonders deutlich wurde Hütter bei Kapitän Robin Koch, den er bereits zur Halbzeit vom Feld nahm.
„Ich habe Robin Koch auch ein Stück weit erlöst. Von einem Führungsspieler und Kapitän erwarte ich einfach etwas anderes.“
Für den Trainer war die Auswechslung bewusst auch ein Signal an die Mannschaft.
„Wenn du 16 Gegentore bekommst und er der Leader in der Abwehr sein soll, dann musst du irgendwann auch einmal ein Zeichen setzen. Mir hat es überhaupt nicht gefallen und deshalb habe ich ihn herausgenommen.“
Gleichzeitig wollte Hütter die Niederlage ausdrücklich nicht an einem einzelnen Spieler festmachen.
„Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft. Ich bin der Verantwortliche dafür. In erster Linie soll die Kritik deshalb an mich gehen.“
Hütter über die Führungsspieler
Nach der Partie hatte Jonathan Burkardt erklärt, die Führungsspieler hätten an diesem Abend versagt. Hütter widersprach dieser Einschätzung nicht grundsätzlich.
„Ich habe die Aussagen unserer Spieler gehört und die waren richtig. Trotzdem haben wir zwischen den Gegentoren teilweise richtig guten Fußball gespielt.“
Die Zahlen illustrierten für Hütter aber auch die schonungslose Effizienz der Leipziger.
„RB Leipzig hatte zehn Schüsse aufs Tor und macht sechs Tore. Wir hatten neun Abschlüsse und machen keinen einzigen. Beim Stand von 0:2 hatten wir durchaus Möglichkeiten, das Anschlusstor zu erzielen.“
Genau darin liegt derzeit eines der Probleme: Während Frankfurt selbst Chancen ungenutzt lässt, wird nahezu jeder Fehler defensiv bestraft.
Hütter über den schwierigen Saisonstart
Fünf Spiele, fünf Punkte und bereits 16 Gegentore – der Saisonstart ist deutlich schwächer ausgefallen als erhofft. Hütter verwies dabei auch auf den großen personellen Umbruch im Sommer.
„Natürlich wünscht man sich einen anderen Start. Wir hatten sehr viel Bewegung im Kader. Zwölf Spieler sind gegangen, sechs gekommen. Einige Spieler sind sehr spät zurückgekommen oder erst spät dazugekommen.“
Die fehlende Teilnahme am internationalen Geschäft führte ebenfalls zu größeren Veränderungen.
„Wir müssen ein Stück weit Aufbauarbeit leisten. Es ist ein Umbruch, und der braucht auch etwas Geduld.“
Nach einem 0:6 seien solche Argumente naturgemäß allerdings schwer zu vermitteln.
„Wenn du 0:6 verlierst, hast du natürlich nicht viele Argumente. Trotzdem glaube ich an die Mannschaft. Wir haben Potenzial, das hat man auch heute phasenweise gesehen.“
Hütter sieht Hauptproblem schon aus der Vorsaison
Besonders beunruhigend ist für den Eintracht-Coach, dass die defensive Anfälligkeit keineswegs erst in dieser Saison aufgetaucht ist.
„Wir haben schon im vergangenen Jahr zu viele Gegentore bekommen und jetzt wieder sehr viele. Genau da müssen wir den Hebel ansetzen.“
Für Hütter ist die Richtung deshalb eindeutig.
„Das ist der Punkt, den wir so schnell wie möglich in den Griff bekommen müssen. Daran müssen wir hart arbeiten.“
Nach dem 0:6 in Leipzig geht es für Frankfurt damit weniger um Systemfragen als um grundlegende defensive Prinzipien. Hütters Botschaft war nach der höchsten Saisonniederlage jedenfalls unmissverständlich: Wer auf diesem Niveau derart viele einfache Situationen verliert, wird unabhängig von der Grundordnung kaum erfolgreich sein.