Die Ausgangslage hatte zunächst für Russell gesprochen. Im Qualifying hatte er Charles Leclerc um 0,837 Sekunden distanziert und sich überlegen die Pole Position gesichert. Leclerc startete neben ihm, dahinter folgten Oscar Piastri und Hadjar. Lando Norris ging von Rang fünf, Lewis Hamilton von Position sechs und Verstappen lediglich von Platz acht ins Rennen. Antonelli stand nach seinem Einschlag in der ersten Qualifyingphase weit hinten.
Russell setzt sich an der Spitze früh ab
Russell erwischte einen sauberen Start und behauptete die Führung. Piastri kam an Leclerc vorbei und übernahm Rang zwei, während dahinter sofort Bewegung in die Reihenfolge kam. Verstappen passierte zunächst Gasly und Hamilton und arbeitete sich anschließend weiter nach vorne. Auch Hadjar zeigte früh, dass Red Bull im Rennen deutlich konkurrenzfähiger war als Verstappens achter Startplatz vermuten ließ.
An der Spitze setzte sich Russell rasch ab. Bereits nach wenigen Runden betrug sein Vorsprung mehrere Sekunden, zur Rennmitte lag Piastri annähernd zehn Sekunden zurück. Der Mercedes harmonierte mit den sehr unterschiedlichen Anforderungen des Baku City Circuit besonders gut.
Gerade darin liegt die Schwierigkeit der Strecke: Im Altstadtbereich führen enge Kurven unmittelbar an den Mauern entlang, während die lange Vollgaspassage bis zur ersten Kurve geringe Luftwiderstandswerte verlangt. Fehler werden kaum verziehen, gleichzeitig müssen die Autos genügend Stabilität für die zahlreichen harten Bremszonen bieten.
Verstappen setzte seinen Vormarsch fort und kam schließlich bis auf Rang drei nach vorne. Antonellis Aufholjagd verlief zunächst deutlich zäher. Der Italiener verlor beim Start sogar einen Platz und fiel auf Rang 17 zurück, arbeitete sich anschließend aber Stück für Stück durch das Mittelfeld.
Technische Probleme beenden Aston Martins Rennen früh
Die ersten Ausfälle hatten zunächst nichts mit Unfällen zu tun. Lance Stroll musste seinen Aston Martin nach wenigen Runden wegen Problemen mit dem Wasserdruck abstellen. Fernando Alonso folgte später mit einem weiteren technischen Defekt. Für das Team war der Grand Prix damit bereits vor der Rennhälfte beendet.
Russell blieb währenddessen außer Reichweite seiner Verfolger. Nach rund 25 Runden führte er mit beinahe zehn Sekunden, streifte allerdings in Kurve 15 leicht die Mauer und meldete anschließend Zweifel am Zustand eines Reifens. Folgen hatte die Berührung zunächst keine.
Hinter ihm entwickelte sich der Kampf um das Podium. Verstappen kam an Hadjar vorbei und näherte sich Piastri, während der McLaren zunehmend über nachlassende Hinterreifen klagte. Norris verlor nach einem Verbremser weitere Positionen. Antonelli nutzte die Situation und befand sich inzwischen wieder in Reichweite der Punkteränge.
Albons Einschlag nimmt Russell den großen Vorsprung
Nach 29 Runden änderte sich das Rennen grundlegend. Alexander Albon verbremste sich in Kurve sechs und schlug mit seinem Williams in die Streckenbegrenzung ein. Das Safety Car musste auf die Strecke.
Damit war Russells komfortabler Vorsprung vollständig dahin. Gleichzeitig nutzten die Spitzenfahrer die Neutralisierung für ihre Reifenwechsel. Red Bull brachte Verstappen und Hadjar unmittelbar nacheinander an die Box und hielt beide Fahrer ohne größeren Zeitverlust im Rennen.
Beim Neustart behauptete Russell knapp die Spitze, dahinter setzte sich Verstappen erstmals gegen Piastri durch und übernahm Rang zwei. Aus Russells bis dahin kontrolliertem Rennen wurde damit ein direkter Zweikampf mit dem viermaligen Weltmeister.
Dreifach-Ausfall sorgt sofort für die nächste Unterbrechung
Beim Anbremsen der ersten Kurve verschätzte sich Franco Colapinto. Der Alpine-Pilot traf seinen Teamkollegen Pierre Gasly, der dadurch in Norris geschoben wurde. Alle drei mussten das Rennen beenden.
Das zweite Safety Car folgte praktisch unmittelbar auf das erste. Auch die beiden Racing Bulls gerieten aneinander: Arvid Lindblad berührte das Hinterrad von Liam Lawson, beide konnten jedoch weiterfahren.
Die Szene zeigte erneut, warum Baku trotz der langen Geraden nur bedingt ein unkomplizierter Überholkurs ist. Die hohen Geschwindigkeiten vor Kurve eins laden zu späten Angriffen ein, doch wer den Bremspunkt nur geringfügig verpasst, findet kaum Auslaufzone vor. Sieben Fahrer wurden am Ende als Ausfälle geführt.
Piastris Fehler öffnet Antonelli die Tür
Nach dem zweiten Neustart hatte Russell die Situation besser unter Kontrolle. Verstappen blieb jedoch in unmittelbarer Nähe und setzte den Mercedes zunehmend unter Druck.
Für Piastri endeten die Podiumshoffnungen wenige Runden später. Der Australier verbremste sich vor Kurve eins, musste sein Auto drehen und fiel bis auf Rang 15 zurück. Trotz eines bis dahin starken Rennens blieb ihm am Ende nur Platz 14.
Antonelli gehörte zu den Profiteuren der turbulenten Phase. Er war inzwischen auf Rang sechs angekommen und holte Hamilton ein. Acht Runden vor Schluss zog der WM-Leader auf der langen Geraden am Ferrari vorbei und übernahm Platz fünf. Weiter nach vorne kam er nicht mehr: Leclerc lag knapp vor ihm, während Hadjar bereits einen größeren Vorsprung besaß.
Der Franzose fuhr sein Comeback-Rennen nach der Handgelenksverletzung weitgehend fehlerfrei und sicherte Red Bull neben Verstappens zweitem Rang einen weiteren Podestplatz.
Verstappen fehlt auf der Ziellinie weniger als eine Wagenlänge
In der Schlussphase konnte Russell seinen Verfolger nicht mehr abschütteln. Verstappen blieb über mehrere Runden innerhalb einer Sekunde und wartete auf einen Fehler des Mercedes-Piloten.
Auf der letzten Runde wurde es noch einmal eng. Valtteri Bottas schlug in Kurve 15 ein und löste gelbe Flaggen aus. Russell ging vom Gas und berichtete nach dem Rennen, dass ihm beim anschließenden Beschleunigen kurzfristig die volle Motorleistung fehlte.
Verstappen kam auf der langen Zielgeraden noch einmal heran und zog beinahe neben den Mercedes. Russell rettete jedoch 0,196 Sekunden über die Linie. Nach 51 Runden betrug seine Rennzeit 1:38:02,143 Stunden.
Russell erklärte anschließend, dass sich die erste Rennhälfte vergleichsweise kontrolliert angefühlt habe. Nach den beiden Safety-Car-Phasen und mit Verstappen direkt hinter ihm sei die Aufgabe wesentlich schwieriger geworden. Der Leistungsverlust nach der letzten gelben Flagge habe den Sieg schließlich noch einmal unerwartet in Gefahr gebracht.
Antonelli begrenzt den Schaden in der WM
Für Russell war es der dritte Saisonsieg und ein wichtiger Erfolg im Titelkampf. Antonelli verhinderte mit seiner Fahrt auf Rang fünf allerdings, dass sein Teamkollege noch deutlich stärker aufholen konnte.
Der Italiener führt die Weltmeisterschaft nun mit 302 Punkten an, Russell folgt mit 236 Zählern. Der Abstand schrumpfte damit von 81 auf 66 Punkte. Hamilton hält nach seinem sechsten Rang bei 199 Punkten. Norris blieb nach seinem Ausfall bei 186, Leclerc verbesserte sich auf 179 und Verstappen kommt nach Platz zwei auf 163 Zähler.
Baku zeigte damit zwei unterschiedliche Seiten von Mercedes: Russell war über das gesamte Wochenende der schnellste Fahrer und verwandelte seine Pole in den Sieg. Antonelli musste dagegen nach seinem Qualifyingfehler Schadensbegrenzung betreiben – schaffte dies mit elf gewonnenen Positionen aber erfolgreich.
Ergebnis des Großen Preises von Aserbaidschan
P1 – George Russell – Mercedes – 1:38:02,143
P2 – Max Verstappen – Red Bull – +0,196 Sek.
P3 – Isack Hadjar – Red Bull – +10,704 Sek.
P4 – Charles Leclerc – Ferrari – +14,136 Sek.
P5 – Kimi Antonelli – Mercedes – +14,512 Sek.
P6 – Lewis Hamilton – Ferrari – +22,382 Sek.
P7 – Arvid Lindblad – Racing Bulls – +31,159 Sek.
P8 – Esteban Ocon – Haas – +31,189 Sek.
P9 – Oliver Bearman – Haas – +31,929 Sek.
P10 – Carlos Sainz – Williams – +32,416 Sek.
P11 – Nico Hülkenberg – Audi – +33,231 Sek.
P12 – Liam Lawson – Racing Bulls – +34,013 Sek.
P13 – Gabriel Bortoleto – Audi – +34,230 Sek.
P14 – Oscar Piastri – McLaren – +36,401 Sek.
P15 – Sergio Perez – Cadillac – +41,400 Sek.
P16 – Valtteri Bottas – Cadillac – DNF
P17 – Franco Colapinto – Alpine – DNF
P18 – Pierre Gasly – Alpine – DNF
P19 – Lando Norris – McLaren – DNF
P20 – Alexander Albon – Williams – DNF
P21 – Fernando Alonso – Aston Martin – DNF
P22 – Lance Stroll – Aston Martin – DNF