Remco Evenepoel hat die 15. Etappe der Tour de France gewonnen und damit die Gesamtwertung des Rennens grundlegend verändert. Der belgische Doppel-Olympiasieger distanzierte auf dem 11,3 Kilometer langen Schlussanstieg zum Plateau de Solaison den Gesamtführenden Tadej Pogacar und dessen Teamkollegen Isaac Del Toro. Pogacar konterte Evenepoels Antritt im Sprint nur zögerlich und musste sich mit Platz zwei begnügen, Del Toro wurde Dritter.
Florian Lipowitz verlor bereits sieben Kilometer vor dem Ziel den Anschluss an die Spitzengruppe und kam mit 58 Sekunden Rückstand auf dem fünften Platz an. Der deutsche Hoffnungsträger vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe hat in der Gesamtwertung als Fünfter nun 50 Sekunden Rückstand auf den drittplatzierten Del Toro – und kaum noch Argumente für die Rolle des Kapitäns in der Schlusswoche.
Das eigentliche Drama ereignete sich jedoch rund 20 Kilometer vor dem Ziel: Jonas Vingegaard stürzte in einem Kreisverkehr bei der Anfahrt zum Schlussanstieg schwer, hielt sich die rechte Schulter und stieg unter starken Schmerzen in einen Krankenwagen. Der Däne, bis dahin Zweiter der Gesamtwertung, musste die Tour de France aufgeben.
Auch Del Toro gehörte zu den Gestürzten, konnte das Rennen aber fortsetzen. Pogacar führt das Gesamtklassement nun mit komfortablen 5:00 Minuten vor dem neuen Zweiten Evenepoel an.
Die Nacht vor der Etappe verlief für die Stars alles andere als erholsam: Unangekündigte Dopingkontrollen rissen die Fahrer aus dem Schlaf. Vingegaard wurde nach eigenen Angaben um 2.00 Uhr geweckt.
„Ich habe gut geschlafen, aber dann klopfte es an der Tür. Es war für mich eine große Überraschung”, sagte Vingegaard bei Eurosport, und fügte hinzu: „Es ist gut, dass sie testen. Aber natürlich hat das einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit vor so einer Etappe.” Pogacar gab an, nur vier Stunden geschlafen zu haben. „Es war definitiv nicht schön, mitten aus süßen Träumen geweckt zu werden. Ich konnte einfach nicht wieder einschlafen. Also habe ich alte Eminem-Hits gehört und mir Kaffee gemacht. Jetzt bin ich ziemlich überkoffeiniert”, sagte Pogacar am Start. Auf dem 183,9 Kilometer langen Teilstück mit fast 4000 Höhenmetern legte das Peloton ein extrem hohes Tempo vor.
Zahlreiche Ausreißversuche scheiterten, erst zur Rennhälfte setzte sich eine stark besetzte Gruppe ab – darunter Top-10-Kandidat Thomas Pidcock aus Großbritannien. Zum Etappensieg reichte es für keinen der Ausreißer.