Es war eine Machtdemonstration der besonderen Art: Tadej Pogacar attackierte am Tourmalet, ließ Jonas Vingegaard stehen und fuhr 43 Kilometer im Alleingang bis ins Ziel des Cirque de Gavarnie. Der Slowene übernahm damit auf der sechsten Etappe der Tour de France das Gelbe Trikot und führt die Gesamtwertung nun mit vorentscheidend wirkenden 2:42 Minuten an.
Dem zweimaligen Tour-Sieger Vingegaard nahm er auf dem Weg zum Ziel satte 2:38 Minuten ab. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Etappe im Führungsfahrzeug von Tour-Direktor Christian Prudhomme verfolgte, erlebte dabei einen historischen Pyrenäen-Showdown.
Eingeleitet hatte das Spektakel UAE-Helfer Isaac Del Toro, der fünf Kilometer vor dem Tourmalet-Gipfel eine mächtige Attacke lancierte, der nur Pogacar selbst folgen konnte. An der Bergwertung oben hatte der Titelverteidiger bereits rund 30 Sekunden Vorsprung auf Vingegaard herausgefahren.
Florian Lipowitz, Vorjahres-Dritter und Hoffnungsträger des deutschen Radsports, kam mit knapp drei Minuten Rückstand als Sechster an – sein Red Bull-Bora-hansgrohe-Teamkollege Remco Evenepoel wurde vor ihm Vierter. Der Gesamtführende Torstein Träen (Uno-X Mobility) aus Norwegen stürzte weit abgeschlagen und kämpfte sich gebeutelt ins Ziel.
Die ersten 86 flachen Kilometer des Tages hatten die Fahrer noch mit einem Schnitt von 45 km/h absolviert, ehe Nils Politt das UAE-Team an die Spitze des Feldes am Col d’Aspin führte und klarstellte: Ein Ausreißer-Sieg war heute keine Option. Der 17,1 km lange Tourmalet mit 7,3 Prozent Durchschnittssteigung von Sainte-Marie de Campan aus – 1910 erstmals und seither 91 weitere Male überfahren – forderte anschließend seinen Tribut. Nach dem Gipfel folgte der 18,7 km lange Schlussanstieg zum Cirque de Gavarnie, auf dem Pogacar seinen Vorsprung weiter ausbaute.