Monterrey, 29. Juni 2026. Im Estadio BBVA trafen die Niederlande und Marokko im Sechzehntelfinale der WM 2026 aufeinander – dem ersten K.o.-Format in der Geschichte eines auf 48 Teams erweiterten Turniers. Nach 1:1 nach Verlängerung entschied Marokko das Elfmeterschießen für sich und steht im Achtelfinale.
Ein Duell auf höchstem Rangniveau
Die WM 2026 markiert eine strukturelle Zäsur: Erstmals nehmen 48 Teams an einer Weltmeisterschaft teil – verteilt auf 12 Gruppen zu je vier Teams. 32 Mannschaften erreichen die K.o.-Phase: die zwölf Gruppenersten, zwölf Gruppenzweiten sowie die acht besten Gruppendritten. Das Sechzehntelfinale ist damit die erste K.o.-Runde überhaupt – ein Format, das sich grundlegend vom bis 2022 gültigen 32-Team-Turnier unterscheidet, bei dem die K.o.-Phase im Achtelfinale begann. Marokko (FIFA-Rang 6) und die Niederlande (FIFA-Rang 7) bildeten dabei laut AP die Paarung mit der höchsten kombinierten Weltrangliste aller 16 Sechzehntelfinale. Die Niederlande hatten Gruppe F als Erster abgeschlossen, Marokko war 2022 als erster afrikanischer Halbfinalist in die Geschichte eingegangen. Beide Teams reisten mit identischer Vorrundenform an: zwei Siege, ein Unentschieden.
Gakpo trifft – und bricht in Tränen aus
Die erste Hälfte blieb torlos. Trainer Ronald Koeman schickte seine Niederländer im 3-4-2-1 ins Rennen, Marokko unter Mohamed Ouahbi agierte im 4-2-3-1. Die erste Halbzeit verlief ausgeglichen, ohne zwingenden Abschluss auf beiden Seiten. Zu Beginn der zweiten Hälfte, in der 47. Minute, sah Issa Laye Lucas Jean Diop die Gelbe Karte – eine Vorwarnung, die später noch Bedeutung gewinnen sollte.
In der 72. Minute fiel die Führung: Cody Mathès Gakpo verwandelte einen Abschluss nach Zuspiel von Crysencio Summerville zum 1:0 für die Niederlande. Was folgte, war mehr als ein Jubel: Gakpo brach nach dem Treffer in Tränen aus – das Spiel fand statt, kurz nachdem er und seine Partnerin Noa van der Bij öffentlich gemacht hatten, ihr ungeborenes Kind verloren zu haben. Der Treffer war sein neuntes Turniertor bei WM und EM insgesamt, womit er gleichauf mit Robin van Persie liegt und nur noch einen Treffer vom niederländischen Rekord Dennis Bergkamps (10 Tore) entfernt ist.
Diop rettet Marokko – Elfmeter entscheiden
Trainer Ouahbi reagierte mit mehreren Wechseln. In der 87. Minute kam Chemsdine Talbi für El Khannouss. Der Einwechselspieler lieferte sofort: In der 91. Minute flankte Talbi von links, und Issa Laye Lucas Jean Diop köpfte zum 1:1-Ausgleich ein. Ausgerechnet Diop, der Innenverteidiger von Fulham, der erst im März 2026 seine Verbandszugehörigkeit von Frankreich zu Marokko gewechselt hatte und in Toulouse mit marokkanischen Wurzeln mütterlicherseits aufgewachsen ist, traf in seinem womöglich wichtigsten Spiel im marokkanischen Trikot.
Die Verlängerung brachte keine weiteren Tore. Das Elfmeterschießen entschied Marokko für sich. Die Niederlande scheiden im Sechzehntelfinale der WM 2026 aus.