Es war eine der großen Überraschungen des zweiten Turniertages in Wimbledon: Shintaro Mochizuki, als Qualifikant auf der Weltrangliste nur auf Platz 151 geführt, schlug auf Court 14 den an Nummer 47 der Welt gesetzten Ethan Quinn klar mit 6:2, 7:6 und 7:5. Der Japaner zieht damit in die dritte Runde ein – und untermauert einmal mehr, dass er auf Rasen zu den unangenehmen Gegnern zählt.
Starker erster Satz, umkämpfter zweiter
Mochizuki startete beinahe makellos in die Partie. Mit einer Breakquote von 45 Prozent und einer überragenden Quote von 88 Prozent gewonnener Aufschlagspiele dominierte er den ersten Durchgang nach Belieben. Quinn, der erst am 29. Juni sein ATP-Karrierehoch von Rang 47 erreicht hatte, fand auf dem Rasen des Court 14 kaum Mittel gegen den variablen und konsequenten Japaner – der erste Satz ging klar mit 6:2 an Mochizuki.
Der zweite Satz entwickelte sich zur Geduldsprobe. Quinn stabilisierte sein Spiel, schlug zwölf Asse und steigerte seine Aufschlagleistung spürbar. Dennoch gelang es Mochizuki, den Satz in den Tiebreak zu zwingen. Dort bewies der Japaner die stärkeren Nerven und setzte sich 8:6 durch – Quinn hatte zwar zwei Möglichkeiten, den Satz auf seine Seite zu ziehen, konnte diese jedoch nicht nutzen.
Quinn kämpft – Mochizuki bleibt coolant
Im dritten Satz warf Quinn noch einmal alles in die Waagschale. Der 22-jährige Amerikaner aus Fresno, der 2023 die NCAA-Einzelmeisterschaft für die Georgia Bulldogs gewonnen hatte und zuletzt in Mallorca das Halbfinale erreichte, bewies kämpferischen Charakter. Doch Mochizuki ließ sich nicht mehr von seinem Kurs abbringen. Der Japaner gewann auch den entscheidenden dritten Durchgang mit 7:5 und sicherte sich damit den Gesamtsieg in drei Sätzen.
Die Statistiken belegen die Überlegenheit Mochizukis: 39 Winner standen 30 auf der Seite Quinns, bei gleichzeitig nur 29 unerzwungenen Fehlern gegenüber 36 beim US-Amerikaner. Besonders im Return-Spiel zeigte sich der Unterschied deutlich – Mochizuki gewann 42 Prozent der Return-Punkte, Quinn kam lediglich auf 32 Prozent.
Einordnung: Qualifikant mit Wimbledon-DNA
Mochizukis Sieg kommt nicht aus dem Nichts. Der Japaner hatte das Qualifying-Turnier Ende Juni souverän überstanden und ging mit einer Serie von fünf Wimbledon-Siegen in Folge – inklusive der Qualifikationsrunden – in diese Partie. Bereits 2019 hatte er sich in die Geschichtsbücher eingetragen, als er als erster japanischer Spieler überhaupt einen Grand-Slam-Junioren-Einzeltitel gewann – damals ebenfalls in Wimbledon. Der Rasen in London liegt ihm sichtlich.
Für Ethan Quinn endet ein Turnier, das mit viel Schwung begann – nach seinem Dreisatzsieg über Luciano Darderi in Runde eins war der US-Amerikaner mit breiter Brust nach London gereist. Mochizuki hingegen marschiert weiter: In der dritten Runde wartet die nächste Aufgabe auf den aufgestiegenen Qualifikanten.