Im Kampf um den Gesamtsieg bleibt Enric Mas der bestimmende Fahrer. Der Spanier nahm Primož Roglič und Felix Gall erneut Zeit ab und baute seine Führung weiter aus, während es auch bei Tadej Pogačar nach dessen schwerem Sturz positive Nachrichten gibt.
Omrzel setzt sich am Calar Alto durch
Die zwölfte Etappe führte über 166,6 Kilometer von Vera hinauf zum Calar Alto und brachte mehrere schwere Anstiege mit sich. Lange wurde das Rennen von einer großen Fluchtgruppe bestimmt, in der sich auch Jakob Omrzel befand.
Rund zwölf Kilometer vor dem Ziel setzte sich der Slowene von seinen letzten Begleitern ab und fuhr alleine weiter. Omrzel brachte schließlich 1:56 Minuten Vorsprung auf Urko Berrade ins Ziel, Santiago Buitrago wurde Dritter.
Für Omrzel war es der erste Etappensieg bei einer Grand Tour. Mit 20 Jahren, fünf Monaten und 13 Tagen ist er zugleich der jüngste Slowene, der jemals eine Etappe bei einer der drei großen Landesrundfahrten – Giro d’Italia, Tour de France oder Vuelta a España – gewonnen hat. Damit unterbot er die bisherige slowenische Bestmarke von Tadej Pogačar. Ein jüngerer Grand-Tour-Etappensieger wurde zuletzt 1981 bei der Vuelta registriert: Der Spanier Celestino Prieto war bei seinem Sieg auf der vierten Etappe 20 Jahre, zwei Monate und 27 Tage alt.
Ganz überraschend kommt seine Entwicklung nicht. Omrzel gewann 2025 den Giro Next Gen und fährt inzwischen für Bahrain Victorious. Bei seiner ersten Vuelta hat er sich durch mehrere erfolgreiche Fluchtversuche mittlerweile sogar auf Rang sechs der Gesamtwertung vorgeschoben.
Mas untermauert seine Favoritenrolle
Im Feld der Favoriten ging Felix Gall auf dem Schlussanstieg zunächst selbst in die Offensive. Enric Mas und Primož Roglič ließen sich davon jedoch nicht abschütteln. Wenig später setzte Mas selbst zum entscheidenden Angriff an. Gall und Roglič fanden keine Antwort, sodass der Gesamtführende bis ins Ziel weitere 27 Sekunden auf seine beiden wichtigsten Rivalen gewann.
Mas führt nun 1:45 Minuten vor Roglič und 2:06 Minuten vor Gall. Richard Carapaz liegt bereits 3:53 Minuten zurück, Oscar Onley folgt mit 4:29 Minuten Rückstand. Mas hat seine Führung seit Pogačars Ausscheiden auf den schweren Etappen mehrfach ausgebaut und sich dabei gegenüber Roglič und Gall als stärkster der verbliebenen Klassementfahrer präsentiert.
Gall bleibt auf Podiumskurs
Für Felix Gall brachte die zwölfte Etappe zwar einen weiteren Zeitverlust gegenüber Mas, seine Ausgangslage bleibt dennoch gut. Der Österreicher liegt weiterhin auf Rang drei und nur 21 Sekunden hinter Roglič.
Auch sein Team präsentierte sich stark. Matthew Riccitello, Callum Scotson und Gregor Mühlberger konnten Gall lange unterstützen, ehe dieser selbst die Initiative ergriff. Mas erwies sich in der entscheidenden Phase aber erneut als stärker.
Nach hinten besitzt Gall inzwischen einen etwas größeren Polster: Carapaz liegt 1:47 Minuten hinter ihm. Bereits heute wartet mit der 192,8 Kilometer langen Mittelgebirgsetappe von Almuñécar nach Loja der nächste anspruchsvolle Tag. Am Samstag folgt dann mit der Bergankunft auf der Sierra de La Pandera die nächste große Gelegenheit für Verschiebungen im Gesamtklassement.
Pogačar hat das Krankenhaus verlassen
Auch abseits des Rennens gab es positive Nachrichten. Tadej Pogačar konnte nach seinem schweren Sturz auf der achten Etappe das Krankenhaus in Barcelona verlassen und soll seine Rehabilitation nun zu Hause in Monaco fortsetzen.
Der Slowene war am Montag erfolgreich am komplizierten Bruch seines linken Schlüsselbeins operiert worden. Zusätzlich hatte er bei seinem Unfall eine stabile Fraktur des siebten Halswirbels sowie eine Gehirnerschütterung und mehrere Abschürfungen erlitten.
Ein konkretes Datum für seine Rückkehr ins Training oder in den Rennbetrieb gibt es weiterhin nicht. Ein Start bei den Weltmeisterschaften Ende September erscheint angesichts der schweren Verletzungen derzeit äußerst fraglich.