Nach dem Sieg beim Bahrain Grand Prix in Sepang feierte Verstappen damit seinen zweiten Grand-Prix-Erfolg in Serie und krönte ein perfektes Wochenende: Bereits am Samstag hatte er den Sprint gewonnen. Anders als beim verregneten Kurzrennen spielte das Wetter diesmal keine entscheidende Rolle. Trotz Regenrisikos blieb es während des Grand Prix trocken, dafür verlangten Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit Mensch und Material einiges ab.
Leclerc attackiert Verstappen beim Start
Verstappen ging von der Pole Position ins Rennen, Leclerc startete neben ihm. Dahinter folgten Lewis Hamilton und WM-Leader Antonelli, während Lando Norris und Oscar Piastri die dritte Reihe bildeten. George Russell musste nach einem Motorwechsel von Rang 19 starten, Isack Hadjar sowie die beiden Aston Martin nahmen das Rennen aus der Boxengasse auf.
Leclerc erwischte den besseren Start und zog auf den ersten Metern fast auf gleiche Höhe mit Verstappen. Der Niederländer verteidigte die Innenbahn in Kurve eins allerdings konsequent und blieb vorne. Hamilton behauptete Rang drei vor Antonelli, obwohl der Ferrari-Pilot im Gegensatz zu den meisten direkten Konkurrenten auf Medium-Reifen gestartet war.
In den ersten Runden konnte Leclerc Verstappen noch unter Druck setzen. Zeitweise lag weniger als eine halbe Sekunde zwischen den beiden, doch der Ferrari musste dabei im turbulenten Luftstrom hinter dem Red Bull fahren und beanspruchte seine Soft-Reifen entsprechend stark.
Erste Unterbrechung bringt Bewegung ins Rennen
In Runde acht musste Gabriel Bortoleto seinen Audi mit einem technischen Problem nahe der Boxenausfahrt abstellen. Die Rennleitung aktivierte das Virtual Safety Car. Weil das Auto ungünstig stand und ein Boxenstopp dadurch zusätzliche Risiken gebracht hätte, verzichteten die Spitzenfahrer auf einen Reifenwechsel.
Nach der Freigabe begann Verstappen das Tempo anzuziehen. Bis zur 14. Runde hatte er seinen Vorsprung auf Leclerc bereits auf mehr als zwei Sekunden ausgebaut. Gleichzeitig geriet Hamilton auf seinen Medium-Reifen zunehmend unter Druck. Hinter ihm warteten Antonelli, Norris und Piastri auf eine Gelegenheit.
Hamilton meldete schließlich mangelnden Grip an der Hinterachse und kam in Runde 19 als erster Spitzenfahrer an die Box. Ferrari wechselte auf Soft-Reifen. Antonelli stoppte einige Runden später und erhielt Mediums, Leclerc folgte kurz darauf mit derselben Mischung.
Boxenstopps ordnen das Feld neu
Nach Leclercs erstem Stopp kam dieser knapp vor Hamilton zurück auf die Strecke. Hamilton fühlte sich auf seinen frischen Soft-Reifen deutlich schneller und machte am Funk klar, dass er nicht hinter seinem Teamkollegen festhängen wollte. Ferrari entschied sich zunächst jedoch gegen einen Platztausch.
Verstappen blieb währenddessen länger draußen und nutzte den freien Raum an der Spitze. Erst in Runde 33 absolvierte der Red-Bull-Pilot seinen einzigen regulären Stopp und wechselte auf Medium-Reifen. Sein Vorsprung war groß genug, um die Führung problemlos zu behalten.
McLaren setzte ebenfalls auf längere erste Stints. Norris kam vor Piastri zum Reifenwechsel, der Australier verlor bei seinem Stopp zusätzlich Zeit. Damit schien sich der Kampf um das Podium zunächst auf Ferrari und Antonelli zu konzentrieren.
Zweites Virtual Safety Car verändert die Taktiken
In Runde 39 blieb Lance Stroll mit einem technischen Defekt stehen und löste die zweite Virtual-Safety-Car-Phase des Rennens aus. Leclerc und Antonelli nutzten die Gelegenheit für einen günstigen zweiten Boxenstopp und wechselten erneut die Reifen.
Ferrari ließ Hamilton dagegen auf seinem bereits gebrauchten Soft-Satz draußen. Die Entscheidung brachte ihm zunächst Positionen, sollte in der Schlussphase jedoch teuer werden.
Auch Piastris Rennen erhielt einen weiteren Rückschlag. Wegen eines schleichenden Reifenschadens musste der McLaren-Pilot nochmals an die Box und fiel hinter Norris zurück.
Währenddessen bekam Antonelli zusätzlich Probleme mit den Bremsen. Der Italiener berichtete zwischenzeitlich von einem sehr langen Bremspedal, konnte sein Tempo aber stabilisieren. Später erhielt er zudem wegen mehrfacher Überschreitung der Streckenbegrenzung die schwarz-weiße Flagge und durfte sich keinen weiteren Fehler leisten.
Hamilton fällt vom Podium auf Rang sechs zurück
Leclerc machte seinen Vorteil mit den frischeren Reifen schnell geltend. Der Monegasse holte innerhalb weniger Runden rund zehn Sekunden auf Hamilton auf und ging schließlich an seinem Teamkollegen vorbei. Damit war Rang zwei wieder in seiner Hand.
Dahinter entwickelte sich in der Schlussphase der spannendste Kampf des Rennens. Hamilton versuchte seinen dritten Platz mit stark abbauenden Soft-Reifen gegen Norris und Antonelli zu verteidigen.
Norris attackierte den Ferrari in Runde 54 in der ersten Kurvenkombination. Hamilton musste über die Auslaufzone, konnte den McLaren aber zunächst hinter sich halten. Genau diese Situation nutzte Antonelli: Der Mercedes-Pilot schlüpfte an Norris vorbei und schnappte sich wenig später auch Hamilton.
Norris folgte eine Runde später und verdrängte Hamilton ebenfalls. Auf der vorletzten Runde zog schließlich auch Piastri vorbei. Der Ferrari-Pilot, der zeitweise gute Aussichten auf das Podium gehabt hatte, fiel damit noch auf Rang sechs zurück. Die Entscheidung, seinen zweiten Stopp auszulassen, hatte sich nicht ausgezahlt.
Verstappen lässt an der Spitze nichts mehr anbrennen
Leclerc konnte den Rückstand auf Verstappen mit seinen frischeren Reifen zwar noch einmal deutlich verkürzen. Einen echten Angriff auf die Spitze gab es aber nicht mehr. Verstappen kontrollierte seinen Vorsprung und gewann nach 62 Runden mit etwas mehr als sieben Sekunden Vorsprung.
Antonelli sicherte sich trotz seiner Bremsprobleme Rang drei. Norris und Piastri folgten auf den Plätzen vier und fünf. Russell betrieb von Startplatz 19 Schadensbegrenzung und kämpfte sich bis auf Rang neun nach vorne. Hadjar gelang nach dem Start aus der Boxengasse mit Platz zehn ebenfalls noch der Sprung in die Punkte.
Der angekündigte Regen blieb aus. Damit spielte das Wetter im Hauptrennen eine deutlich kleinere Rolle als im Sprint. Entscheidend waren stattdessen Reifenverschleiß, die beiden Virtual-Safety-Car-Phasen und vor allem die unterschiedlichen strategischen Entscheidungen.
Antonelli vergrößert seinen Vorsprung in der WM
Für Verstappen bestätigt der zweite Grand-Prix-Sieg in Folge den deutlichen Aufwärtstrend von Red Bull. Mit 221 Punkten liegt er mittlerweile auf Rang vier der Fahrer-WM und nur noch acht Punkte hinter Hamilton.
Noch wichtiger war das Wochenende allerdings für Antonelli. Der Mercedes-Pilot steht nun bei 340 Punkten, während Russell nach seinem neunten Platz 238 Zähler hält. Der Vorsprung des Italieners wächst damit auf 102 Punkte an. Hamilton folgt mit 229 Punkten vor Verstappen, Leclerc und Norris.
Nach dem intensiven Triple-Header erhält die Formel 1 nun eine kurze Pause. In zwei Wochen geht es beim Großen Preis der USA in Austin weiter.
Ergebnis des Großen Preises von Singapur
P1 – Max Verstappen – Red Bull – 1:42:00,785
P2 – Charles Leclerc – Ferrari – +7,335
P3 – Kimi Antonelli – Mercedes – +24,573
P4 – Lando Norris – McLaren – +40,506
P5 – Oscar Piastri – McLaren – +49,644
P6 – Lewis Hamilton – Ferrari – +53,188
P7 – Liam Lawson – Racing Bulls – +1:21,666
P8 – Nico Hülkenberg – Audi – +1:23,386
P9 – George Russell – Mercedes – +1:24,677
P10 – Isack Hadjar – Red Bull – +1:30,862
P11 – Pierre Gasly – Alpine – +1 Runde
P12 – Oliver Bearman – Haas – +1 Runde
P13 – Esteban Ocon – Haas – +1 Runde
P14 – Carlos Sainz – Williams – +1 Runde
P15 – Arvid Lindblad – Racing Bulls – +1 Runde
P16 – Fernando Alonso – Aston Martin – +1 Runde
P17 – Sergio Perez – Cadillac – +2 Runden
P18 – Alexander Albon – Williams – DNF
P19 – Valtteri Bottas – Cadillac – +3 Runden
P20 – Lance Stroll – Aston Martin – DNF
P21 – Franco Colapinto – Alpine – DNF
P22 – Gabriel Bortoleto – Audi – DNF