Deutschland bestimmte die Partie zwar über weite Strecken, fand gegen die kompakte Defensive der Gäste aber zu selten klare Lösungen. Griechenland verteidigte diszipliniert, überstand die stärkste deutsche Phase nach der Pause und nutzte anschließend einen der Räume, die sich durch das offensivere Spiel der Gastgeber ergaben.
Klopp verändert seine Mannschaft auf fünf Positionen
Nach dem 1:1 bei den Niederlanden nahm Klopp fünf Änderungen vor. Alexander Nübel ersetzte Marc-André ter Stegen im Tor, außerdem rückten Josha Vagnoman, Yann Aurel Bisseck, Bambasé Conté und Younes Ebnoutalib in die Startelf. Florian Wirtz saß zunächst auf der Bank, Jamal Musiala und Kai Havertz standen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.
Deutschland begann in einem 4-2-3-1 mit Joshua Kimmich und Felix Nmecha vor der Abwehr. Adeyemi, Conté und Schade unterstützten Ebnoutalib. Griechenlands Trainer Ivan Jovanović setzte auf ein kompaktes 4-4-2 mit Vangelis Pavlidis und Andrews Tetteh in der Spitze. Im Vergleich zur Partie in Amsterdam war die deutsche Mannschaft deutlich weniger eingespielt, was sich besonders im letzten Drittel bemerkbar machte.
Griechenlands kompakter Block bremst Deutschland
Jovanović ließ seine Mannschaft nicht dauerhaft hoch anlaufen. Griechenland zog sich meist bis rund um die Mittellinie zurück, hielt die Abstände zwischen den beiden Viererketten klein und versperrte vor allem die zentralen Räume. Deutschland durfte den Ball lange zirkulieren, sollte aber möglichst selten zwischen den Linien auftauchen.
Kimmich ließ sich häufig tief fallen und verteilte die Bälle, während die Außenverteidiger höher schoben. Genau dort lag das Problem: Die DFB-Elf hatte viel Ballbesitz, fand aber zu selten freie Spieler im Rücken des griechischen Mittelfelds. Viele Angriffe liefen seitlich um den Block herum, ohne genügend Tempo aufzunehmen.
Conté setzte früh einen ersten Versuch knapp vorbei. Gefährlicher wurde Deutschland, wenn es nach Ballgewinnen schneller spielte. Nach einem griechischen Standard schickte Kimmich Adeyemi in der 27. Minute in die Tiefe, der aber über das Tor schoss. Wenig später zwang der Flügelspieler Konstantinos Tzolakis zu einer Parade. Die besten deutschen Szenen entstanden damit weniger aus langen Ballbesitzphasen als aus Situationen, in denen Griechenland kurzzeitig ungeordnet war.
Mehr Tempo nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Deutschland die Intensität. Das Pressing setzte früher ein, die Abstände zwischen Mittelfeld und Angriff wurden kleiner und die Gastgeber suchten häufiger den direkten Weg Richtung Strafraum. Conté eroberte in der 49. Minute nahe am griechischen Strafraum den Ball und prüfte Tzolakis mit einem flachen Abschluss. Kurz darauf parierte der Torhüter auch einen gefährlichen Freistoß von Kimmich.
Auch Nmecha kam zu einer guten Möglichkeit, nachdem Adeyemi mit Tempo nach innen gezogen war. Sein Abschluss ging jedoch am Tor vorbei. Die DFB-Elf erzeugte nun deutlich mehr Druck, blieb bei den letzten Pässen und Abschlüssen aber zu ungenau.
Jovanović reagierte nach knapp einer Stunde mit Kourbelis und Fotis Ioannidis. Beide Wechsel stabilisierten das Zentrum und gaben Griechenland zugleich neue Optionen für Konter. Klopp brachte wenig später Wirtz und Jonathan Burkardt für Conté und Schade, um mehr Kreativität und Präsenz im Strafraum zu bekommen.
Kourbelis bestraft Deutschlands zunehmendes Risiko
Je stärker Deutschland auf die Führung drängte, desto größer wurden die Räume hinter der ersten Pressinglinie. In der 67. Minute hätte Griechenland das beinahe erstmals bestraft. Kimmich verlor tief in der eigenen Hälfte den Ball, Pavlidis schaltete sofort um und fand den freien Ioannidis, dessen Abschluss nur knapp vorbeiging.
Sieben Minuten später fiel das 0:1. Griechenland spielte sich über Pavlidis und Christos Tzolis nach vorne. Tzolis zog über links Richtung Strafraum und brachte den Ball zurück ins Zentrum, wo Kourbelis zum Abschluss kam. Sein flacher Schuss wurde noch von Kimmich abgefälscht und änderte dadurch entscheidend die Richtung. Nübel war chancenlos.
Nach dem Gegentor musste Deutschland noch mehr Risiko nehmen. Klopp brachte Gnabry und später zusätzlich Anton Stach und Hennes Behrens. Aus dem kontrollierten Aufbau wurden zunehmend direkte Angriffe und Flanken, doch genau darauf war die griechische Defensive vorbereitet.
Tzolakis und Mavropanos sichern den Sieg
Bisseck köpfte nach einer Hereingabe vorbei, Gnabry zwang Tzolakis aus kurzer Distanz noch einmal zu einer wichtigen Parade. Mehr ließ Griechenland in der Schlussphase kaum zu. Besonders Mavropanos dominierte im eigenen Strafraum mit 13 klärenden Aktionen und drei erfolgreichen Tacklings. Neben ihm entschärfte Retsos weitere zehn Situationen.
Statistisch war Deutschland in fast allen Bereichen überlegen: 76 Prozent Ballbesitz, 16:8 Abschlüsse, 30:11 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum und 1,34:0,77 xG. Daraus entstanden aber zu wenige wirklich klare Möglichkeiten. Griechenland verteidigte den eigenen Strafraum konsequent, zwang die DFB-Elf immer wieder zu schwierigen Abschlüssen und konnte sich zudem auf Tzolakis verlassen, der fünf Schüsse parierte.
Klopps Team vor dem nächsten Härtetest
Das 0:1 ist ein Rückschlag, besitzt nach zwei Spielen unter dem neuen Trainer aber nur begrenzte Aussagekraft. Klopp arbeitet derzeit mit einem erweiterten Kader, gegen Griechenland fehlten unter anderem Musiala und Havertz, während weitere etablierte Kräfte nicht in der Startelf standen.
Trotzdem zeigte die Partie klar, woran Deutschland arbeiten muss: Gegen einen tiefen und gut organisierten Gegner fehlten Tempo, Bewegungen zwischen den Linien und Präzision im letzten Drittel. Griechenland setzte seinen defensiven Plan dagegen konsequent um und nutzte einen der wenigen Umschaltmomente.
Bereits am Donnerstag empfängt Deutschland in München Serbien. Dort dürfte Klopp erneut personell verändern und hat die nächste Gelegenheit, die offensiven Abläufe weiterzuentwickeln.