Für die Hütteldorfer geht es darum, ihren Erfolgslauf trotz einiger personeller Veränderungen fortzusetzen. Die Austria will dagegen ausgerechnet im Cup die Trendwende schaffen, ehe am Sonntag das Wiener Derby auf dem Programm steht. Beide Begegnungen werden um 18:00 Uhr angepfiffen.
Rapid präsentiert sich derzeit in bestechender Form
Der SK Rapid ist aktuell die dominierende Mannschaft der österreichischen Bundesliga. 27 Punkte aus zehn Spielen, 31 erzielte Treffer und sieben Heimsiege in Folge unterstreichen die Entwicklung unter Trainer Johannes Hoff Thorup.
Besonders spielerisch haben die Hütteldorfer einen großen Schritt nach vorne gemacht. Rapid kombiniert mit hohem Tempo, besetzt die Räume zwischen den gegnerischen Linien geschickt und findet auch gegen tief stehende Mannschaften regelmäßig Lösungen. Die Offensive rund um Yusuf Demir, Tonni Adamsen, Petter Nosa Dahl und Ercan Kara gehört derzeit zum Attraktivsten, was der österreichische Fußball zu bieten hat.
Beim jüngsten 5:1-Heimsieg gegen Austria Lustenau zeigte Rapid diese Qualitäten bereits in der Anfangsphase. Nach neun Minuten stand es 2:0, bis zur Pause erhöhten die Grün-Weißen auf 3:0. Obwohl Thorup anschließend die mangelnde Konsequenz bei der Chancenverwertung kritisierte, ließ seine Mannschaft dem Gegner kaum eine Chance.
Der Däne hat es geschafft, aus einer qualitativ gut besetzten Mannschaft ein äußerst homogenes Kollektiv zu formen. Die Abläufe wirken mittlerweile so eingespielt, dass selbst personelle Veränderungen kaum größere Auswirkungen auf die Spielweise haben sollten.
Thorup kündigt Rotation gegen die Vienna an
Genau das könnte im Cup-Achtelfinale zum Tragen kommen. Thorup verzichtete gegen Lustenau weitgehend auf Veränderungen seiner Startelf, obwohl einige Spieler zuletzt nur wenig Einsatzzeit erhielten.
Nun dürfte der Trainer rotieren. So sind etwa Claudy Mbuyi, Marco Tilio, Moulaye Haidara und Nikolaus Wurmbrand Kandidaten für einen Startelfeinsatz.
Tilio und Haidara kamen gegen Lustenau erst in der Schlussphase ins Spiel, wobei der Australier noch zum 5:1 traf. Wurmbrand wurde überhaupt erst in der 89. Minute eingewechselt, Mbuyi blieb trotz des hohen Ergebnisses und der quasi schon entschiedenen Partie auf der Bank.
Thorup erklärte bereits nach dem Bundesligaspiel, dass er einige Spieler bewusst geschont habe, um ihnen im Cup mehr Einsatzzeit geben zu können. Nach einer vollständigen Trainingswoche vor der Lustenau-Partie sei eine Rotation damals nicht notwendig gewesen.
Für die Qualität der Mannschaft spricht, dass selbst eine veränderte Offensive genügend individuelle Klasse mitbringen würde. Wurmbrand erzielte beispielsweise in der zweiten Cup-Runde beim 5:2 gegen Austria Klagenfurt einen Hattrick. Die Hütteldorfer bleiben deshalb auch mit einer möglichen Rotationself klarer Favorit.
Vienna mit acht Ligasiegen in Folge
Allerdings wartet auf Rapid keineswegs ein gewöhnlicher Zweitligist. Die First Vienna präsentiert sich unter Trainer Patrick Enengl ebenfalls in hervorragender Verfassung und gewann zuletzt acht Ligaspiele hintereinander.
Mit dem 2:0 gegen den FAC am vergangenen Freitag gelang die Generalprobe. Die Döblinger liegen in der 2. Liga punktegleich mit Tabellenführer Blau-Weiß Linz auf dem zweiten Platz.
Enengl bezeichnete Rapid vor dem Cupduell als derzeit beste Mannschaft Österreichs und hob insbesondere deren spielerische Qualität und das starke Gegenpressing hervor.
Die Vienna verfügt allerdings selbst über eine kompakte Defensive, viel Erfahrung und gefährliche Offensivspieler. Mit Youssouf Soukouna und Luca Edelhofer trafen gegen den FAC jene beiden Akteure, die auch gegen Rapid für Gefahr sorgen sollen.
Dazu kommt die Atmosphäre auf der seit Wochen ausverkauften Hohen Warte. Die letzte Cupbegegnung beider Vereine gewann die Vienna 2006 nach einem 1:1 im Elfmeterschießen. Rapid ist also gewarnt, verfügt aktuell aber über deutlich mehr spielerische Qualität als der kommende Gegner.
Austria startet mit neuem Trainer in entscheidende Woche
Bei der Wiener Austria sieht die Ausgangslage vollkommen anders aus. Nach der 1:2-Niederlage beim SCR Altach, der bereits siebenten Bundesliga-Pleite im zehnten Spiel, zogen die Verantwortlichen die Konsequenzen und trennten sich von Stephan Helm.
Der bisherige Trainer der Young Violets, Maximilian Uhlig, übernimmt vorerst bis Jahresende die Kampfmannschaft. Der 33-Jährige soll die Veilchen aus der Krise führen und steht gegen Hartberg erstmals als Cheftrainer an der Seitenlinie.
Die Austria liegt mit lediglich sieben Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Vor allem defensiv präsentierte sich die Mannschaft zuletzt anfällig. Sowohl beim 2:3 in Ried als auch beim 1:2 in Altach verspielten die Wiener eine Führung.
Uhlig hatte nur zwei Trainingseinheiten Zeit, um seine Mannschaft auf das Cupspiel vorzubereiten. Große taktische Veränderungen sind deshalb kurzfristig kaum möglich. Der neue Trainer kündigte allerdings an, frische Impulse setzen zu wollen und das vorhandene Potenzial besser auszuschöpfen.
Besonders wichtig wird sein, die defensive Organisation zu stabilisieren und den Spielern wieder mehr Selbstvertrauen zu vermitteln.
Personell könnte sich die Situation zumindest etwas verbessern. Abwehrchef Aleksandar Dragović ist nach seinen muskulären Problemen wieder ein Thema für den Kader. Philipp Wiesinger könnte hingegen erst für das Derby am Sonntag zur Verfügung stehen.
Hartberg als schwierige erste Bewährungsprobe
Mit dem TSV Hartberg wartet ausgerechnet eine der stabileren Bundesliga-Mannschaften auf den neuen Austria-Trainer.
Die Steirer liegen nach zehn Runden auf dem sechsten Tabellenplatz und haben sieben Punkte mehr gesammelt als die Wiener. Aus den vergangenen acht Pflichtspielen ging die Mannschaft von Markus Schopp nur einmal als Verlierer hervor – gegen Tabellenführer Rapid.
Zuletzt setzte sich Hartberg mit 1:0 gegen den WAC durch. Die Oststeirer treten kompakt auf, sind im Umschaltspiel gefährlich und verfügen über zahlreiche junge Spieler, die sich unter Schopp gut entwickelt haben.
Für die Austria spricht immerhin die jüngere Ligabilanz. In der dritten Runde gewannen die Wiener auswärts in Hartberg mit 2:0.
Im Cup haben die Steirer dagegen besonders gute Erinnerungen an die Generali-Arena. Im April 2025 gewann Hartberg dort das Halbfinale mit 1:0 und erreichte erstmals in der Vereinsgeschichte das Endspiel.
Auch diesmal ist eine ausgeglichene Begegnung zu erwarten. Der Trainerwechsel könnte bei der Austria neue Kräfte freisetzen, Hartberg besitzt allerdings mehr Stabilität und geht mit deutlich größerem Selbstvertrauen in die Partie.
Letzte realistische Titelchance für die Austria?
Angesichts der katastrophalen Ligabilanz könnte der ÖFB-Cup für Austria Wien bereits die letzte realistische Möglichkeit darstellen, in dieser Saison um einen Titel mitzuspielen. Ein Ausscheiden gegen Hartberg würde die sportliche Krise weiter verschärfen und die Aufmerksamkeit vollständig auf den ohnehin bereits tristen Bundesliga-Alltag in violett lenken.
Gleichzeitig muss Uhlig die Belastung seiner Spieler im Auge behalten. Bereits fünf Tage später empfängt die Austria den Erzrivalen SK Rapid zum Wiener Derby.
Die Partie besitzt angesichts der aktuellen Tabellensituation besondere Brisanz. Rapid führt die Liga mit 27 Punkten an, die Austria liegt 20 Zähler zurück. Ein weiterer Rückschlag gegen den Stadtrivalen wäre für die ohnehin verunsicherten Veilchen auch emotional schwer zu verkraften.
Uhlig muss demnach gegen Hartberg eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen, möglichst den Aufstieg schaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass sein Team am Sonntag ausreichend Kräfte für das Derby besitzt.
Zwei weitere Achtelfinalspiele am Dienstag
Neben den beiden Wiener Begegnungen stehen am Dienstag zwei weitere Cupduelle auf dem Programm.
Um 18:30 Uhr empfängt Zweitligist FC Hertha Wels den Wolfsberger AC. Die Kärntner treten nach dem Trainerwechsel zu Manfred Schmid als Favorit an, während Wels auf eine Überraschung vor eigenem Publikum hofft.
Ab 19:00 Uhr kommt es zum Bundesliga-Duell zwischen dem Grazer AK und dem SCR Altach. Beide Mannschaften kämpfen in der Meisterschaft gegen das Abrutschen ans Tabellenende. Altach gewann zuletzt gegen Austria Wien mit 2:1 und möchte diesen Schwung auch im Cup nutzen.
Salzburg, LASK und Sturm am Mittwoch und Donnerstag gefordert
Am Mittwoch folgen drei weitere Begegnungen. Um 18:00 Uhr empfängt der FC Wacker Innsbruck die WSG Tirol zum Tiroler Derby. Gleichzeitig gastiert Red Bull Salzburg bei Schwarz-Weiß Bregenz.
Die Salzburger sind klarer Favorit, müssen allerdings mehrere verletzte beziehungsweise angeschlagene Spieler ersetzen. Besonders die Ausfälle von Nikolas Veratschnig und möglicherweise Dominik Schmid könnten Trainer Danny Röhl zu Veränderungen auf den Außenverteidigerpositionen zwingen.
Um 20:30 Uhr folgt das oberösterreichische Derby zwischen Titelverteidiger LASK und der SV Ried. Die Linzer wollen ihren Cup-Titel verteidigen, während Ried nach zuletzt starken Bundesliga-Auftritten auf die nächste Überraschung hofft.
Abgeschlossen wird das Achtelfinale am Donnerstag um 18:00 Uhr mit dem Duell zwischen Austria Lustenau und Sturm Graz. Der amtierende Meister aus Linz steht damit ebenso vor einer anspruchsvollen Aufgabe wie Sturm, das nach dem jüngsten Europa-League-Sieg gegen Marseille auch national wieder Konstanz zeigen möchte.
Die Viertelfinalpaarungen werden am Sonntagabend nach dem Wiener Derby ausgelost. Gespielt wird die nächste Runde im Februar 2027.