Oumar Diakité war mit drei Toren der herausragende Mann. Der klare Sieg war verdient, fiel gemessen an den Expected Goals aber höher aus, als es die Chancenqualität erwarten ließ.
Sturm muss weiter auf zahlreiche Spieler verzichten
Fabio Ingolitsch musste erneut improvisieren. Mit Otar Kiteishvili, Seedy Jatta, Nelson Weiper, Filip Rózga, Emran Soglo und Gizo Mamageishvili fehlten weiterhin mehrere wichtige Spieler. Sturm begann in einem 3-4-2-1 mit Diakité im Zentrum, Simon Seidl und Valmir Matoshi dahinter sowie Jürgen Heil und Luís Balbo auf den Außenbahnen.
Der GAK spiegelte diese Grundordnung. Gerald Scheiblehners Mannschaft suchte nach Ballgewinnen früh den direkten Weg auf Hofleitner, während Italiano und Lichtenberger nachrückten. Sturm wollte über Seidl und Matoshi zwischen den Linien spielen und die GAK-Fünferkette mit den hoch stehenden Außenspielern auseinanderziehen.
Die Anfangsphase war ausgeglichen. Der GAK verteidigte aggressiv, störte Sturms Aufbau und nutzte in der zehnten Minute seine erste gefährliche Aktion. Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum kam Cvetko nach Vorarbeit von Yannick Oberleitner zum Ball und traf per Halbvolley zum 0:1. Die Führung war vor allem Ausdruck der Effizienz des GAK, nicht einer klaren spielerischen Überlegenheit. Fast im Gegenzug scheiterte Diakité an Cican Stanković.
Khudyakovs Verletzung überschattet die erste Hälfte
Nach gut 20 Minuten rückte der Fußball völlig in den Hintergrund. Italiano kam bei einer Aktion zuerst an den Ball, traf Khudyakov anschließend aber heftig am rechten Knöchel. Der Torhüter blieb sofort liegen. Spieler beider Mannschaften bildeten einen Kreis um die medizinische Versorgung, während es im zuvor lauten Stadion auffallend still wurde.
Khudyakov musste nach minutenlanger Behandlung auf einer Trage abtransportiert werden, in der 28. Minute kam Ammar Helac ins Tor. Die Bilder ließen eine schwere Verletzung am rechten Unterschenkel befürchten.
Sturm fand nach der langen Unterbrechung schnell zurück ins Spiel und erhöhte den Druck. Vor allem das Gegenpressing funktionierte nun besser. Der GAK bekam nach Ballgewinnen kaum noch Zeit, während Sturm zweite Bälle häufiger gewann und anschließend schnell nach vorne spielte.
Drei Tore drehen die Partie innerhalb weniger Minuten
In der 37. Minute fiel der Ausgleich. Matoshi legte für Luca Weinhandl ab, der vor dem Strafraum Platz bekam und mit links zum 1:1 traf. Sturm blieb danach sofort am Drücker und benötigte nur zwei weitere Minuten für die komplette Wende. Nach einem schnellen Angriff spielte Balbo zu Heil, der die Aktion zum 2:1 vollendete.
Der GAK verlor in dieser Phase seine zuvor stabile Ordnung. Die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr wurden größer, die Außenspieler kamen nach Ballverlusten nicht mehr rechtzeitig zurück und die Dreierkette musste plötzlich große Räume verteidigen. Sturm erkannte diese Probleme sofort und spielte nach Ballgewinnen ohne Umwege nach vorne.
Schon in der 41. Minute folgte der nächste Treffer. Der GAK bekam die Situation im eigenen Strafraum erneut nicht bereinigt, Diakité war im Zentrum zur Stelle und stellte auf 3:1. Innerhalb von nur vier Minuten hatte Sturm aus einem Rückstand einen komfortablen Vorsprung gemacht. Beinahe wäre es noch vor der Pause deutlicher geworden, weitere Treffer von Diakité und Quarshie wurden wegen Abseits aberkannt.
Diakité entscheidet das Derby nach der Pause
Scheiblehner reagierte zur Halbzeit mit zwei Wechseln und brachte Mark Grosse sowie Tim Trummer. Stabiler wurde der GAK zunächst aber nicht. Sturm setzte dort fort, wo es vor der Pause aufgehört hatte, und Seidl fand weiterhin Räume hinter dem Grazer Mittelfeld.
In der 49. Minute setzte Seidl Diakité im Strafraum ein, der die nächste Lücke nutzte und seinen zweiten Treffer erzielte. Nur zwei Minuten später funktionierte die Verbindung erneut: Seidl fand wieder Diakité, der sich vor dem Tor durchsetzte und mit seinem dritten Treffer auf 5:1 erhöhte. Der Ivorer benötigte lediglich vier Abschlüsse für seinen Hattrick und bestrafte die Fehler in der GAK-Defensive beinahe maximal.
Sturm profitierte dabei nicht nur von individuellen Patzern. Die schnellen Positionswechsel rund um Seidl und Diakité zogen die GAK-Verteidiger immer wieder aus ihrer Ordnung. Gleichzeitig gelang es den Gästen kaum noch, nach Ballgewinnen für Entlastung zu sorgen.
Nach einer Stunde nahm Ingolitsch mit Diakité, Quarshie und Balbo gleich drei Spieler vom Feld. Die Partie verlor dadurch etwas an Tempo. Den Schlusspunkt setzte Sturm dennoch in der 75. Minute. Seidl brachte einen Eckball zur Mitte, Jon Gorenc Stanković setzte sich im Strafraum durch und köpfte zum 6:1 ein. Für Seidl war es bereits die dritte Vorlage der zweiten Halbzeit.
Sturm bestraft die Fehler des GAK konsequent
Das Ergebnis war klar, die Ballbesitzverteilung mit 55:45 Prozent dagegen wesentlich ausgeglichener. Entscheidend war, was Sturm aus seinen Ballgewinnen machte. Die Gastgeber kamen auf 24:12 Abschlüsse und 41:18 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Auch bei den Expected Goals lag Sturm mit 3,59:0,60 klar vorne.
Mit sechs Toren bei 3,59 xG zeigte sich Sturm in der Chancenverwertung außergewöhnlich effizient. Der Sieg selbst war aufgrund der klaren Überlegenheit bei den Abschlüssen und gefährlichen Strafraumszenen aber völlig verdient. Besonders nach dem Ausgleich bekam der GAK Sturms schnelles Spiel nach Ballgewinnen, Diakités Bewegungen und Seidls Positionierung zwischen den Linien nicht mehr unter Kontrolle.
Gorenc Stanković gewann mehr als 80 Prozent seiner Zweikämpfe und stabilisierte das Zentrum, während Seidl mit drei Vorlagen die zweite Hälfte prägte. Der GAK konnte seinen guten Beginn dagegen nicht bestätigen und verlor nach dem 1:1 innerhalb kürzester Zeit den Zugriff.
Vor ausverkaufter Liebenauer Arena setzte Sturm damit nach der 0:3-Niederlage in Bournemouth eine starke Reaktion und hält mit nun 17 Punkten den Anschluss an die Spitzengruppe. Für den GAK endete dagegen eine Serie von vier ungeschlagenen Bundesligaspielen auf äußerst deutliche Weise.