Florian Lipowitz hat die Tour de France nach einem schweren Sturz im Einzelzeitfahren vorzeitig beenden müssen. Der deutsche Hoffnungsträger vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe verlor in einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Rad, prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Absperrung und blieb auf dem Asphalt liegen. Lipowitz hielt sich die rechte Schulter und wurde anschließend zu einem Krankenwagen geführt. Seine zweite Frankreich-Rundfahrt endete damit auf tragische Weise.
Rein sportlich ragte dessen Teamkollege Remco Evenepoel heraus. Der Weltmeister und Doppel-Olympiasieger gewann das einzige Einzelzeitfahren der 113. Frankreich-Rundfahrt über 26,1 km entlang des Genfer Sees zwischen Évian-les-Bains und Thonon-les-Bains in 32:19 Minuten – und das am belgischen Nationalfeiertag.
Evenepoel lag 28 Sekunden vor Tadej Pogacar, der Dritte Mattias Skjelmose (Lidl-Trek) verlor 1:04 Minuten. Für Evenepoel war es sein vierter Tour-Etappensieg und der zweite in Serie. In der Gesamtwertung verkürzte er den Rückstand auf Pogacar auf 4:32 Minuten, seinen Vorsprung auf Pogacars Teamkollegen Isaac del Toro baute der Belgier auf über zwei Minuten aus.
„Das ist ein großes Unglück. Es ist ein bittersüßer Sieg”, sagte Evenepoel über den Sturz von Lipowitz: „Ich wünsche ihm das Allerbeste.” Auf dem anspruchsvollen Kurs mit der 9,7 km langen Cote de Larringes hatte Evenepoel an der Bergkuppe bereits 14 Sekunden Vorsprung auf Pogacar herausgefahren. Nach der technischen Abfahrt und einem etwa acht Kilometer langen Flachstück ins Ziel war der Vorsprung nicht mehr aufzuholen. Evenepoel nutzte dafür einen Prototypen seines Radherstellers.
Am Rande des Rennens sorgte das Thema Dopingkontrollen für Diskussionen. Wie Teamchef Ralph Denk im ZDF berichtete, wurde das Red-Bull-Team am Montagabend zwischen 22.00 und 23.00 Uhr kontrolliert – noch innerhalb des zulässigen Zeitrahmens. Denk räumte Einschränkungen bei der Regeneration ein, zeigte aber Verständnis.
Nico Denz kommentierte in der ARD gelassen: „So ist es eben. Immerhin war die Kontrolle nicht um zwei Uhr nachts, sondern gegen halb elf.” Ex-Champion Jonas Vingegaard (Visma-Lease a bike) war in der Nacht zu Sonntag um 2.00 Uhr getestet worden – er stürzte am selben Tag und schied aus. Nun traf es auch Lipowitz.
Am Mittwoch steht die 17. Etappe über 174,7 km nach Voiron auf dem Programm – ein vergleichsweise ruhiger Tag vor der entscheidenden Alpentrilogie. Ausreißer haben gute Chancen, Sprinter eine möglicherweise letzte Gelegenheit.