Während Salzburg international ungeschlagen bleiben möchte, müssen der LASK und Sturm gegen prominente Gegner wichtige Punkte für die Ligaphase sammeln. Immerhin gibt es bei allen drei österreichischen Mannschaften auch Gründe für vorsichtigen Optimismus.
LASK gegen Liverpool: Auf eine Enttäuschung folgt das große Highlight
Mittwoch, 14. Oktober, 18:45 Uhr – Champions League
Für den LASK steht am Mittwoch eines der größten Heimspiele seiner Vereinsgeschichte auf dem Programm. Mit dem Liverpool FC gastiert ein europäischer Spitzenklub in Linz, der allerdings selbst mit einigen Problemen nach Oberösterreich reist.
Die Engländer verloren am Sonntag das Spitzenspiel gegen Manchester City mit 0:3. Nach einer umstrittenen Gelb-Roten Karte für Ryan Gravenberch in der zweiten Halbzeit brach Liverpool defensiv auseinander und kassierte innerhalb von 14 Minuten drei Gegentore.
Zuvor hatten die Reds bereits mit erheblichen Personalsorgen zu kämpfen. Alexander Isak und Cody Gakpo kehrten verletzt von ihren Nationalmannschaften zurück, auch Dominik Szoboszlai musste gegen City passen. Ob alle drei rechtzeitig für das Duell mit dem LASK wieder zur Verfügung stehen, bleibt abzuwarten. Gerade der Einsatz von Ex-Salzburger Szoboszlai gilt als ausgesprochen fraglich.
In die Champions League startete Liverpool hingegen erfolgreich. Gegen Atlético Madrid gelang ein 2:1-Heimsieg, bei dem Alexis Mac Allister den entscheidenden Treffer erzielte.
Der LASK verlor seine Auftaktpartie bei AEK Athen mit 0:1 und steht nach der jüngsten 0:2-Heimniederlage gegen Rapid zusätzlich unter Druck. Die Mannschaft von Dietmar Kühbauer wartet mittlerweile seit vier Pflichtspielen auf einen Sieg.
Besonders bitter ist die angespannte Personalsituation. George Bello erlitt gegen Rapid eine Muskelverletzung und fällt gegen Liverpool definitiv aus. Auch Moses Usor musste mit einer Schulterverletzung ausgewechselt werden. Zumindest bei Sascha Horvath dürfte hingegen keine neuerliche schwerere Blessur vorliegen, nachdem er gegen Rapid zwischenzeitlich wieder Probleme gehabt haben dürfte.
Kühbauer machte nach der Rapid-Niederlage deutlich, dass seine Mannschaft wesentlich aggressiver auftreten müsse. Gleichzeitig weiß der Trainer um die Größenverhältnisse: „Wir wissen genau, dass Liverpool noch einmal meilenweit vor Rapid ist.“
Für die Linzer wird es vor allem darum gehen, die Räume zwischen den Mannschaftsteilen eng zu halten und Liverpool nicht zu viel Platz für schnelle Angriffe zu überlassen. Dass die Engländer nach der City-Niederlage angeschlagen sind, macht sie möglicherweise sogar noch gefährlicher, zumal man fürs Selbstvertrauen unbedingt wieder einen überzeugenden Erfolg benötigt. Sollte Liverpool allerdings erneut wichtige Offensivspieler vorgeben müssen, könnten sich für den LASK zumindest Möglichkeiten ergeben, länger im Spiel zu bleiben.
Salzburg gegen Milan: Beide wollen ihren Aufwärtstrend bestätigen
Donnerstag, 15. Oktober, 18:45 Uhr – Europa League
Red Bull Salzburg empfängt am Donnerstag mit dem AC Milan einen weiteren europäischen Traditionsklub. Die Mannschaft von Danny Röhl hat allerdings gute Argumente, selbstbewusst in die Partie zu gehen.
Die Salzburger sind seit mittlerweile 15 Pflichtspielen ungeschlagen und starteten mit einem 1:0-Auswärtssieg gegen Levski Sofia in die Europa-League-Ligaphase. In der Bundesliga gab es zuletzt allerdings einen kleinen Dämpfer. Beim GAK kam der Tabellenzweite nach einer insgesamt schwachen Leistung nicht über ein 0:0 hinaus.
Für zusätzliche Sorgen sorgen zahlreiche Verletzungen. Besonders schmerzhaft ist der Ausfall von Nikolas Veratschnig. Der Rechtsverteidiger, der zu Saisonbeginn zu den auffälligsten Spielern der Bundesliga zählte, erlitt beim österreichischen Nationalteam eine Knieverletzung mit Knochenmarksödem. Ihm droht eine Pause von sechs bis zwölf Wochen.
Auch Damir Redzic, Enrique Aguilar und Justin Omoregie fehlen verletzt. Gerade auf den defensiven Außenpositionen muss Röhl deshalb improvisieren. Leandro Morgalla und Stefan Lainer sind mögliche Alternativen auf der rechten Seite.
Milan reist mit einer ebenfalls nicht restlos überzeugenden Bilanz nach Österreich. In der Serie A ist die Mannschaft von Rúben Amorim zwar noch ungeschlagen, zuletzt reichte es bei Sassuolo aber nur zu einem 1:1. Mit zwölf Punkten aus sechs Spielen liegen die Rossoneri auf Rang fünf.
In der Europa League setzte es zum Auftakt sogar eine überraschende 0:2-Heimniederlage gegen Benfica. Milan steht deshalb bereits ein wenig unter Zugzwang.
Individuell bringen die Italiener dennoch enorme Qualität mit. Akteure wie Christian Pulisic, Adrien Rabiot oder Gonçalo Ramos können Spiele mit einzelnen Aktionen entscheiden.
Salzburg wird versuchen, mit seiner hohen Intensität und aggressivem Pressing den Rhythmus der Gäste zu stören. Entscheidend könnte sein, ob die Österreicher nach Ballgewinnen schnell genug in gefährliche Räume kommen. Gegen ein spielstarkes, aber nicht immer fehlerfreies Milan erscheint zumindest ein Punktgewinn durchaus möglich.
Bournemouth gegen Sturm: Zwei Mannschaften mit großen Personalsorgen
Donnerstag, 15. Oktober, 21:00 Uhr – Europa League
Neben dem LASK trifft auch Sturm Graz am Donnerstag auf einen englischen Gegner. Beim AFC Bournemouth wartet auf die Mannschaft von Fabio Ingolitsch eine besonders interessante Aufgabe, denn die Gastgeber stecken in der Premier League tief in der Krise.
Unter Trainer Marco Rose wartet Bournemouth nach sechs Ligaspielen noch immer auf den ersten Sieg. Am vergangenen Wochenende setzte es bei Chelsea eine heftige 1:5-Niederlage. Dabei wurde erneut deutlich, wie anfällig die Mannschaft defensiv aktuell ist.
International verlief der Saisonstart allerdings wesentlich besser. Bournemouth gewann zum Auftakt der Europa League durchaus überraschend mit 2:1 bei Real Sociedad und hat damit bereits drei wichtige Punkte gesammelt.
Die Engländer müssen zudem auf mehrere Leistungsträger verzichten. Besonders schwer wiegt die Verletzung von Alex Scott, der sich während der Länderspielpause bei Englands Nationalmannschaft eine Oberschenkelverletzung zuzog. Der zentrale Mittelfeldspieler wird voraussichtlich mehrere Wochen fehlen.
Auch bei Sturm ist die Personalsituation alles andere als ideal. Otar Kiteishvili, Filip Rózga, Seedy Jatta und Nelson Weiper gehören zu den prominenten Ausfällen. Dazu kommen weitere angeschlagene Spieler, weshalb Ingolitsch zuletzt zahlreiche Umstellungen vornehmen musste. Spieler wie Kayombo oder Wlodarczyk wurden zudem nicht für die Europa League genannt.
Immerhin gelang den Grazern am Samstag ein wichtiger Befreiungsschlag. Trotz acht verletzungsbedingter Ausfälle setzte sich Sturm bei Austria Wien mit 2:0 durch. Oumar Diakité erzielte beide Treffer und könnte auch beim Auswärtsspiel in England eine Schlüsselrolle einnehmen.
In die Europa League startete Sturm mit einem torlosen Remis gegen Stade Rennes. Die Defensive funktionierte dabei ordentlich, offensiv fehlte allerdings noch die letzte Durchschlagskraft.
Gegen Bournemouth ist erneut ein disziplinierter Auftritt gefragt: Die Engländer besitzen mit Evanilson, Marcus Tavernier und Rayan gefährliche Offensivspieler, bieten nach Ballverlusten aber auch Räume an.
Gerade Sturms aggressives Pressing könnte deshalb zum Faktor werden. Die Grazer haben bereits bewiesen, dass sie auch mit einem stark dezimierten Kader konkurrenzfähig sein können. Bournemouth ist zwar nominell der Favorit, angesichts der bisherigen Premier-League-Leistungen scheint eine Überraschung für Sturm aber keineswegs ausgeschlossen, wenn man lange die „Null“ halten kann.
Drei Spiele mit unterschiedlichen Vorzeichen
Für Österreichs Europacup-Vertreter steht eine richtungsweisende Woche bevor, in der allerdings keiner der Europacupstarter zwingend mit Punkten rechnen darf. Der LASK benötigt nach der Niederlage in Athen dringend ein Erfolgserlebnis, bekommt mit Liverpool aber den schwierigsten Gegner des Trios.
Salzburg hat gegen Milan die Chance, seinen erfolgreichen Europa-League-Start zu bestätigen. Sturm wiederum könnte beim kriselnden Bournemouth wichtige Punkte sammeln, die nach dem Auftaktremis gegen Rennes besonders wertvoll wären.
Vor allem die personelle Situation wird bei allen drei Begegnungen eine entscheidende Rolle spielen. Eines ist jedenfalls klar: Mit Liverpool, Milan und Bournemouth wartet auf den österreichischen Fußball eine Europacup-Woche mit reichlich internationalem Prestige.