Die Hütteldorfer überzeugten über weite Strecken mit einem strukturierten und technisch starken Auftritt, mussten sich gegen einen taktisch gut eingestellten Gegner allerdings einiges einfallen lassen. Vor allem Hartbergs Pressing und die kompakte Staffelung erschwerten Rapids Weg in die gefährlichen Zonen.
Rapid spielerisch überlegen, Hartberg taktisch gut vorbereitet
Die Mannschaft von Johannes Hoff Thorup zeigte von Beginn an, weshalb sie derzeit an der Tabellenspitze steht. Rapid agierte selbstbewusst im Spielaufbau, fand immer wieder spielerische Lösungen und konnte sich auch unter gegnerischem Druck behaupten. Besonders das Zusammenspiel zwischen den Innenverteidigern, der Doppelsechs und den offensiven Verbindungsspielern funktionierte über längere Phasen gut.
Hartberg erwies sich dabei als interessanter und anspruchsvoller Gegner. Markus Schopp hatte seine Mannschaft gut auf die spielerischen Qualitäten der Wiener vorbereitet. Die Oststeirer pressten keineswegs blind nach vorne, sondern achteten auf eine kompakte Staffelung und sinnvolle Abstände zwischen den Mannschaftsteilen.
Vor allem die zentralen Passwege waren häufig gut zugestellt. Rapid konnte den Ball zwar immer wieder kontrolliert durch die eigenen Reihen bewegen, hatte aber Schwierigkeiten, dauerhaft in höhere Spielfeldzonen vorzudringen. Vieles spielte sich deshalb im ersten und mittleren Drittel ab, obwohl die Hütteldorfer technisch durchaus überlegen waren.
Das war weniger ein Zeichen fehlender Qualität als vielmehr eine Folge des Hartberger Pressingkonzepts. Die Gäste rückten in passenden Momenten aggressiv heraus und versuchten gleichzeitig, die Verbindungen zu Rapids offensiven Akteuren zu unterbrechen. Besonders die Räume zwischen Hartbergs Mittelfeld und Abwehr waren nicht einfach zu bespielen.
Rapid fand dennoch regelmäßig Lösungen. Die Wiener ließen sich von den gegnerischen Pressingversuchen kaum zu unkontrollierten Befreiungsschlägen verleiten und bewiesen eine bemerkenswerte Ruhe am Ball. Was zeitweise fehlte, war die unmittelbare Fortsetzung dieser gelungenen Aufbauaktionen in Richtung Strafraum.
Frühe Führung und ein wichtiger Moment des Glücks
Schon in der sechsten Minute belohnte sich Rapid für seinen engagierten Beginn. Bendegúz Bolla setzte sich auf der rechten Seite durch und brachte den Ball flach in den Strafraum, wo Petter Nosa Dahl aus kurzer Distanz zum 1:0 traf.
Die frühe Führung spielte den Gastgebern natürlich in die Karten. Rapid konnte sein gewohntes Spiel aufziehen, während Hartberg gezwungen war, etwas mehr Risiko einzugehen. Allerdings ließen sich die Steirer davon kaum beeindrucken.
In der 15. Minute erzielte Marco Hoffmann den vermeintlichen Ausgleich, der nach einer VAR-Überprüfung wegen einer äußerst knappen Abseitsstellung von Magnus Dalpiaz nicht anerkannt wurde.
Diese Szene war für den weiteren Spielverlauf durchaus bedeutend. Ein schneller Ausgleich hätte die Kräfteverhältnisse nicht zwangsläufig verändert, wohl aber die Ausgangslage und das Momentum. Stattdessen blieb Rapid in Führung und konnte seine spielerische Linie fortsetzen.
Hartberg zeigte in dieser Phase, wie gefährlich sein Konzept werden konnte. Die Gäste fanden nach Ballgewinnen immer wieder Gelegenheiten, Rapids Defensive zu beschäftigen. Youba Diarra zwang Niklas Hedl zu einer Parade und traf wenig später mit einem Distanzschuss die Stange.
Die Oststeirer waren somit keineswegs chancenlos. Trotz Rapids spielerischer Überlegenheit gelang es ihnen, mit ihrer disziplinierten Organisation und einigen zielstrebigen Angriffen gefährliche Situationen herzustellen.
Rapids Offensivkombinationen machen den Unterschied
Besonders auffällig war, wie viel Qualität Rapid entwickelte, sobald die Mannschaft die erste und zweite Hartberger Pressinglinie überspielt hatte.
Yusuf Demir überzeugte mit seiner technischen Sicherheit und dem Gespür für Zwischenräume. Tonni Adamsen bot sich als Verbindungsspieler an, während Ercan Kara die gegnerischen Innenverteidiger beschäftigte und immer wieder seine Mitspieler einband.
Der zweite Treffer unmittelbar vor der Pause war dafür das beste Beispiel. Nach einem weiten Abschlag von Hedl entwickelte sich eine sehenswerte Kombination über Demir und Adamsen. Kara legte schließlich uneigennützig auf Dahl quer, der in der Nachspielzeit zum 2:0 einschob.
Die Aktion verdeutlichte, weshalb Rapid derzeit offensiv so schwer zu verteidigen ist. Die Hütteldorfer verfügen nicht nur über individuell starke Spieler, sondern zunehmend auch über ein gutes Verständnis für die Bewegungen ihrer Mitspieler.
Bemerkenswert war außerdem der Zeitpunkt des Treffers. Hartberg hatte zuvor durchaus gefährliche Phasen und hätte aufgrund seiner Möglichkeiten auch mit einem Unentschieden in die Kabine gehen können. Stattdessen führte Rapid zur Pause mit zwei Toren.
Dieses Momentum sollte sich als wichtiger Faktor erweisen. Rapid hatte zwar spielerisch überzeugt, profitierte aber ebenso davon, dass die entscheidenden Situationen zu seinen Gunsten ausfielen.
Hartberg erhöht den Druck, Rapid bleibt gefährlich
Schopp reagierte in der Halbzeitpause mit zwei Wechseln. Einer der eingewechselten Spieler, Oliver Lukic, bereitete bereits in der 49. Minute mit einer präzisen Flanke den Anschlusstreffer durch Dalpiaz vor.
Das 2:1 gab den Gästen neuen Schwung. Hartberg agierte nun mutiger, rückte häufiger nach und konnte Rapid zunehmend in dessen eigene Hälfte drängen.
Die Wiener hatten in dieser Phase größere Schwierigkeiten, ihr gewohntes Kombinationsspiel in höhere Zonen zu verlagern. Hartbergs kompakte Staffelung und das aggressive Nachrücken erschwerten den kontrollierten Weg nach vorne.
Allerdings bedeuteten die größeren Spielanteile der Gäste nicht automatisch eine Vielzahl hochwertiger Torchancen. Hartberg verzeichnete zwar insgesamt 14 Abschlüsse gegenüber neun der Wiener, zehn davon kamen jedoch von außerhalb des Strafraums.
Die Expected Goals von 1,40 : 0,96 zugunsten Rapids unterstreichen, dass die Gastgeber trotz geringerer Schussanzahl die besseren Abschlusspositionen erreichten.
Rapid musste demnach nicht dauerhaft in Strafraumnähe agieren, um gefährlich zu werden. Gelang es den Wienern, die gegnerische Organisation einmal aufzubrechen, entstand häufig unmittelbar Gefahr.
Demir glänzt, Horn sorgt für die Entscheidung
Hoff Thorup brachte mit Moulaye Haïdara, Marco Tilio und Claudy Mbuyi frische Offensivkräfte. Besonders Tilio sorgte mit seiner Dynamik für neue Impulse und verfehlte nach einem Zuspiel von Demir in der 72. Minute das Tor nur knapp.
In der 81. Minute fiel schließlich die Entscheidung. Demir setzte einen präzisen Distanzschuss an die Stange, Jannes Horn reagierte beim Abpraller am schnellsten und erzielte das 3:1.
Demir gehörte einmal mehr zu den auffälligsten Rapid-Spielern. Seine technischen Fähigkeiten und seine Kreativität sind gerade gegen kompakt gestaffelte Gegner besonders wertvoll. Der Offensivspieler kann mit einer einzelnen Aktion Räume öffnen, die zuvor über längere Zeit verschlossen geblieben waren.
Auch Dahl bestätigte mit seinem Doppelpack seine hervorragende Form. Der Norweger überzeugte nicht nur im Abschluss, sondern vor allem durch seine intelligenten Bewegungen in den Strafraum.
Rapid bleibt souveräner Tabellenführer
Mit dem achten Sieg im neunten Bundesligaspiel baut Rapid seinen Vorsprung auf Red Bull Salzburg vorübergehend auf sechs Punkte aus. Die Hütteldorfer bestätigten dabei einmal mehr, dass ihre derzeitige Tabellenführung keineswegs zufällig zustande gekommen ist.
Gegen Hartberg überzeugten sie insbesondere durch ihre spielerische Sicherheit, die Qualität ihrer Kombinationen und eine insgesamt reife Vorstellung gegen einen taktisch anspruchsvollen Gegner.
Verbesserungspotenzial besteht vor allem darin, die eigene Überlegenheit häufiger in höhere Spielfeldzonen verlagern zu können. Rapid konnte sich zwar vielfach aus dem gegnerischen Pressing lösen, blieb anschließend aber zu oft in tieferen Bereichen hängen.
Dass Hartberg mit seinem gut abgestimmten Pressing und einer kompakten Organisation erhebliche Gegenwehr leistete, wertet die Leistung der Wiener zusätzlich auf. Gleichzeitig profitierte Rapid von günstigen Spielmomenten, insbesondere dem aberkannten Ausgleich und dem zweiten Treffer unmittelbar vor der Pause.
Unter dem Strich steht dennoch ein verdienter Erfolg, bei dem die Hütteldorfer ihre spielerische Entwicklung unter Hoff Thorup eindrucksvoll bestätigten. Die Mischung aus strukturiertem Ballbesitzspiel, hoher individueller Qualität und der Fähigkeit, entscheidende Momente für sich zu nutzen, macht Rapid derzeit zum Maßstab der Bundesliga.