In beiden Partien der Gruppe A3 zeigte sich ein sehr unterschiedliches Bild: Spanien musste gegen ein deutlich verbessertes Kroatien lange um den Sieg kämpfen, während England Tschechien über weite Strecken klar kontrollierte und nach dem 7:0 gegen Kroatien erneut seine offensive Stärke unter Beweis stellte.
Merino dreht schwieriges Spiel für Spanien
Nach dem 4:1 im Hinspiel und Kroatiens historischem 0:7 gegen England war die Ausgangslage auf dem Papier eindeutig. Auf dem Platz präsentierten sich die Kroaten in Split allerdings wesentlich stabiler. Slaven Bilić ließ sein Team kompakt in einem 4-5-1 verteidigen und nach Ballgewinnen schnell umschalten. Spanien kontrollierte zwar das Spielgeschehen, fand gegen die engen Abstände im kroatischen Mittelfeld aber lange nur selten den Weg in gefährliche Zonen.
In der 17. Minute belohnte sich Kroatien sogar mit der Führung: Nach einem schnellen Angriff konnte Unai Simón den Abschluss von Igor Matanović zunächst noch parieren, den Abpraller köpfte Ivan Perišić jedoch zum 1:0 ein. Spanien hatte auch danach deutlich mehr Ballbesitz, während die besseren Möglichkeiten zunächst bei den Gastgebern lagen.
Die Zahlen unterstreichen diesen ungewöhnlichen Spielverlauf. Spanien hatte 72 Prozent Ballbesitz und spielte 778 Pässe, die Abschlüsse waren mit 10:10 jedoch ausgeglichen. Kroatien brachte sogar fünf Schüsse auf das Tor, Spanien nur drei. Auch bei den xG-Werten lag Kroatien mit 1,17 gegenüber 1,09 leicht vorne. Unai Simón hielt vier Bälle und verhinderte damit insbesondere in der ersten Hälfte einen höheren Rückstand.
Luis de la Fuente reagierte zur Pause und brachte Mikel Merino für Álex Baena. Der Wechsel veränderte das spanische Spiel. Merino besetzte konsequenter die Räume im und vor dem Strafraum und gab der Mannschaft damit eine zusätzliche Präsenz im Zentrum. In der 61. Minute bediente Dani Olmo den eingewechselten Mittelfeldspieler, der flach zum 1:1 traf.
Die Partie blieb offen. Simón rettete später erneut gegen Perišić, ehe der kroatische Routinier in der 79. Minute nach seiner zweiten Gelben Karte vom Platz musste. Spanien erhöhte daraufhin den Druck und wurde in der 88. Minute belohnt: Merino verarbeitete ein Zuspiel von Martín Zubimendi stark und traf mit seinem zweiten Tor zum 2:1.
De la Fuente hob nach dem Spiel den Doppeltorschützen Merino und den starken Simón hervor. Besonders zufrieden zeigte sich der Teamchef jedoch mit der Reaktion seiner Mannschaft nach dem Rückstand. Spanien steht nach vier Spielen bei zwölf Punkten und ist bereits sicher für das Viertelfinale qualifiziert. Gleichzeitig blieb der Weltmeister im 42. Länderspiel in Folge ungeschlagen.
Kane schreibt bei Englands souveränem Sieg Geschichte
Wesentlich weniger Mühe hatte England beim 3:0 gegen Tschechien. Nach dem spektakulären 7:0 in Kroatien bestätigte die Mannschaft von Thomas Tuchel ihre starke Form und erzielte innerhalb von vier Tagen zehn Treffer ohne Gegentor.
Im Mittelpunkt stand wieder einmal Harry Kane. Der Bayern-Stürmer absolvierte sein 125. Länderspiel und zog damit mit Peter Shilton als englischer Rekordnationalspieler gleich. Gleichzeitig war Kane an allen drei Toren beteiligt.
In der 27. Minute zwang seine scharfe Hereingabe Vladimír Coufal zum Eigentor. Besonders sehenswert war das 2:0 kurz vor der Pause: Elliot Anderson spielte einen präzisen Ball hinter die tschechische Abwehr, Morgan Rogers leitete direkt weiter und Kane vollendete aus kurzer Distanz. In der 57. Minute traf der Kapitän nach einem Eckball von Lewis Hall per Kopf erneut.
Damit hält Kane nun bei 91 Treffern für England. Besonders beeindruckend ist seine aktuelle Serie: 2026 erzielte er bereits 13 Tore in 13 Länderspielen.
Tuchels Anpassungen greifen immer besser
Auch taktisch bestätigte England die Fortschritte der vergangenen Spiele. Tuchel lässt Jude Bellingham inzwischen häufiger näher an Kane agieren und gibt ihm gleichzeitig die Freiheit, auf die rechte Seite auszuweichen. Dort entstanden gemeinsam mit Rogers mehrere gefährliche Kombinationen. Auch die Außenverteidiger rückten offensiver auf als zu Beginn von Tuchels Amtszeit.
England kam auf 64 Prozent Ballbesitz, verbuchte 17:5 Abschlüsse und 39:8 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Noch deutlicher fiel das xG-Verhältnis mit 2,05:0,17 aus. Tschechien brachte keinen einzigen Abschluss auf Jordan Pickfords Tor.
Tuchel bestätigte nach dem Spiel, dass er während des Lehrgangs einige Positionsdetails verändert habe, um die individuellen Stärken seiner Spieler besser einzusetzen. Nach der knappen 2:3-Niederlage gegen Spanien zum Auftakt gewann England anschließend dreimal in Folge und erzielte dabei zwölf Tore ohne Gegentreffer.
Mit neun Punkten liegen die Three Lions drei Zähler hinter Spanien und besitzen eine ausgezeichnete Ausgangslage im Kampf um das Viertelfinale. Im November kommt es zum Abschluss der Gruppenphase noch zum direkten Duell der beiden Topteams in Madrid.
Slowenien dreht Partie in Schottland
In Liga B feierte Slowenien einen wichtigen 2:1-Auswärtssieg in Schottland. Ryan Christie brachte die Gastgeber nach 31 Minuten in Führung, doch Aljoša Matko glich kurz nach der Pause aus. Danijel Šturm vollendete in der 71. Minute die Wende.
Schottland hatte mit 54 Prozent etwas mehr Ballbesitz und kam auf 12:10 Abschlüsse, bekam nach der Pause aber wiederholt Probleme mit schnellen slowenischen Angriffen in den Rücken der Abwehr. Kapitän Andy Robertson kritisierte anschließend insbesondere die fehlende Intensität seiner Mannschaft. Slowenien steht nun alleine auf Rang zwei der Gruppe.
Schweiz bleibt ohne Punktverlust
An der Spitze der Gruppe zieht die Schweiz weiter davon. Gegen Nordmazedonien gewann die Mannschaft von Murat Yakin mit 3:0 und feierte damit den vierten Sieg im vierten Spiel.
Fabian Rieder erzielte kurz vor der Pause das 1:0, Johan Manzambi und Dan Ndoye machten den Erfolg in der Schlussphase deutlich. Die Schweizer kamen auf 20 Abschlüsse gegenüber lediglich drei der Gäste und ließen keinen einzigen Schuss auf das eigene Tor zu. Das xG-Verhältnis von 1,54:0,31 unterstreicht die klare Überlegenheit.
Mit zwölf Punkten und einem Torverhältnis von 11:1 ist die Schweiz damit auf Kurs in Richtung direkter Wiederaufstieg in Liga A.
Slowakei feiert höchsten Sieg des Abends
In Liga C setzte sich die Slowakei mit 4:0 in Moldau durch und feierte damit den deutlichsten Erfolg des Abends. Belarus bezwang Finnland mit 1:0, während Albanien gegen San Marino einen knappen 2:1-Sieg einfuhr.
Bulgarien gewann 2:0 in Luxemburg. Estland und Island trennten sich torlos, während Kasachstan und die Färöer beim 2:2 jeweils einen Punkt mitnahmen.
Damit ist der vierte Spieltag der Nations League abgeschlossen. Nach vier Spielen in rund zwei Wochen haben die Nationalteams nun gut einen Monat Pause, Mitte November folgen dann die letzten beiden Runden der Gruppenphase.