Der Italiener hat seinen Vorsprung in der Fahrerwertung zuletzt auf 66 Punkte gegenüber Mercedes-Teamkollege George Russell ausgebaut. Doch der Madring ist für sämtliche Teams weitgehend unbekannt und könnte die gewohnten Kräfteverhältnisse zumindest vorübergehend durcheinanderbringen.
22 Kurven und eine spektakuläre Steilkurve
Madrid ist kein völlig neuer Schauplatz für die Formel 1. Zwischen 1968 und 1981 fanden auf dem Circuito del Jarama neun WM-Läufe statt. Der Madring hat mit der damaligen Strecke allerdings nichts gemeinsam. Der neue Kurs verbindet öffentliche Straßen mit eigens errichteten permanenten Passagen rund um das Messegelände IFEMA Madrid und Valdebebas.
Auf rund 5,4 Kilometern warten 22 Kurven, am Sonntag sind 57 Runden zu absolvieren. Die Strecke kombiniert schnelle Abschnitte mit langsamen und mittelschnellen Passagen und soll Spitzengeschwindigkeiten von deutlich über 300 km/h ermöglichen.
Das auffälligste Element ist Kurve 12. „La Monumental“ zieht sich über rund 550 Meter und besitzt eine Überhöhung von bis zu 24 Prozent. Die langgezogene Steilkurve dürfte nicht nur für spektakuläre Bilder sorgen, sondern setzt auch Fahrer, Autos und Reifen einer besonderen Belastung aus.
Gerade die Kombination aus hohen Geschwindigkeiten und teilweise nahen Begrenzungsmauern sorgt vor dem ersten Grand Prix für Respekt. Max Verstappen bezeichnete den Madring sogar als möglichen „car killer“. Mehrere Fahrer rechnen damit, dass Fehler aufgrund der geringen Auslaufzonen schnell größere Konsequenzen haben könnten.
Reifen und Hitze als zusätzliche Unbekannte
Für die Teams beginnt die eigentliche Arbeit deshalb erst im Training am Freitag. Erfahrungswerte aus früheren Formel-1-Rennen existieren nicht, zudem dürfte sich der Grip auf dem neuen Asphalt im Laufe des Wochenendes deutlich verändern.
Pirelli bringt mit C2, C3 und C4 die mittleren drei Reifenmischungen nach Madrid. Die Belastungen sollen teilweise mit jenen auf traditionellen Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Silverstone oder Spa vergleichbar sein. Besonders „La Monumental“ erzeugt laut den Berechnungen des Reifenherstellers die höchste vertikale Reifenbelastung der Saison.
Auch strategisch könnte das Rennen interessant werden. Pirelli möchte mit der Auswahl der Mischungen eine Zwei-Stopp-Strategie zu einer realistischen Variante machen. Dazu kommt die Hitze: Für Freitag und Samstag werden in Madrid rund 32 Grad erwartet, am Sonntag könnten die Temperaturen auf etwa 33 Grad steigen. Entsprechend wichtig werden Reifenmanagement und Kühlung.
Antonelli reist als Favorit nach Spanien
Sportlich führt derzeit kaum ein Weg an Mercedes vorbei. Antonelli gewann sieben der bisherigen 13 Grands Prix und setzte zuletzt in Monza ein besonderes Ausrufezeichen, als er sich von Startplatz 19 noch zum Sieg kämpfte. Mit 267 Punkten führt der Italiener die Weltmeisterschaft klar vor Russell mit 201 Zählern an. Auch bei den Konstrukteuren liegt Mercedes deutlich vor Ferrari.
Die neue Strecke erschwert Prognosen allerdings erheblich. Neben Antonelli und Russell gehören Lewis Hamilton und Charles Leclerc im Ferrari sowie die beiden McLaren-Piloten Lando Norris und Oscar Piastri zu den Kandidaten für die Spitze. Norris hatte vor Monza mit Erfolgen in Ungarn und Zandvoort zwei Rennen in Serie gewonnen.
Ferrari konnte im Rahmen eines Filmtags bereits erste Kilometer mit einem Formel-1-Auto auf dem Madring sammeln. Einen entscheidenden Wissensvorsprung dürfte das aufgrund der stark beschränkten Laufleistung und speziellen Reifen allerdings kaum darstellen.
Besonderes Heimspiel für Carlos Sainz
Für Carlos Sainz wird das Wochenende unabhängig vom Resultat speziell. Der Williams-Pilot wurde in Madrid geboren und bestreitet erstmals einen Formel-1-Grand-Prix in seiner Heimatstadt.
Williams greift für diesen Anlass auch optisch auf die eigene Geschichte zurück. Das Team tritt mit einer Sonderlackierung an, die an den FW07C aus dem Jahr 1981 erinnert – jenes Jahr, in dem letztmals ein Formel-1-WM-Lauf in Madrid ausgetragen wurde.
Auch Fernando Alonso darf sich auf ein besonderes Wochenende freuen. Für den zweimaligen Weltmeister ist es das erste Formel-1-Rennen in Madrid während seiner langen Karriere.
Der Zeitplan für den Spanien-GP
Das erste Freie Training beginnt am Freitag um 13:30 Uhr, die zweite Einheit folgt um 17:00 Uhr. Am Samstag steht das dritte Freie Training um 12:30 Uhr auf dem Programm, ehe ab 16:00 Uhr um die erste Formel-1-Poleposition auf dem Madring gefahren wird. Der Große Preis von Spanien startet am Sonntag um 15:00 Uhr und wird zeigen, welches Team die vielen Unbekannten des neuen Madring am schnellsten in den Griff bekommt.