Überragender Mann war Luis Díaz mit drei Toren und einer Vorlage. Der Kolumbianer hatte nach einem kleinen Formtief erst unter der Woche bei Viking seine Torflaute beendet und legte gegen Leipzig nun einen Hattrick nach. Aleksandar Pavlović, Michael Olise und Harry Kane erzielten die weiteren Bayern-Treffer.
Bayern nahezu in Bestbesetzung und von Beginn an dominant
Vincent Kompany veränderte seine Startelf gegenüber dem 3:3 in Stavanger auf drei Positionen. Dayot Upamecano ersetzte Jonathan Tah in der Innenverteidigung, Pavlović kehrte für Tom Bischof ins zentrale Mittelfeld zurück und Ismael Saibari begann anstelle von Lennart Karl hinter Kane. Manuel Neuer und Jamal Musiala fehlten weiterhin, ansonsten stand eine sehr starke Bayern-Elf auf dem Platz.
Leipzig begann mit Christopher Nkunku als zentralem Angreifer, Antonio Nusa und Brajan Gruda unterstützten über die offensiven Zonen. Trainer Martín Demichelis setzte auf ein dicht besetztes Mittelfeld und wollte nach Ballgewinnen möglichst schnell das Tempo seiner Offensivspieler nutzen.
Dazu kam es allerdings kaum. Bayern presste wesentlich konzentrierter als noch bei Viking, schob nach Ballverlusten sofort nach und unterband viele Leipziger Umschaltaktionen bereits im Ansatz. Gleichzeitig ließ sich Kane immer wieder aus dem Sturmzentrum fallen und öffnete damit Räume für Díaz, Olise und Saibari. Leipzig bekam weder diese Bewegungen noch die schnellen Verlagerungen der Münchner in den Griff.
Díaz eröffnet – Pavlović und Olise legen nach
Nach zwölf Minuten fiel das 1:0. Joshua Kimmich erkannte die Lücke hinter Leipzigs Abwehr und hob den Ball in den Lauf von Díaz. Der Kolumbianer nahm das Zuspiel sauber mit und schob aus rund 14 Metern an Maarten Vandevoordt vorbei ins linke Eck.
Bayern blieb danach permanent gefährlich. Upamecano scheiterte aus kurzer Distanz an Vandevoordt, Saibari kam ebenfalls zu guten Situationen und Leipzig fand kaum Entlastung.
In der 26. Minute folgte das 2:0. Kane ließ sich zurückfallen und spielte Díaz auf der linken Seite frei. Der Flügelspieler band mehrere Leipziger und legte anschließend für Pavlović ab, der aus kurzer Distanz am Torhüter vorbei abschloss.
Nur acht Minuten später war die Partie praktisch entschieden. Bayern gewann auf Höhe der Mittellinie den Ball, Olise kombinierte mit Kane und setzte seinen Lauf fort. Der Engländer legte zurück, Olise setzte den Ball aus rund 18 Metern ins lange Eck.
Leipzig hatte enorme Probleme mit Bayerns Gegenpressing. Leipzig blieb nach Ballgewinnen kaum Zeit, weil Kimmich und Pavlović sofort nachsetzten. Gleichzeitig rückten die Außenverteidiger Laimer und Brown früh nach. Dadurch konnte Leipzig seine Geschwindigkeit über Nusa und Gruda nur selten ausspielen.
Das 3:0 zur Pause war sogar eher schmeichelhaft. Olise traf zusätzlich die Stange, Vandevoordt verhinderte mehrfach einen noch höheren Rückstand. Nach 37 Minuten lagen die Expected Goals bereits bei 1,66:0,10.
Bayern legt nach der Pause nach
Demichelis reagierte zur Halbzeit und brachte Nicolas Seiwald sowie Tidiam Gomis für Banzuzi und Nkunku. An den Kräfteverhältnissen änderte sich jedoch nichts.
Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn gewann Bayern erneut im Mittelfeld den Ball. Kane schaltete sofort um und schickte Díaz auf der linken Seite. Der Kolumbianer ging gegen Lukas Klostermann ins direkte Duell, zog nach innen und traf zum 4:0. Klostermann bekam Díaz während seiner gesamten Einsatzzeit kaum unter Kontrolle und wurde nach einer Stunde ausgewechselt.
In der 53. Minute folgte bereits das fünfte Tor. Díaz leitete den Angriff ein, Brown startete aus der Tiefe in den Strafraum und spielte flach vor das Tor. Kane musste aus fünf Metern nur noch einschieben. Für den Engländer war es in seinem 100. Bundesliga-Spiel bereits sein 102. Ligatreffer.
Kompany konnte anschließend früh Kräfte sparen und wechselte Kane, Saibari, Pavlović und Laimer bereits nach knapp einer Stunde aus. Trotzdem verlor Bayern weder seine Struktur noch seine offensive Gefahr.
Díaz krönt seinen überragenden Abend
Das 6:0 in der 69. Minute war schließlich Díaz vorbehalten. Nach einer kurz ausgeführten Ecke bekam der Kolumbianer den Ball von Olise, bewegte sich quer entlang der Strafraumgrenze und traf aus rund 18 Metern zum dritten Mal an diesem Abend.
Díaz war mit seinem Hattrick und der Vorlage zum 2:0 der klare Unterschiedsspieler. Nach einigen Wochen, in denen ihm trotz guter Ansätze die letzte Konsequenz fehlte, zeigte er gegen Leipzig wieder seine ganze Klasse. Schon gegen Viking hatte er wieder getroffen, gegen Leipzig war er von der Defensive überhaupt nicht in den Griff zu bekommen.
Auch Olise spielte trotz seines Platzverweises unter der Woche eine starke Partie. Neben seinem Treffer bereitete er das 6:0 vor und traf zusätzlich die Stange. Leipzigs Nusa wurde dagegen weitgehend aus dem Spiel genommen und musste nach einer Stunde vom Platz.
Erst in der Nachspielzeit gelang den Gästen der Ehrentreffer. Gruda bekam auf der rechten Seite zu viel Raum und legte für Andrija Maksimović zurück, der aus dem Rückraum zum 6:1 traf.
Bayern behebt die Probleme aus dem Viking-Spiel
Die Schlusszahlen unterstreichen die Münchner Machtdemonstration. Bayern kam auf 29 Abschlüsse, davon 17 auf das Tor, Leipzig lediglich auf zwölf beziehungsweise vier. Dazu standen rund 62 Prozent Ballbesitz und 11:3 Ecken für die Gastgeber. Besonders aussagekräftig waren die Expected Goals: Bayern lag mit 4,27:0,62 vorne. Sechs Treffer überzeichneten die Chancenverhältnisse etwas, an der hochverdienten Natur des Kantersiegs bestand jedoch kein Zweifel.
Verglichen mit dem 3:3 bei Viking wirkte Bayerns Auftritt deutlich runder. In Stavanger hatten die Münchner ebenfalls zahlreiche Chancen herausgespielt, dem Gegner durch Fehler im Aufbau, schlechte Absicherung und Standards aber viel zu einfache Möglichkeiten angeboten. Gegen Leipzig standen die Mannschaftsteile enger zusammen, Ballverluste wurden sofort aufgefangen und RB bekam kaum Gelegenheit, offene Räume zu attackieren.
Genau daran scheiterte der Plan der Gäste. Leipzig wollte nach Ballgewinnen schnell nach vorne spielen, verlor den Ball jedoch häufig bereits beim ersten oder zweiten Pass wieder. Gleichzeitig entstanden hinter dem Mittelfeld große Räume, sobald Bayern die erste Pressinglinie überspielt hatte. Díaz und Olise konnten diese Zonen immer wieder attackieren, während Kanes Zurückfallen die Zuordnung zusätzlich erschwerte.
Bayern liefert die geforderte Antwort
Für Leipzig war das 1:6 ein Abend, an dem nahezu nichts funktionierte. Die Gäste bekamen Bayerns Bewegung im Angriff nie unter Kontrolle, fanden keine Lösung gegen das Gegenpressing und verteidigten die Räume vor der eigenen Abwehr viel zu offen. Dass der eigene Matchplan auf schnelle Umschaltmomente ausgelegt war, half wenig, weil Bayern diese Situationen fast vollständig verhinderte.
Die Münchner wiederum zeigten genau jene defensive Wachsamkeit, die ihnen gegen Augsburg und Viking gefehlt hatte, ohne dabei etwas von ihrer offensiven Durchschlagskraft einzubüßen. Kompany hatte vor dem Spiel erklärt, seine Mannschaft sei trotz der beiden Remis „nicht weit von unserer allerbesten Version“ entfernt. Gegen Leipzig kam Bayern dieser Version sehr nahe.
Nach zwei Unentschieden in Folge fiel die Antwort damit maximal deutlich aus. Vor dem Champions-League-Duell mit Arsenal demonstrierte der FC Bayern nicht nur seine enorme offensive Qualität, sondern vor allem, wie schwer die Mannschaft zu bespielen ist, wenn Pressing, Gegenpressing und Absicherung gleichzeitig funktionieren.