Gleichzeitig kommt Weltmeister Lando Norris mit zwei Siegen in Serie nach Italien, Ferrari bringt für das Heimspiel ein Motoren-Update und Max Verstappen kehrt an jene Strecke zurück, auf der er drei der vergangenen vier Rennen gewann. Vieles deutet darauf hin, dass Monza zu einem der offensten Wochenenden der bisherigen Saison werden könnte.
Der Zeitplan für den Italien-Grand-Prix
Der 5,793 Kilometer lange Kurs im königlichen Park von Monza steht seit 1950 beinahe ununterbrochen im Formel-1-Kalender. 53 Runden beziehungsweise 306,72 Kilometer warten am Sonntag auf die Fahrer.
Alle Zeiten sind MESZ:
- Freitag, 4. September: 1. Freies Training 12:30 Uhr, 2. Freies Training 16:00 Uhr
- Samstag, 5. September: 3. Freies Training 12:30 Uhr, Qualifying 16:00 Uhr
- Sonntag, 6. September: Rennen 15:00 Uhr
Monza bleibt eine Strecke der Extreme: lange Vollgaspassagen, sehr wenig Abtrieb und harte Bremsmanöver vor den Schikanen. Die neuen technischen Regeln verändern den Charakter des „Temple of Speed“ allerdings. Weil auf den langen Geraden vergleichsweise wenig elektrische Energie zurückgewonnen werden kann, hat die FIA das Harvesting-Limit für dieses Wochenende auf fünf Megajoule reduziert. Die Spitzengeschwindigkeiten dürften dadurch niedriger ausfallen als in früheren Jahren, während Windschatten und der richtige Einsatz der vorhandenen Energie noch wichtiger werden.
Antonellis Vorsprung – und die große Hypothek
Kimi Antonelli reist mit 242 Punkten nach Monza. Dahinter folgen George Russell und Lewis Hamilton mit jeweils 183 Zählern, Lando Norris hält bei 159, Charles Leclerc bei 155. Max Verstappen liegt mit 112 Punkten bereits deutlich im Hintertreffen. Mercedes führt auch die Konstrukteurs-WM mit 425 Punkten vor Ferrari mit 338 und McLaren mit 263 an.
Für Antonelli könnte sein Heimrennen dennoch zu einer Schadensbegrenzungsübung werden. Nach mehreren Problemen mit den Antriebseinheiten setzt Mercedes in Monza seine fünfte Power Unit ein. Weil damit das erlaubte Kontingent überschritten wird, muss der 20-Jährige unabhängig von seinem Qualifying-Ergebnis vom hinteren Ende der Startaufstellung losfahren. Mercedes entschied sich bewusst für Monza, weil Überholen hier wesentlich besser möglich ist als auf vielen anderen Kursen.
Antonelli selbst will deshalb den Rennsonntag priorisieren. „Ich habe nichts zu verlieren“, erklärte der Italiener und hält sogar eine Aufholjagd bis in die Top-5 für möglich. Im Qualifying könnte er zusätzlich Russell mit Windschatten helfen.
Norris und Russell führen die Favoritengruppe an
Aus der reinen Formkurve spricht momentan vieles für Lando Norris. Der amtierende Weltmeister gewann sowohl in Ungarn als auch zuletzt in Zandvoort und brachte McLaren damit nach einem schwierigen Saisonbeginn wieder an die Spitze. In den Niederlanden setzte sich Norris vor Antonelli und Russell durch.
Monza stellt McLaren allerdings vor eine andere Aufgabe. Das Team bringt einen speziellen Low-Drag-Heckflügel mit, intern „H-Wing“ genannt, der den Luftwiderstand auf den Geraden reduzieren soll. Gerade die Höchstgeschwindigkeit gilt beim MCL40 bislang nicht als größte Stärke.
Mindestens ebenso hoch einzuschätzen ist deshalb Russell. Mercedes besitzt weiterhin das insgesamt stärkste Paket der Saison und der Brite kann Antonellis Strafversetzung nutzen, um seinen Rückstand erheblich zu reduzieren. Nach seinem Sprint-Sieg und Rang drei in Zandvoort zeigte seine Formkurve zuletzt ebenfalls wieder nach oben.
Ferrari setzt auf das Heimspiel und einen neuen Motor
Für Ferrari ist Monza traditionell mehr als ein gewöhnliches Rennen – 2026 kommt zusätzlicher Druck hinzu. Hamilton liegt punktgleich mit Russell auf Rang zwei der WM und damit weiterhin in Reichweite von Antonelli, während Leclerc nach seinem Silverstone-Sieg ebenfalls gezeigt hat, dass Ferrari an einem perfekten Wochenende gewinnen kann.
Passend zum Hochgeschwindigkeitskurs führt Ferrari die zweite Leistungs-Ausbaustufe seiner Power Unit im Rahmen des neuen ADUO-Systems ein. Dazu kommt ein speziell für wenig Abtrieb entwickeltes Aerodynamikpaket. Teamchef Fred Vasseur bezeichnete die neue Motorenspezifikation als Schritt in die richtige Richtung, warnte gegenüber der „Gazzetta dello Sport“ aber gleichzeitig: „In Monza brauchen wir ein perfektes Rennen.“
Leclerc sieht Mercedes weiterhin als Maßstab, hält die Ausgangslage aber für offen. Ferrari habe einige neue Komponenten vorbereitet, die den Unterschied verkleinern könnten. Der Monegasse weiß zudem genau, wie ein Sieg vor den Tifosi aussieht: 2019 gewann er sein erstes Monza-Rennen für Ferrari, 2024 wiederholte er den Triumph mit einer mutigen Einstoppstrategie.
Ferrari fährt zudem mit einer Sonderlackierung, die an Michael Schumachers erste Saison für die Scuderia und seinen Monza-Sieg 1996 erinnert.
Verstappen als gefährlicher Außenseiter
Der prominenteste Geheimfavorit ist Max Verstappen. Der Red Bull war zuletzt weder in Ungarn noch in Zandvoort auf Augenhöhe mit der Spitze, doch Monza gehört zu Verstappens stärksten Strecken. Er gewann hier 2022 und 2023, musste 2024 nur Leclerc den Vortritt lassen und dominierte 2025 erneut – damals mit mehr als 19 Sekunden Vorsprung auf Norris.
Zudem wurde die Red-Bull-Power-Unit im Laufe der Saison von der FIA als Referenz eingestuft, weshalb die langen Geraden dem RB22 eher entgegenkommen könnten. Verstappen selbst ist allerdings skeptisch, vor allem wegen des Energiemanagements der neuen Autos. Monza werde diesbezüglich „ziemlich schmerzhaft“, erklärte der vierfache Weltmeister vor dem Wochenende.
Auch Oscar Piastri sollte nicht völlig abgeschrieben werden. Der McLaren-Pilot wurde 2024 in Monza Zweiter und 2025 Dritter. Sollte das neue Aerodynamikpaket funktionieren, besitzt McLaren damit zwei Fahrer, die in den Kampf um den Sieg eingreifen können.
Die zentrale Frage bleibt aber, wie viel Antonellis Konkurrenten aus dessen Strafversetzung machen. Nach zwölf Rennwochenenden verfügt der Italiener noch über ein komfortables Polster – Monza bietet Russell, Hamilton und dem zuletzt immer stärker werdenden Norris jedoch die bislang beste Gelegenheit, die Weltmeisterschaft wieder deutlich enger zu machen.