Für Gasly ist Monza damit einmal mehr ein besonderer Ort. Bereits 2020 feierte der Franzose auf dem Hochgeschwindigkeitskurs seinen bislang einzigen Grand-Prix-Sieg. Sechs Jahre später gelang ihm dort nun auch seine erste Pole. Gasly lebt zudem in Mailand und hatte den Italien-Grand-Prix vor dem Wochenende selbst als eine Art Heimrennen bezeichnet.
Gasly steigert sich bis zur perfekten Schlussrunde
Dass ausgerechnet Alpine das schnellste Auto über eine Qualifying-Runde stellen würde, hatte sich am Freitag noch kaum angedeutet. Gasly setzte das erste Training aus und belegte im zweiten Training lediglich Rang 14. Schon danach betonte der Franzose allerdings, dass die Platzierung das tatsächliche Potenzial des Autos nicht widerspiegele und Alpine im Kampf um Q3 mitmischen könne. Das zuletzt eingeführte Upgrade-Paket hatte bereits beim vorherigen Rennen in Zandvoort Fortschritte gezeigt.
Am Samstag ging Gasly dann weit über diese Prognose hinaus. Schon in Q1 setzte er überraschend die Bestzeit und zeigte damit, dass Alpine auf den langen Geraden und in den harten Bremszonen von Monza deutlich konkurrenzfähiger war als erwartet. Dass auch Teamkollege Franco Colapinto später Q3 erreichte und Rang acht belegte, unterstrich die starke Vorstellung des gesamten Teams.
Im entscheidenden dritten Abschnitt war Gasly zunächst allerdings nur Außenseiter. Nach den ersten Versuchen führte Russell mit 1:21,929 Minuten vor Piastri, Gasly lag auf Rang drei. Für die letzte Runde musste der Alpine-Pilot noch einmal mehrere Zehntelsekunden finden.
Dabei spielte auch der für Monza besonders wichtige Windschatten eine Rolle. Russell erhielt auf den langen Geraden Unterstützung von seinem Mercedes-Teamkollegen Kimi Antonelli. Gasly erwischte seinerseits einen günstigen Windschatten hinter Lewis Hamilton und brachte anschließend eine nahezu fehlerfreie Runde zusammen. Mit 1:21,786 Minuten verbesserte er sich entscheidend und verdrängte Russell in letzter Sekunde von der Spitze.
Für Gasly bedeutet das Ergebnis nicht nur die erste Pole seiner eigenen Formel-1-Karriere, sondern auch die erste für Alpine unter diesem Namen. Für den Rennstall aus Enstone ist es die erste Pole Position seit 2009. Ausgerechnet auf jener Strecke, auf der Gasly seinen bislang größten Erfolg in der Formel 1 gefeiert hatte, gelang ihm damit ein weiterer persönlicher Meilenstein.
Ferrari verpasst die erhoffte Heim-Pole
Für Ferrari endete das Qualifying dagegen etwas ernüchternd. Nach starken Trainingsleistungen hatten sich die Tifosi Hoffnungen auf die Pole gemacht. Leclerc führte am Freitag einen Ferrari-Doppelsieg im ersten Training an, Hamilton hatte eine Pole beim Heimrennen zuvor als seinen großen Traum bezeichnet.
Schon in Q2 geriet Ferrari allerdings erheblich unter Druck. Hamilton rettete sich lediglich um eine Tausendstelsekunde vor Gabriel Bortoleto in die Top Ten, auch Leclerc kam nur als Neunter weiter. Beide mussten damit bis zum Ende um den Einzug in Q3 zittern.
Dort gelang eine Steigerung, für die Pole reichte es aber nicht. Leclerc fuhr mit 1:22,004 Minuten auf Rang vier, Hamilton folgte nur sieben Tausendstelsekunden dahinter auf Platz fünf. Angesichts der schwierigen zweiten Qualifying-Phase war das zumindest eine deutliche Steigerung, die erhoffte erste Startplatz bei dem Heimrennen blieb aber aus.
Ferrari bleibt damit für Sonntag in Schlagdistanz, auch wenn die erhoffte erste Startreihe beim Heimrennen ausblieb.
Mercedes mit Teamarbeit, McLaren mit Bremsproblemen
Russell befindet sich trotz der knapp verpassten Pole in einer ausgezeichneten Ausgangslage. Der Brite hatte sowohl das zweite als auch das dritte Training angeführt und startet nun nur 0,060 Sekunden hinter Gasly aus der ersten Reihe.
Mercedes nutzte dabei bewusst Antonellis Situation. Der WM-Führende wusste bereits vor dem Qualifying, dass er wegen eines vollständigen Power-Unit-Wechsels vom Ende des Feldes starten muss. Entsprechend stellte er sich teilweise in den Dienst Russells und gab seinem Teamkollegen Windschatten. Antonelli selbst qualifizierte sich auf Rang sieben, kann diesen Startplatz aufgrund der Strafe aber nicht nutzen.
Bei McLaren verlief das Qualifying schwieriger. Piastri wurde zwar Dritter, kämpfte aber ebenso wie Lando Norris mit Problemen beim Bremsen. Auf seinem letzten Q3-Versuch verbremste sich der Australier in der ersten Schikane und vergab damit eine mögliche Verbesserung. Norris kam nur auf Rang neun.
Bereits in Q2 sorgte Piastri zudem für Ärger bei Liam Lawson. Der McLaren-Pilot verlangsamte vor der ersten Schikane und geriet anschließend in den Weg des auf einer schnellen Runde befindlichen Neuseeländers. Lawson schied als 14. aus, die Stewards nahmen die Szene nach dem Qualifying unter die Lupe.
Max Verstappen musste sich mit Rang sechs begnügen. Bereits in Q2 klagte der Red-Bull-Pilot über Probleme am Heck seines Autos. Zwar konnte er weiterfahren, im entscheidenden Abschnitt fehlte ihm aber die nötige Sicherheit. Mit 1:22,070 Minuten blieb er 0,284 Sekunden hinter Gasly.
Gasly wird zum Faktor im WM-Kampf
Gaslys Pole macht die Ausgangslage für Sonntag besonders interessant. Der Alpine-Pilot selbst spielt mit 35 Punkten keine Rolle im Titelkampf, startet aber unmittelbar vor mehreren Fahrern, für die in Monza wichtige WM-Zähler auf dem Spiel stehen.
Antonelli führt die Weltmeisterschaft mit 242 Punkten an, Russell und Hamilton folgen mit jeweils 183 Zählern. Weil der Italiener vom Ende des Feldes starten muss, bietet sich seinen Verfolgern eine große Gelegenheit. Russell steht in der ersten Reihe, Piastri folgt von Rang drei, die beiden Ferrari starten direkt dahinter.
Startaufstellung für den Großen Preis von Italien
Nach aktuellem Stand ergibt sich folgende Startreihenfolge:
P1 – Pierre Gasly (Alpine)
P2 – George Russell (Mercedes)
P3 – Oscar Piastri (McLaren)
P4 – Charles Leclerc (Ferrari)
P5 – Lewis Hamilton (Ferrari)
P6 – Max Verstappen (Red Bull)
P7 – Franco Colapinto (Alpine)
P8 – Lando Norris (McLaren)
P9 – Arvid Lindblad (Racing Bulls)
P10 – Gabriel Bortoleto (Audi)
P11 – Oliver Bearman (Haas)
P12 – Nico Hülkenberg (Audi)
P13 – Carlos Sainz (Williams)
P14 – Esteban Ocon (Haas)
P15 – Yuki Tsunoda (Racing Bulls)
P16 – Valtteri Bottas (Cadillac)
P17 – Sergio Pérez (Cadillac)
P18 – Fernando Alonso (Aston Martin)
P19 – Lance Stroll (Aston Martin)
P20 – Kimi Antonelli (Mercedes)
P21 – Liam Lawson (Red Bull)
P22 – Alexander Albon (Williams)