Die Spanien-Rundfahrt hat dabei spanischen Boden noch gar nicht erreicht. Nach dem Start in Monaco führte auch die zweite Etappe durch Frankreich, ehe am Montag in den Pyrenäen die erste Bergankunft auf dem Programm steht. Insgesamt umfasst die diesjährige Vuelta 21 Etappen über 3.275 Kilometer, mehr als 58.000 Höhenmeter und sieben Bergankünfte.
Pogacar gewinnt Zeitfahr-Krimi um neun Hundertstelsekunden
Zum Auftakt wartete ein nur 9,4 Kilometer langes, technisch anspruchsvolles Einzelzeitfahren durch Monaco. Teile der Strecke führten über Straßen, die auch vom Formel-1-Grand-Prix bekannt sind. Pogacar kannte die Bedingungen besonders gut, schließlich lebt der Slowene seit Jahren im Fürstentum.
Dennoch fiel die Entscheidung gegen Ethan Hayter denkbar knapp aus. Pogacar benötigte 10:57 Minuten und lag im Ziel lediglich 0,09 Sekunden vor dem Briten. Beide erreichten dabei einen Schnitt von 51,5 km/h. Josh Tarling belegte mit vier Sekunden Rückstand Rang drei, Callum Thornley folgte eine weitere Sekunde dahinter.
Für Pogacar war es bereits der 36. Etappensieg bei einer Grand Tour und sein vierter bei der Vuelta. Seine bisherigen drei hatte er bei seinem bislang einzigen Start 2019 geholt, als er als 20-Jähriger Gesamtdritter wurde. Erstmals in seiner Karriere durfte er nun das Rote Trikot überstreifen.
Nach fünf Tour-de-France-Siegen und seinem Giro-Triumph 2024 fehlt Pogacar damit nur noch die Vuelta in seiner Grand-Tour-Sammlung. Ein Gesamtsieg würde ihn zum neunten Fahrer machen, der alle drei großen Landesrundfahrten gewinnen konnte. Auch Tarlings dritter Platz war bemerkenswert. Der 22-Jährige trat nur wenige Tage nach dem Tod seines Bruders Finlay an und gehörte auf der technisch schwierigen Strecke dennoch zu den Schnellsten.
Hayter greift nach Rot, Brennan gewinnt in Manosque
Am Sonntag wartete mit der Etappe von Monaco nach Manosque das erste reguläre Straßenrennen dieser Vuelta. Hayter, der nach seinem hauchdünnen zweiten Platz vom Vortag noch in unmittelbarer Schlagdistanz lag, ging früh in die Offensive. Der Brite schloss zu einer Ausreißergruppe auf und holte sich später beim Zwischensprint sechs Bonussekunden. Damit lag er zwischenzeitlich virtuell an der Spitze der Gesamtwertung.
Das Feld ließ ihn allerdings nicht ziehen. Vor allem das Team Visma-Lease a Bike hielt das Tempo hoch und verfolgte dabei gleich zwei Pläne: Wout van Aert sollte die Möglichkeit bekommen, das Rote Trikot zu übernehmen, während Matthew Brennan als Option für einen möglichen Sprint vorgesehen war.
Van Aert attackierte rund zwei Kilometer vor dem Ziel, Pogacar reagierte und schloss zum Belgier auf. Kurz vor dem letzten Kilometer kam auch Alessandro Romele heran, wenig später stellte das Feld die drei wieder.
Dahinter wartete Brennan auf seine Gelegenheit – und nutzte sie eindrucksvoll. Der 21-Jährige setzte sich im ansteigenden Sprint klar ab und gewann vor Pau Miquel und Pogacar. Mads Pedersen, einer der großen Favoriten auf solche Zieleinläufe, musste sich mit Rang vier begnügen.
Nach seinem starken zehnten Platz im Auftaktzeitfahren nutzte Brennan in Manosque damit seine erste echte Sprintchance bei einer Grand Tour sofort zum Sieg. Gleichzeitig übernahm er das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers und liegt nun auch in der Gesamtwertung auf Rang drei.
Gall verliert vor der ersten Bergankunft Zeit
Pogacar führt weiterhin mit neun Sekunden Vorsprung auf Van Aert. Brennan liegt zehn Sekunden zurück, während Primoz Roglic nach den ersten beiden Etappen 26 Sekunden hinter seinem slowenischen Landsmann liegt. Damit sind die Abstände zwischen mehreren Favoriten vor den ersten Bergen noch gering.
Für Felix Gall verlief der Start weniger erfreulich. Der Osttiroler verlor im Zeitfahren 46 Sekunden auf Pogacar. Auf der zweiten Etappe büßte er weitere 18 Sekunden ein. Sein Rückstand auf den Gesamtführenden beträgt damit bereits 1:08 Minuten.
Gregor Mühlberger ist mit 1:01 Minuten Rückstand derzeit sogar der bestplatzierte Österreicher. Gerade für Gall, der aufgrund seiner Kletterqualitäten zu den Kandidaten für eine Spitzenplatzierung zählt, bietet der Montag allerdings bereits die erste Möglichkeit, wieder Boden gutzumachen.
Erste Bergankunft wartet in Font-Romeu
Die dritte Etappe führt über 174 Kilometer von Gruissan nach Font-Romeu. Die erste Hälfte ist noch vergleichsweise flach, danach steigt die Straße Richtung Pyrenäen zunehmend an.
Rund 36 Kilometer vor dem Ziel beginnt der Col de Mont-Louis. Der Anstieg ist 19,4 Kilometer lang und weist im Schnitt 4,8 Prozent Steigung auf. Die Bergwertung wird 16,2 Kilometer vor dem Ziel abgenommen.
Danach geht es praktisch ohne längere Erholung weiter bergauf. Der Schlussanstieg nach Font-Romeu misst 9,8 Kilometer bei durchschnittlich fünf Prozent und endet auf 1.936 Metern Seehöhe. Damit dürfte sich erstmals deutlicher zeigen, welche Fahrer tatsächlich um das Podium dieser Vuelta kämpfen können.
Große Abstände müssen angesichts der moderaten durchschnittlichen Steigung noch nicht entstehen. Für Pogacar bietet sich dennoch bereits die Gelegenheit, seine Führung auszubauen. Gall wiederum wird versuchen, nach den Zeitverlusten der ersten beiden Tage wieder näher an die Spitze heranzukommen.
Viel Zeit zur Erholung bleibt anschließend nicht. Schon am Dienstag folgt mit der nur 104,8 Kilometer langen Bergetappe rund um Andorra la Vella die nächste anspruchsvolle Etappe.