Sporting ging als klarer Favorit in die Begegnung, hatte mehr Ballbesitz und bestimmte über weite Strecken das Geschehen. Der LASK verteidigte jedoch diszipliniert, störte den portugiesischen Spielaufbau und nutzte seine Möglichkeiten im Umschaltspiel konsequent.
Sporting nahezu unverändert, Kühbauer setzt auf Stabilität
Sporting-Trainer Rui Borges vertraute derselben Startelf wie beim 2:0-Erfolg in Lens. Zeno Debast, Rodrigo Zalazar und Nuno Santos fehlten verletzt. Im 4-3-3 sollten Geny Catamo und Nestory Irankunda auf den Flügeln für Tempo sorgen, während Luis Suárez das Sturmzentrum besetzte.
Kühbauer setzte auf ein 3-4-3 mit Kalajdžić als Mittelstürmer sowie Lang und Daněk in der Offensive. Sascha Horvath und Robert Ljubičić bildeten das zentrale Mittelfeld. Gegen den Ball verdichtete der LASK die Räume und versuchte, Sportings Aufbau früh unter Druck zu setzen. Nach Ballgewinnen suchten die Gäste dagegen schnell den Weg nach vorne.
Umstrittener Elfmeter bringt Sporting früh in Führung
Bereits in der fünften Minute geriet der LASK in Rückstand. Irankunda zog im Strafraum nach innen und kam bei einem leichten Kontakt mit Ljubičić zu Fall. Schiedsrichter Nicholas Walsh entschied auf Elfmeter, der VAR griff nicht ein.
Die Entscheidung war äußerst fragwürdig. Irankunda suchte den Kontakt und hob schon vor der Berührung ab. Suárez verwandelte anschließend sicher ins linke untere Eck zum 1:0.
Der LASK ließ sich davon nicht beeindrucken. Bereits in der 15. Minute spielte Kasper Jørgensen den Ball von rechts an die Strafraumgrenze. Lang nahm ihn an, drehte sich und traf mit einem platzierten Abschluss ins lange Eck zum 1:1.
Der Ausgleich war keineswegs unverdient. Sporting hatte zwar mehr Ballbesitz, fand gegen das aggressive Anlaufen der Linzer aber nur selten Lösungen durch das Zentrum. Catamo und Irankunda versuchten es mit Einzelaktionen, während der LASK bei seinen Gegenangriffen gefährlicher wirkte.
Lang scheiterte nach einem schnellen Vorstoß an Torhüter Kaique, Kalajdžić brachte einen Kopfball nicht gefährlich genug aufs Tor. Kurz vor der Pause musste allerdings auch Lukas Jungwirth eingreifen und verhinderte mit einer starken Parade gegen Maxi Araújo den erneuten Rückstand.
Torhüterwechsel und ein Linzer Doppelschlag
Die zweite Halbzeit begann mit einem Rückschlag für den LASK. Jungwirth stieß mit Suárez zusammen und bekam dabei ein Knie ins Gesicht. Nach längerer Behandlung musste der benommene Torhüter in der 52. Minute durch Tobias Schützenauer ersetzt werden.
Die Gäste blieben trotzdem mutig. In der 60. Minute zwang Xavier Mbuyamba Sporting-Torhüter Kaique mit einem Kopfball zu einer Parade. Drei Minuten später gelang die Führung.
Nach einem Ballverlust der Portugiesen schaltete der LASK schnell um. Ljubičić trieb den Angriff voran, wartete auf den richtigen Moment und spielte Kalajdžić frei. Der Stürmer schloss aus zentraler Position ins linke untere Eck ab.
Sporting rückte anschließend noch weiter auf und bot dadurch zusätzliche Räume an. In der 68. Minute nutzten die Linzer das erneut. Der kurz zuvor eingewechselte Samuel Adeniran leitete einen schnellen Angriff mit einem Außenristpass zu Daněk weiter. Dessen Schuss landete zum 3:1 im kurzen Eck.
Sporting konnte aus seinem vielen Ballbesitz somit zu wenig Kapital schlagen. Die Portugiesen schoben immer mehr Spieler nach vorne, ließen dadurch aber große Räume hinter dem Mittelfeld offen. Der LASK nutzte diese Kontermöglichkeiten geschickt und benötigte nur wenige Kontakte, um vor das gegnerische Tor zu gelangen.
Sporting drängt, LASK rettet den Vorsprung
Borges reagierte mit weiteren offensiven Wechseln und erhöhte den Druck. Issa Doumbia schoss aus guter Position über das Tor, Schützenauer parierte gegen Suárez und Jesse Derry verfehlte das Gehäuse knapp.
In der 89. Minute verkürzte Sporting doch noch. Nach einer Hereingabe wehrte Schützenauer zunächst einen Kopfball von Derry ab, Suárez verwertete den Nachschuss zum 2:3. Auch dieser Treffer war umstritten, weil Alessandro Schöpf zuvor im Mittelfeld gefoult worden sein soll. Das Tor hatte nach der Überprüfung dennoch Bestand.
In der langen Nachspielzeit warf Sporting alles nach vorne. Selbst Torhüter Kaique rückte bei einem Eckball auf. Der LASK überstand jedoch die letzten Angriffe und brachte den überraschenden Erfolg über die Zeit.
Effizienter LASK bestraft Sportings defensive Schwächen
Sporting hatte mit 62 Prozent Ballbesitz erwartungsgemäß mehr vom Spiel, konnte daraus aber nicht genügend klare Abschlüsse entwickeln. Zwar lagen die Portugiesen bei den gesamten Torschüssen mit 16:11 vorne, aufs Tor brachten die Linzer mit sieben Versuchen aber deutlich mehr als die Gastgeber mit vier.
Nach Expected Goals lag Sporting mit rund 3,2:1,1 klar vorne, ein Teil davon ging allerdings auf den frühen Elfmeter zurück. Der LASK zeigte sich in der Chancenverwertung dagegen ausgesprochen effizient und nutzte insbesondere die Räume, die Sporting bei seinen Angriffsbemühungen anbot.
Lang war mit seinem Ausgleich und weiteren gefährlichen Aktionen einer der wichtigsten Linzer Offensivspieler. Kalajdžić behauptete sich immer wieder als Anspielstation und verwertete seine große Möglichkeit zur Führung. In der Defensive überzeugte vor allem Mbuyamba, der sechs Tacklings erfolgreich abschloss und sich auch zweikampfstark präsentierte. Seine Präsenz war ein wesentlicher Grund dafür, dass Sporting trotz längerer Druckphasen nicht häufiger zum Abschluss aus aussichtsreicher Position kam.
Die Gastgeber fanden gegen die kompakte Linzer Formation zu selten spielerische Lösungen. Noch schwerer wogen allerdings die Probleme bei der Absicherung eigener Angriffe. Das Gegenpressing griff nicht zuverlässig, sodass der LASK nach Ballgewinnen mehrfach ungehindert Tempo aufnehmen konnte. Die Linzer mussten ihrerseits bei Standards und in der Schlussphase einige gefährliche Situationen überstehen, verteidigten ihren Vorsprung insgesamt aber mit großer Entschlossenheit.
LASK holt die ersten Punkte in der Champions League
Nach den Niederlagen gegen AEK Athen und Liverpool hat der LASK nun die ersten drei Punkte auf dem Konto und meldet sich damit im Kampf um die Plätze für die K.-o.-Phase zurück. Der Erfolg in Lissabon zeigt, dass Kühbauers Mannschaft auch gegen einen nominell deutlich stärkeren Gegner bestehen kann, wenn die Abstimmung gegen den Ball funktioniert und die Gegenangriffe zielstrebig ausgespielt werden.
Am 3. November wartet mit dem Heimspiel gegen Slovan Bratislava die nächste Gelegenheit, weitere Punkte zu sammeln. Nach dem überraschenden Erfolg gegen Sporting dürfen sich die Linzer durchaus Hoffnungen machen, ihre Ausgangsposition in der Ligaphase weiter zu verbessern.