Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali bestätigte die geplante Ausweitung der Sprintrennen nun erneut im Rahmen der Veröffentlichung der Quartalszahlen von Liberty Media, dem US-amerikanischen Medien- und Unterhaltungskonzern, dem die Formel 1 gehört. Die Kurzrennen hätten vor allem die Zuschauerzahlen an Freitagen und über das gesamte Rennwochenende hinweg positiv beeinflusst. Gleichzeitig will die Formel 1 die Zahl der Sprint-Wochenenden nicht unbegrenzt erhöhen. Ihre begrenzte Anzahl soll weiterhin einen besonderen Reiz darstellen.
So funktioniert ein Sprint-Wochenende
Sprintrennen wurden 2021 zunächst bei drei Veranstaltungen getestet, seit 2023 stehen jeweils sechs davon im Kalender. 2026 finden die Sprints in Shanghai, Miami, Montreal, Silverstone, Zandvoort und Singapur statt.
Das Format unterscheidet sich deutlich von einem klassischen Grand-Prix-Wochenende. Am Freitag gibt es nur ein Freies Training, anschließend folgt bereits das Sprint-Qualifying. Der rund 100 Kilometer lange Sprint wird am Samstag ausgetragen und dauert normalerweise ungefähr 30 Minuten. Einen verpflichtenden Boxenstopp gibt es nicht. Die ersten acht Piloten erhalten WM-Punkte, wobei der Sieger acht Zähler bekommt und der Achtplatzierte noch einen Punkt. Anschließend findet am Samstag das reguläre Qualifying für den Grand Prix am Sonntag statt.
Damit stehen an einem Sprint-Wochenende vier Sessions mit sportlicher Bedeutung auf dem Programm, während es bei einem klassischen Wochenende nur Qualifying und Grand Prix sind.
Formel 1 sieht großes Interesse
Für die Verantwortlichen liegt der Vorteil auf der Hand: Schon am Freitag geht es um etwas. Domenicali verwies zuletzt auf rund 150.000 Besucher am Freitag des Rennwochenendes in Silverstone und argumentierte, dass diesen Fans auch sportlich relevanter Wettbewerb auf der Strecke geboten werden müsse.
Auch die TV-Zahlen sprechen aus Sicht der Formel 1 für das Konzept. Nach offiziellen Angaben lagen die durchschnittlichen Einschaltquoten bei Sprint-Wochenenden 2024 rund zehn Prozent über jenen klassischer Veranstaltungen.
Ein erster Austragungsort für 2027 ist bereits bekannt. Monza soll nach Angaben von ACI-Präsident Geronimo La Russa ab der kommenden Saison drei Jahre in Folge einen Sprint austragen. Auf der italienischen Traditionsstrecke wurde bereits 2021 eines der ersten Kurzrennen der Formel-1-Geschichte gefahren.
Weniger Training kann für Überraschungen sorgen
Sportlich verändert ein Sprint-Wochenende die Vorbereitung erheblich. Teams und Fahrer haben nur eine Trainingsstunde Zeit, um Abstimmung, Reifenverhalten und die neuen Autos zu verstehen. Fehler beim Setup können deshalb wesentlich schwerer korrigiert werden.
Das kann Außenseitern Chancen eröffnen und den Druck auf die Topteams erhöhen. Gleichzeitig bedeutet ein zusätzliches Rennen eine weitere Möglichkeit für Unfälle und technische Schäden – und damit ein Risiko für den eigentlichen Grand Prix.
Nicht alle Fahrer sehen eine weitere Expansion deshalb uneingeschränkt positiv. Williams-Pilot Carlos Sainz Jr. erklärte bereits im Februar, dass er grundsätzlich offen für zusätzliche Sprints sei, das Konzept vor einer deutlichen Ausweitung aber weiter verbessert werden müsse. Charles Leclerc sprach sich dafür aus, Sprint-Wochenenden weiterhin auf eine Minderheit der Rennen zu beschränken, und bezeichnete die derzeit sechs Veranstaltungen als den idealen Umfang.
Zwischen mehr Rennbetrieb und zusätzlicher Belastung
Andere würden deutlich weiter gehen. Alpine-Berater Flavio Briatore sprach sich zuletzt sogar für einen Sprint bei jedem Grand Prix aus. Für ihn bietet ein zusätzliches Rennen den Zuschauern wesentlich mehr als weitere Trainingsrunden.
So weit will die Formel 1 vorerst nicht gehen. Dennoch ist die Richtung eindeutig: Der Sprint entwickelt sich von einem Experiment zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Weltmeisterschaft. Sollten es 2027 tatsächlich neun oder zehn Sprint-Wochenenden werden, würde bereits bei deutlich mehr als einem Drittel der Grands Prix ein zusätzliches Rennen stattfinden. Mehr WM-Punkte, weniger Trainingszeit und zusätzliche Rennstarts könnten dadurch auch sportlich dafür sorgen, dass Sprint-Wochenenden im Titelkampf noch stärker ins Gewicht fallen.